(Alp-)Traumabenteuer

Frankreich in den 70er Jahren: Die junge und bildhübsche Sekretärin Dany hat einen brennenden Wunsch – sie will einmal das Meer sehen! Ein Wunsch, den sie sich selbst erfüllen will, als sie kurzerhand das Auto ihres Chefs stibitzt und sich auf einen Roadtrip begibt, der mehr einem Drogentrip zu gleichen scheint …

Dany ist eine attraktive junge Frau, die sich in der Arbeit hinter ihrer großen Brille, dem christlichen Kreuz an ihrer Halskette und adretten Pullovern versteckt. Aus ihrem Arbeitsalltag als Sekretärin will sie unbewusst trotzdem ausbrechen – und der perfekte Zeitpunkt scheint gekommen! Denn nachdem sie für ihren Chef bei ihm daheim einige Seiten getippt hat, fährt sie ihn und seine Frau zum Flughafen – und soll zuletzt noch das Auto des Chefs wieder in die Garage bringen. Doch stattdessen schert sie nach rechts aus und fährt Richtung Süden. Denn sie wollte schon immer mal das Meer sehen!

Bei einer kleinen Rast passieren ihr dann die merkwürdigsten Dinge: Scheinbar kennen sie die Menschen im Ort und vor allem an der Tankstelle, wo sie auch noch überfallen wird und misshandelt. Jeder ist davon überzeugt, sie am Tag vorher schon gesehen zu haben und Dany zweifelt immer mehr an ihrer geistigen Kompetenz. Dann trifft sie auf einen äußerst charmanten Dieb, der im Kopfferaum ein Gewehr und eine Leiche entdeckt …

 Die Kritik

Das Motiv der schüchternen jungen Frau, die ausbrechen möchte und sich gleich einem Schmetterling entfaltet, ist kein neues. Doch wie heißt es so schön? Die wenigsten Geschichten sind neu, es kommt nur darauf an, sie neu zu erzählen. Ein Vorhaben, das mit diesem Film wunderbar gelungen ist. Von Anfang an ist der Zuschauer auf die junge Dany fixiert, deren Glück – am Meer zu sein – immer wieder eingeblendet wird. Insofern ist klar, dass sie ihr Ziel erreichen wird. Angesichts der Umstände, die ihr bald wiederfahren, baut das Spannung auf! Denn einerseits kann man sich nicht vorstellen, wie das noch gut ausgehen kann. Andererseits hat der Zuschauer genausowenig Ahnung wie Dany, was hier eigentlich los ist. Das Ergebnis ist ein Film, den man nicht loslassen oder gar pausieren lassen kann. Eines kann ch versprechen: Der Hintergrund ist sowohl logisch als auch echt verzwickt und doch so einfach.

Der Film endet typisch französisch. Denn wie schon bekannt ist, erreicht sie das Meer. Alles weitere bleibt den Gedanken überlassen. So ein undefinierter Schluss gefällt nicht jedem Zuschauer, ist aber letztendlich genau das: Geschmackssache. Eigentümlich ist, dass das Ende eigentlich gar nicht so wichtig ist. Denn alles läuft auf eine Frage hinaus: Hat Dany den Vollschuss oder nicht? Immerhin entwickelt sie quasi eine Art doppelte Persönlichkeit, wenn sie selbst mit sich spricht. Genau solche Momente sind hervorragend inszeniert, indem einmal die Erzählstimme ertönt und ein anderes Mal die Figur tatsächlich spricht.

Das Fazit: Sehr sehenswert, nicht nur wegen der super stylishen 70er Optik!

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Lady in The Car With Glasses And a Gun

Darsteller: Freya Mavor, Benjamin Biolay, Elio Germano, Stacy Martin

Seit dem 2. Januar im Vertrieb von Tiberius Films als DVD und BluRay im Handel erhältlich!

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