Raus aus dem Hörsaal – rauf auf die Rennpiste

Die Formula Student ist eine willkommene Gelegenheit für Studenten mit Unternehmen der Automobilindustrie zusammenzuarbeiten. Wie die Kooperation abläuft, was sich die Unternehmen von ihrem Engagement versprechen und wer hier was von wem lernt, darüber haben wir mit den Verantwortlichen der Sponsoren gesprochen.

“Studenten bauen in Teamarbeit einen einsitzigen Formelrennwagen, um damit bei einem Wettbewerb gegen Teams aus der ganzen Welt anzutreten. Bei der Formula Student gewinnt aber nicht einfach das schnellste Auto, sondern das Team mit dem besten Gesamtpaket aus Konstruktion und Rennperformance, Finanzplanung und Verkaufsargumenten,” so heißt es im offiziellen Konzept der Formula Student. Seit 2007 richtet der Verein Deutsche Ingenieure (VDI) den in den USA schon seit den frühen 80er Jahren etablierten Wettbewerb in Deutschland aus. Die Teams der Universitäten werden dabei von zahlreichen namhaften Unternehmen tatkräftig unterstützt. HI:TECH CAMPUS hat sich mit den Sponsoren über ihre Beweggründe und die Herausforderungen unterhalten.

Wie genau unterstützen Sie die Teams?

Peter Berg, Daimler: Wir verleihen dieses Jahr zum zweiten Mal den Best E-Drive Packaging Award für den besten elektrischen Antriebsstrang. Dabei werden wir insbesondere die Reichweite, Ladezeit und Dynamik des elektrischen Antriebs bewerten. Wir freuen uns, dem Gewinnerteam eine Siegerprämie von 1.500 Euro zu überreichen. Außerdem unterstützen wir einzelne Rennteams sowohl mit technischem Know-how als auch in finanzieller Hinsicht. Die hoch-motivierten Teilnehmer erwerben nicht nur ein umfassendes Wissen über die frühzeitige und konsequente Anpassung und Verbesserung des Wettbewerbs, sondern werden in ihrer Entwicklung gefordert, gefördert und unterstützt.

Christina Schulte, Mahle: Mahle unterstützt mehrere Formula Student Teams – zum Einen finanziell, mit technischem Support und der Bereitstellung von Fertigungskapazitäten in unseren Lehrwerkstätten, aber auch in Form von vorbereitenden Events und Teambuilding-Aktivitäten. Beispiele sind hierbei Englisch- und Projektmanagementtrainings, als auch Feedback in Vorbereitung auf die verschiedenen Disziplinen. Am Anfang einer jeden Saison führen wir mit den Teams ein Teambuilding-Event durch, damit die Studierenden die Möglichkeit haben, sich untereinander kennenzulernen, so dass ein guter Start in eine erfolgreiche Saison ermöglicht wird.

Unternehmensprofil Daimler

© Foto-Matti Blume, Technische Herausforderungen in der Praxis lösen ? für die Studenten eine ganz neue Herausforderung.

Was versprechen Sie sich von Ihrem Engagement?

Barbara Texter, Continental AG:
Wir versprechen uns natürlich erstklassige und langfristige Kontakte zu Studierenden, die getreu unserem Motto ?auto-motivated? sind. Da wir nahezu täglich mit den Studierenden in Kontakt stehen ? und sie auch häufig zu uns einladen ? lernen wir sie sehr gut kennen und können uns ein gutes Bild machen. Gleichzeitig haben wir ein Ohr an der Studentenschaft und bekommen damit ein Gefühl, wie die nächste Generation von potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ?tickt?, wie sie sich das Arbeiten in einem Konzern vorstellt und wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Projektteam von Harting:
Formular Student bietet uns eine gute Möglichkeit, mit hochmotivierten und engagierten Studierenden in Kontakt zu treten. Die Studierenden vor Ort sind unsere Ingenieure von morgen. Durch Formular Student möchten wir den Bekanntheitsgrad von Harting überregional steigern und uns als attraktiven Arbeitgeber präsentieren.

Hilft Ihnen diese Zusammenarbeit beim Recruiting?


