Anspruchsvoll und zuweilen zäh: „Das Archipel der Schlaflosigkeit“

„Das Archipel der Schlaflosigkeit“ von Antonio Lobo Antunes ist ein wortgewaltiges Werk, das auf einem Landgut in Portugal spielt. Hier leben mehrere Generationen unter der Herrschaft des Großvaters. Auf dem Landgut zu leben ist nicht einfach, denn der selbsternannte Patriach macht es mit seiner Rücksichtslosigkeit, seiner Strenge und seiner Gewaltbereitschaft der Familie, und auch den Bediensteten, nicht einfach. Doch wie ist das Leben unter einem solchen Menschen?

Im Zentrum des Buches stehen die Themen, mit denen sich die Menschen in ihrem Leben wahrscheinlich am meisten auseinandersetzen müssen. Tod, Hass, Gewalt, Macht und sogar die Liebe wurden in ein metapherreiches Kleid gewandt und zu Papier gebracht. Man findet für das Zitateheft so manchen Schatz, der sich definitiv lohnt, herausgeschrieben und mit der Welt geteilt zu werden. Jedenfalls erging es mir an manchen Stellen so. 

Allerdings war die Sprache auch etwas, die mich gleichzeitig gestört hat. So schön die Metaphern auch später sind, umso schwerer war der Einstieg in das Buch. Durch die erste Hälfte des Buches habe ich mich ziemlich durchgequält und ungewöhnlich lange gebraucht. Oft hatte ich das Gefühl, 

dass der Gedanke einfach irgendwo anfing, um dann urplötzlich von einem anderen abgelöst zu werden. Außerdem hatte ich den Eindruck, als ob ich einen ziemlich verträumten Tagträumer „belauschen“ würde, der immer nur kleine Bruchstücke laut ausspricht, und den Gedanken dann verträumt in seinem Kopf zu Ende denkt.

Die Zeichensetzung wurde auf Bindestriche für wörtliche Rede und Kommata reduziert, was die Sache auch nicht gerade einfacher machte. An und für sich mag ich anspruchsvolle Bücher, aber insgesamt musste ich mich zusammenreißen, um gedanklich am Ball zu bleiben. Vielleicht ist das auch einfach eine Altersfrage 😉 

Obwohl das Buch sehr eigenwillig ist, war es alles in allem doch interessant. Für Freunde des unkonventionellen Schreibstils, der anspruchsvollen Bücher, und natürlich von Antunes selbst, werden dieses Buch jedenfalls lieben. Und auch wenn die Rezension vielleicht etwas negativ klingt, wird es bestimmt nicht mein letztes Buch von ihm sein. 

Eine academicworld-Userrezension von Manuela Dutz 


ANTÓNIO LOBO ANTUNES, Der Archipel der Schlaflosigkeit

22,99 Euro, Luchterhand Literaturverlag

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