Alles Scheiße oder was?

Mit „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ wird eindrucksvoll bewiesen: Auch der deutsche Film kann mal aus dem Rahmen fallen bzw. aus den vorgefertigten Schubladen. Es wunderbar leichtfüßiger Film über Sterben, Verlust und Lebenslust.

Alles Scheiße oder was?
Dreamteams wider Willen. © NFP

Einfach mal den Krebs anschreien

Der Ton macht die Musik – so einfach ist das. Schon die Auftakttragödie in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ (nach dem gleichnamigen Buch von Gernot Gricksch, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist) legt also das Spektrum der Stimmungen fest. Babette Färber, geliebte Frau von Markus (Wotan Wilke Möhring) und Mutter von Kim (Helen Woigk) stirbt viel zu früh und viel zu absurd. Die lebenslustige Kindergärtnern erdrosselt sich selbst an ihrer Perlenkette als sie den Kindergarten dekoriert … Ehemann Markus kann mit dem tragischen Verlust zunächst kaum umgehen und versucht durch ignorieren an der Realität festzuhalten. Da hält Kim gar nichts von. Durch ihre Ohren nehmen wir die Beerdigung war – Stöpsel im Ohr, Hardrock drauf. Soll ja niemand merken, dass das Mädel mit der Harten Gothic-Schale eigentlich extreme Verlustängste hat und sich total verloren fühlt.

Alles Scheiße oder was?
Was macht ihr denn hier? © NFP

Um den beiden Problemfällen nicht noch zusätzlich das Leben schwer zu machen, erzählt Oma Gerlinde (Christine Schorn) ihnen lieber nichts von ihrem Darmkrebs und lässt sich stattdessen von der gewöhnungsbedürftigen, aber herzlichen Pflegerin Paula (Rosalie Thomass) umsorgen. Die lässt sie schon mal den blöden Krebs schimpfen. Das alles kann natürlich nicht lange gut gehen. Und als Kim sich in den coolen Schul-Abbrecher Alex verliebt und mit ihm in Richtung Norden abhaut, brechen auch die anderen drei zu einer Reise auf, die ihrer aller Leben verändern wird.

Mit Humor wird alles leichter

Drama, Komödie, Roadmovie, eine Geschichte vom Erwachsenwerden – „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ schafft es problemlos und beinahe spielerisch, all das in einen einzigen, wirklich gelungen Film zu packen. Das Ganze ist lustig, aber nicht niveaulos, tragisch, aber nicht deprimierend und zum Nachdenken regt es durchaus auch noch an. Allein die Szene im Reisebüro, als Markus den Urlaub mit seiner Frau stornieren will, was aber – trotz deren Tod – aufgrund fehlender Reiserücktrittsversicherung nicht möglich ist. Kurzerhand lässt Markus den All-inklusive-Urlaub auf zwei Obdachlose umbuchen, die er auch sonst immer mit den Resten seines Party Services versorgt.

Außerdem muss man sagen, dass das Schauspielensemble durchweg hervorragend miteinander und in den Rollen agiert. Vor allem Helen Woigk als wilde, aber verletzliche Kim ist eine echte Entdeckung. Mehr solche deutsche Filme! 

Alles Scheiße oder was?

Gisela Stummer (academicworld.net)

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Regie: André Erkau
Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Frederick Lau, Rosalie Thomass

Eine Riva Filmproduktion in Koproduktion mit Senator Film
Ab 4. Oktober auf DVD und Blu-ray

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