50 Shades of schwarzer, irischer Humor

Paddy Buckley hat so ein bisschen mit dem Leben abgeschlossen: So richtig Spaß hat er nicht, denn nach dem Tod seiner schwangeren Frau ist alles in der Welt so … relativ uninteressant. Das ändert sich rapide, als er unabsichtlich und überraschend nicht nur eine, sondern zwei Menschen um die Ecke bringt.

Paddy ist Bestatter. Als solcher hat er so oft mit dem Tod zu tun, dass all die Hässlichkeit des Sensenmannes keine Auswirkung mehr auf ihn hat. Erst recht nicht, seit er sowohl einen Vater als auch seine schwangere Frau beerdigen musste. Er führt sein Leben quasi wie ein kleiner Roboter. Doch dann stirbt ein halbwegs bekannter Künstler, dessen Witwe körperlichen Trost bei Paddy sucht. Auf dem Höhepunkt des Trostversuchs versagt ihr Herz – und Paddy liegt unter einer Leiche. Theoretisch kann er nichts dafür, aber aus Angst vor etwaigen Verwicklungen reinigt er den „Tatort“, die Leiche (er ist ja vom Fach) und hofft, einfach nicht aufzufliegen. Wenn da jetzt nicht die attraktive Tochter des Opfers wäre, auf die ganz offensichtlich Paddys magische Anziehungskraft wirkt …

Sein Vorhaben wird um ein Vielfaches komplizierter, als er mitten in der Nacht einen Mann überfährt. Nach einigen Schrecksekunden bleibt diesmal ihm fast das Herz stehen – denn der Tote ist der Bruder von Irlands größtem Gangsterboss! Daraus kann Paddy sich fast nicht rausreden, doch er entschließt sich trotzdem zur Fahrerflucht und wird am nächsten Tag herausgeklingelt, um als Bestatter eben diesem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Dafür muss Paddy in die Höhle des Löwen und sich einem extrem rachedürstigen Gangsterboss stellen … Für ihn steht fest: Seine Tage sind gezählt.

Die Kritik

Furztrocken mit deutlichem Einschlag von Zynik – so in etwa kann man den Humor von Patrick Massey beschreiben. Der Autor ist übrigens selbst im Bestattergewerbe tätig – was den unglaublich guten Hauptcharakter erklärt. Denn dessen Handlungen sind authentisch, schlüssig und passen tatsächlich zur Reralität, obwohl er eine vollkommen fiktive Figur ist. Diese Authentizität sorgt gleich mal dafür, dass die Leserin schon nach ganz wenigen Seiten richtig gut in die Geschichte einfühlt. Wer dann noch den Humor zu schätzen weiß, bleibt auch mal einen Tag daheim und liest sich weiter durch die schrägen Verwicklungen der Geschichte, anstatt ins Büro zu marschieren.

Grandiose, kurzweilige Unterhaltung, die mit einem Thema wie dem Tod sowohl ernsthaft, philosophisch als auch spielerisch und humorvoll umgeht. Selten habe ich so etwas Gutes in Bezug auf das Thema Tod gelesen – es hat einfach Spaß gemacht, Paddy Buckley auf seinen letzten vier Tagen zu begleiten. Und am Ende fragt man sich schon, ob man wohl auch so gute Freunde wie Paddy hat, die einem in Zeiten der Not so helfen würden – ich sag nur: Leiche unterm Bett und Paddy im Sarg! Dabei wird aus dem Buch kein Pseudo-haha-kuckt-euch-den-Deppen-an Humor, denn Massey baut auch schon einige echt finstere und andere interessante Menschen in seine Geschichte ein, die es so auch in der Realität geben könnte. Es gibt also eine klare Hauptperson, die von anderen Typen sehr stimmig flankiert wird.

Fazit: Glasklare Leseempfehlung und mit Garantie ein tolles Weihnachtsgeschenk!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Jeremy Massey. Die letzten vier Tage des Paddy Buckley.
Carl’s books. 14,99 Euro.

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