Wo bleibt die Elite?

Ich habe wieder Sehnsucht nach Eliten. Ich fordere das Elitebewusstsein. Ich fordere das Elitedenken, ich fordere: Wir brauchen Elite!

Elite … Etwas gutes, meint Ulf D. Posé

Was ist an Eliten schlecht? Nichts!

Allerdings gibt  es Menschen, die halten sich für Eliten, obwohl sie keine sind. Das sind die ideologischen Eliten. Sie meinen, nur weil sie über eine bestimmte Herkunft verfügen, seien sie etwas Besonderes. Manche meinen gar, sie seien ein besonderes Volk, oder eventuell ein auserwähltes …

Nein, diese dümmliche Form der Elite meine ich nicht. Ich meine keine Eliten, die den Beweis für Ihr Elite-Sein schuldig bleiben müssen. Hier wird etwas verwechselt. Die Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Kaste, einer Berufsgruppe ist keine besondere Tat, sondern ein Wert. Und die Zugehörigkeit zu einer Familie ist ganz sicher kein Verdienst, sondern ein Zufall. Eliten jedoch haben nichts mit Werten, sondern mit Fähigkeiten zu tun.

Diese Form der Eliten meine ich also nicht. Ich meine die Leistungseliten, die Experten. Ein Laie weiß sicher oft sehr viel. Ein Experte jedoch hat ein besonderes Spezialwissen auf einem bestimmten Gebiet – und weiß zwingend gut. Experten zeichnen sich also durch qualitatives Wissen, nicht nur quantitatives Wissen aus. Das lässt sie zur Elite gehören. Besonderes Können, geschulte Fähigkeiten machen Experten, machen Elite aus. In einer Sache besser zu sein,  ist etwas ganz anderes, als sich für besser zu halten. Wenn wir zwischen ideologischer Elite und Leistungselite wieder unterscheiden, dann können wir uns dem sinnvollen, für eine Wirtschaft, eine Politik, eine Philosophie, eine Kultur förderlichen Elitebewußtsein wieder widmen.

Uns fehlen durchaus die Eliten in Wirtschaft, Politik, und Kultur. Und warum fehlen sie uns? Weil wir sie nicht fördern, sondern vielleicht sogar diffamieren. Wie macht Mancher heutzutage Karriere? Schumpeter meinte bei Politikern einmal: „Die Beschäftigung mit politischen Fragen verdummt den menschlichen Geist“. Man mag dem nicht unbedingt zustimmen, jedoch kommt es bei einem Politiker zunächst einmal darauf an, gewählt zu werden. Er muss also Mehrheiten bilden können. Populismus ist der Grundstein zum politischen Erfolg. Klar, daß wir unter  Politikern kaum mehr eine  Leistungselite finden.  Im Grunde genommen sind Politiker oft nur legal gewählte Dilettanten. Na ja, immerhin glauben 16 % aller Deutschen, die Sonne drehe sich um die Erde (also auch 16 % unserer Politiker)!!!

In der Wirtschaft ist es ähnlich. Nur reagiert hier wenigstens der Markt mit dem Entzug von Aufträgen. Wie wenig elitebewusst wir lange Zeit waren,  zeigte unter anderem das Absinken der wirtschaftlichen Bedeutung der Bundesrepublik von Platz vier auf den internationalen Spitzenrang 23! Allerdings wird mir wohler, wenn ich sehe, dass die Bundesrepublik aktuell wieder auf Platz sechs angekommen ist, und dabei die Vereinigten Staaten überholt hat. Allzu stolz sollten wir jedoch nicht sein, denn die Niederländer haben uns gerade überholt.

Wer ein Klima fördert oder gar erzeugt, in dem eine Spitzenleistung nicht mehr anerkannt, ja diffamiert wird, der darf sich über mangelndes Elitebewußtsein nicht wundern, und damit über sinkende Produktivität, absinkende internationale Bedeutung. Wir neigen ein wenig dazu, eine Leistung, die außergewöhnlich ist, schlecht zu machen. Erfolg kann nicht mit rechten Dingen zustande gekommen sein. Leistungsträger sind uns oft suspekt. Wir fördern nicht die Schlauen, Klugen, Begabten, um sie noch schlauer, klüger werden zu lassen, nein, wir fördern stattdessen die Dummen, die Unbegabten. In der Schule sollen alle mitkommen, und dabei bleiben die Begabten auf der Strecke. Ich habe nichts gegen das Fördern von Unbegabten oder sogar Dummen, nein, ich habe etwas gegen das: „statt dessen”!!

Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Mittelmaß durchsetzt. Heute kann man fast schon behaupten: „Um erfolgreich zu sein, bin ich nicht mittelmäßig genug.“  Es ist eine Art ‚Küblböck-Effekt‘. Sie erinnern sich vielleicht an einen jungen Mann, der nun wirklich nicht sonderlich gut singen konnte, jedoch einen großen Erfolg in der Fernsehshow „Deutschland sucht den Superstar“ einheimsen konnte.

Hören wir einfach auf damit! „Nicht der Schurke ist der Schurke“, hat ein guter Freund von mir einmal gesagt, „der Schurke ist das Mittelmaß!!“

Hören wir auf mit der neidgeprägten Gleichmacherei! Sie ist der Tod der herausragenden Leistung. Und so fordere ich noch einmal: Wir sollten Elite wieder belohnen, das Bewußtsein zur Leistungselite wieder fördern. So haben wir die Chance, statt auf der Suche nach außergewöhnlichen Leistungen auf der Strecke zu bleiben, diese selber wieder zu zeigen.

Ulf D. Posé

Ulf D. Posé

Experte für Unternehmens- und Vertriebskultur

Ulf D. Posé, Jahrgang 1947, ist freier Dozent für Dialektik und Führungslehre, Management- und Vertriebstrainer, Buchautor und Wirtschaftsjournalist. Seit 1968, dem Beginn seiner Tätigkeit als Hörfunk- und Fernsehjournalist, beriet er Politiker in Kommunikationsfragen.

Posé absolvierte seine Ausbildung zum Managementtrainer und freien Dozenten für Dialektik und Führungslehre bei Prof. Dr. R. Lay. Zum Vertriebs- und Rhetoriktrainer qualifizierte er sich in Instituten in der Bundesrepublik, Schweiz und Österreich. 2000 wurde er vom Bund Deutscher Verkaufsförderer & Trainer (BDVT) für exzellente Trainingsleistungen ausgezeichnet.

Posé hält Vorlesungen zu Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung (CSR) an Universitäten, u.a. an der renommierten Managementhochschule Innsbruck am MCI und der European school of Management  and Technonologie, ESMT.


Stand: Herbst 2012
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