Von Frauen und Männern

Welche Rolle spielt die Attraktivität bei der Karriere, wenn Männer und Frauen Mitarbeiter einstellen und Fördern? Und wie finden Mann und Frau in Partnerschaften zusammen, wenn Beiden die Karriere gleich wichtig ist? Fragen, denen die academicworld.net-Blogger Katharina Ohana und Eduard Eschle in einem Streitgespräch nachgegangen sind.

Welche Rolle spielt die Optik bei der Karriere?

Ohana: Schönheit hat den Frauen geholfen für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen, denn die Sehnsüchte, die sie auslöst, war immer schon die Achillesferse der (mächtigen) Männer. Noch heute ist es so, dass bei zwei gleichqualifizierten Bewerberinnen die Firma sich für die attraktivere entscheidet. Zum “Glück” hat sich etwas verändert: Männer unterliegen zunehmend ebenfalls diesen Ansprüchen an ihr Äußeres. Wo früher schwabbelnde Wohlstandsbäuche unter eigelbbefleckten Krawatten niemanden zu stören schienen, ist heute der Anspruch an die Optik des Mannes stark gestiegen. So schaut man mittlerweile sogar gerne Philosophen zu, deren verschwurbelte Theorien immer noch niemand versteht, die man sich aber zunehmend gerne ansieht, wenn sie lässig und ansehnlich in ihren Talkshowsesseln lümmeln, um einem die Welt zu erklären. Politiker, Ärzte, Rechtsanwälte: Wer als Mann heute Karriere machen will, kommt nicht umhin, sich dem früher für Frauen reservierten Diktat der Attraktivitätsmaximierung zu unterwerfen.

Eschle: Ich glaube, allzu schöne Frauen haben es sogar oft schwerer in ihrem Berufsleben. Sie sind ihr Leben lang gewöhnt, dass ihnen die Herzen zufliegen. Dass die Jungs sie anbeten, hilft der jungen Prinzessin auch nicht, sich von den Verlockungen freizumachen, die ein Leben an der Seite eines vermögenden Mannes zu bieten scheint. Warum sich durch ein trockenes Studium kämpfen, wenn die schöne Zukunft doch unabhängig davon außer Frage steht? Erst wenn die Jugend und Schönheit langsam einer gewissen Reife weicht, merken diese besonders attraktiven Frauen erst, dass Anerkennung und Umschwärmtheit nicht deshalb in ihrem Leben allgegenwärtig waren, weil sie etwas Besonderes geleistet hätten. Natürlich gibt es auch viele attraktive Frauen, die intelligent genug sind, sich nicht auf ihrer natürlichen Anziehungskraft auszuruhen und die mit Freude und Engagement ihre beruflichen Ziele verfolgen. Auch sie haben aber mit ihrem sehr guten Aussehen oft zu kämpfen: Sind sie erfolgreich, umweht sie manchmal trotzdem eine seltsame Unsicherheit, die daher rührt, dass sie die Frage, ob sie etwa nur deshalb erfolgreich seien, weil die Optik so toll ist, immer über sich schweben sehen. Zumal nicht selten ein Mann derjenige war, der als Mentor die Karrieretüren geöffnet hat. 

Also, zuviel Attraktivität ist durchaus nicht durchgängig positiv für die Karriere zu sehen. Dies gilt vermutlich genauso für Männer: Welcher kleine, dickliche Vorstand stellt schon gerne einen hünenhaften Schönling als Assistenten ein, um die eigenen Unzulänglichkeiten noch offensichtlicher zu machen? Nein, ich behaupte, das Thema ?Attraktivität für den beruflichen Erfolg? wird überschätzt. Es reicht, einfach nur gepflegt und einigermaßen adrett zu sein, Frauen brauchen genauso wenig wie Männer echte Beautys zu sein, um Karriere zu machen. Allerdings werden Ausreißer nach unten sicherlich stärker bestraft als früher: Wer sich modemäßig extrem vertut, stark übergewichtig ist oder geruchlich aus dem Rahmen fällt, wird sicher größere Schwierigkeiten haben, befördert zu werden. Es sei denn, er arbeitet als genialer IT-Nerd im Keller.

