Apokalypse – ja oder nein?

Nach dem ersten Band („Der letzte Engel“) geht die Geschichte um Motte weiter: Er erwacht neben seinem eigenen Grab, ist ein Engel – und prompt werden ihm seine Flügel von drei uralten Kreaturen gestohlen. So ganz nebenher hat sein Atemzug die Toten erweckt…

Motte ist ziemlich durch den Wind: Seit er gestorben ist und seine Flügel gestohlen wurden, herrscht eine unsäglich Leere in ihm. Außerdem weiß er immer noch nicht viel mit seiner Situation anzufangen. Esko, der Engel, den Mona aus ihrer Erinnerung mitgebracht hat, versucht, ihm zu helfen. Doch selbst er kennt nur Bruchstücke der wahren Geschichte. Die entfaltet sich nach und nach, als die Gräfinnen den Zar als Beute für die Bruderschaft zurücklassen und er erkennt, dass sie ihn über all die Jahrhunderte nur benutzt haben. Die wahre Geschichte von ihrem Begleiter Kohlja wird ebenso aufgedeckt wie die echte Motivation des Zaren. Mona reist durch ihre Erinnerungen, während ihre Schwestern als Gesiter versuchen, sie vor allerlei Gefahren zu schützen.

Schnell wird klar, dass auch Mona wie Motte einer von vier Engeln ist. Damit die Prophezeiung, die über allem hängt, erfüllt werden kann, braucht es aber alle vier Engel. Und dann gibt es da noch dieses Niemandsland im Eis, unter dessen kalter Decke sich eine unglaubliche entdeckung anbahnt: Es ist nicht das erste Mal, dass diese Welt um die Existenz von Engeln kämpft!

Die Kritik

Wer Band 1 gelesen hat, wird trotzdem nicht ohne weiteres in die Handlung von Band 2 einsteigen können. Zu viele Details sind jetzt wieder wichtig. Ich empfehle daher, das erste Buch noch einmal zu googlen und sich die Handlung noch einmal zu verinnerlichen.

Das Motiv mit den vier Engeln ist kein unbekanntes: Immerhin gibt es da die vier Reiter der Apokalypse. Darauf deutet auch die Handlungsentwicklung hin, dass die Toten wieder auferstehen und zu ihren Liebsten zurückkehren. Das ist aber alles, was sich an Ähnlichkeit finden lässt. Der Autor konzentriert sich lieber auf einen ganz anderen Lösungsweg. Das ist innovativ und nicht platt, also inhaltlich sehr interessant.

Ein großes Manko gibt es: Es sind sehr viele Erzählstränge, die der Autor verfolgt. Motte, ein IT’ler im Hintergrund, die Familie, die Bruderschaft, ein altes Volk, einzelne Mitglieder der beiden Organisationen … und dann reisen diese Handlungsstränge noch durch die Zeit. Für mich als Mittzwanzigerin ist das wirklich sehr verwirrend gewesen. Bei jedem neuen Kapitel musste man erst mal kurz abwarten, wo man sich in der Geschichte befindet – und Kapitelwechsel gibt es sehr viele, gerade beim Ende. Da es ein Jugendbuch ist, gehe ich davon aus, dass es dem jüngeren Publikum nicht viel besser gehen wird. Auch hinsichtlich des Endes geht es ein wenig flach aus. Die große Spannungskurve verpufft und wird durch eine Art zweites Ende ersetzt, was den Leser dann allerdings nicht gerade vom Hocker reisst.

Fazit: Band 1 war ein starker Auftakt, Band 2 ist etwas zu verwirrend mit einem leicht enttäuschenden Ende. Bei einer Sternenbewertung wären es 3 von 5.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Zoran Drvenkar. Der Letzte Engel – Der Ruf aus dem Eis.
cbj Verlag. 16,99 Euro.

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