Für die Männer ist dieser optische Leistungsdruck eher ein Phänomen jüngeren Datums.

Ohana: Das stimmt. Die “armen” Männer müssen nämlich neben der zunehmenden inhaltlichen Konkurrenz in Job und Karriere auch noch dem neuen Druck standhalten, dass die wirtschaftlich unabhängige Frau nicht weiter schlechtes Benehmen am heimischen Herd und schlechte Figura vor dem Spiegel hinzunehmen gewillt ist. Das hat zwar den Mann auf ganzer Linie verunsichert, doch insgesamt das Stadtbild verschönert und eigentlich profitieren somit nicht nur die Frauen davon (lacht).

Eschle: Aber der Mann weiß mit diesem Leistungsdruck ja gut umzugehen, denn er reagiert schnell, anstatt lange über die eigenen Schwachstellen zu lamentieren. Während Frauen sich jahrelang über ihre von Gott gegebenen Unzulänglichkeiten bedauern können, packt es der Mann an und geht ins Fitnessstudio. Er hat schlicht und einfach keine Zeit, sich mit solchen Dingen über Gebühr zu beschäftigen, denn zu Hause wartet ja eine Frau auf ihn, die sich einen erfolgreichen Mann wünscht. Und wenn die Wampe einem beruflichen Erfolg im Wege steht, dann schafft der moderne Mann sie eben einfach ab. 

Wollen Frauen wirklich erfolgreichere Männer an ihrer Seite?

Ohana: Das wird ja gerne behauptet: Frauen haben doch irgendwelche natürliche Gluckeninstinkte, sodass der Mann als überlegener Versorger gewünscht wird. Praktisch wäre es – jedenfalls für alle Männer, die nicht bereit sind, umzudenken und in ihrer Versorgerrolle eine Absicherung suchen gegen die völlige Entsorgung ihrer Männlichkeit. Lustigerweise lassen sich einige halsstarrige Konservative partout nicht abbringen von ihren fadenscheinigen Argumenten, die sie immer noch fröhlich mit einem völlig überkommenen Naturbegriff zu begründen versuchen: Es sind halt die Gene – Nein Jungs: Geschlechterverhaltensweisen sind ausschließlich kulturbedingt! Fragt die Biologinnen.

Die Erwartung an das Einkommen der Männer gründet vielmehr auf der mangelhaften Versorgung mit ausreichender Kinderbetreuung. Wie soll denn die Familie überleben, wenn bei ein bis zwei Kindern die Frau viele Jahre als Mitverdiener ausfällt?! Es gibt wenig gutausgebildete Frauen, die jahrelang für Uniabschlüsse gelernt haben und sich dann einfach nur gerne durchfüttern lassen wollen und sich noch ein wenig beim Latte Macchiato-Trinken die Nägel lackieren. Nachweislich verfolgen Frauen ihre Kinder-Karrierepläne von vorneherein konsequenter, wenn geregelt ist, wann die Kinder wo in gute Obhut gegeben werden können, wie man an Skandinavien sieht. Aber einige deutsche Politiker meinen ja, man müsste der Frau am Herd mit 150 Euro im Monat mehr Respekt zollen. Unbegreiflich.

Eschle: Warum sieht man dann eigentlich nie eine erfolgreiche Managerin, die mit einem mittellosen Schuhverkäufer oder Fliesenleger liiert ist? Selbst extrem erfolgreiche Frauen tolerieren doch keinen Mann neben sich, der ungebildeter ist als sie oder sozial ein paar Stufen unter ihnen steht. Es studieren mittlerweile mehr Frauen als Männer, ihre Karriereperspektiven sind in der Regel glänzend – warum fühlen sich diese Frauen niemals angezogen von einem Mann, der arbeitslos ist, dafür aber bereitwillig als Hausmann die Kinder großziehen würde? Ich behaupte: Weil ein solcher Männertypus ihrem sozialen Statusanspruch zuwiderlaufen würde. Eine erfolgreiche Topmanagerin verknallt sich eben nicht in einen arbeitslosen Fliesenleger, selbst wenn er noch so liebenswürdig und intelligent wäre. Wir Männer sind da viel toleranter: Wir können uns auch in eine arbeitslose Friseuse oder Ähnliches vergucken.

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