Dr. Michael Ruf, ZF Friedrichshafen AG:
Unser Sponsoringansatz eröffnet eine Menge von Kontaktmöglichkeiten mit den Teams, die intensiv genutzt werden und die sich final auch in Rekrutierungserfolgen widerspiegeln. Wir verstehen das Sponsoring als eine partnerschaftliche Kooperation, in deren Zuge die Formula Students auch das Unternehmen mit allen seinen Vorzügen als Arbeitgeber intensiv kennen und schätzen lernen. Dieser Effekt stellt sich nicht ein, wenn sich ein Sponsoring auf das Ausfüllen eines Überweisungsformulars beschränkt.

Peter Berg, Daimler:
Natürlich! Die Studenten erhalten tiefe Einblicke in die Automobilbranche und werden gleichzeitig auf die beruflichen Herausforderungen vorbereitet. Wir wiederum suchen hochqualifizierte Nachwuchskräfte, die die Mobilität der Zukunft mitgestalten können. Genau wie bei Daimler absolvieren bei der Formula Student Menschen unterschiedlicher Kulturen gemeinsam anspruchsvolle Arbeitsbereiche und meistern herausfordernde Themenstellungen.

Wie nah ist die Arbeit für die Formula Student an Ihren täglichen technischen Herausforderungen im Betrieb?

Projektteam von Harting:
In einem Technologieunternehmen wie Harting stellen sich die Ingenieure jeden Tag der Herausforderung, Innovationen zu entwickeln und ‘Technik neu zu denken’. Dabei geht es sowohl um völlig neue Ansätze als auch um eine stetige Verbesserung der bestehenden ­Produkte. Intensiver Austausch mit den verschiedensten ­Bereichen ist da häufig ein guter Denkanstoß. Diesen Austausch mit jungen, kreativen Menschen erleben wir auch bei der Formula Student. Hier sind die Studierenden vor die gleichen Herausforderungen gestellt wie wir im Unternehmen. Sie müssen innovativ und dabei wirtschaftlich sein und dem Wettbewerb immer  ‘eine Nasenlänge voraus.’

Gibt es etwas, das Ihr Unternehmen von den Teams lernen kann?

Barbara Texter, Continental AG: Gerade in punkto Motivation und Engagement sind die Mitglieder der Formula Student Teams sehr vorbildlich, besonders wenn man bedenkt, dass das Engagement parallel zum Studium läuft. Wir bei Continental suchen immer wieder nach Möglichkeiten, um die individuelle Mobilität noch sicherer und komfortabler zu gestalten. Gerade deshalb passt die Formula Student auch so gut zu unserem Unternehmen. Und das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass wir jedes Jahr auf die Unterstützung vieler Ingenieure – aber auch Mitarbeitern anderer Bereiche – setzen können.

Dr. Michael Ruf, ZF Friedrichshafen AG: Wissenstransfer im Rahmen der Formula Student ist keine Einbahnstraße. Die Teams haben meist mehrere Sponsoren, die sie auf vielfältige Weise unterstützen. Hier fließen Informationen und Wissen von oft auch konkurrierenden Unternehmen oder aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Das Ergebnis bilden häufig hoch innovative Lösungsansätze für technische Herausforderungen. Unsere Ingenieure berichten uns immer wieder von interessanten Impulsen und Anregungen für die eigene Arbeit, insbesondere im Kontext der Hybrid- und Elektromobilität.

Was sind die Erfolgsfaktoren der Siegerteams?

Christina Schulte, Mahle: Als ein von Anfang an dem Motorsport verbundenes Unternehmen wissen wir: Wer Entscheidendes bewegen will, braucht eine Vision. Und dazu Mut, Ausdauer und Biss. Wenn dann noch das Umfeld stimmt und das Team das Richtige ist, werden aus innovativen Ideen ehrgeizige Projekte und überzeugende Lösungen. Das gilt auch für die Formula Student. Voraussetzungen für den Erfolg sind ein überzeugendes technisches Konzept, die konsequente Zielverfolgung und – ganz besonders wichtig – Leidenschaft und Begeisterung für das Projekt.

Peter Berg, Daimler: ­­­Teamgeist ist die verbindende Kraft, sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen, das nur als Mannschaft erreicht werden kann. Er-folgreich ist man nur dann, wenn alle Räder perfekt ineinander greifen. Das heißt, die Kommunikation im Team stimmt, alle ziehen an einem Strang und jeder setzt sich mit Herzblut in seinem Fachgebiet ein. Spitzenteams zeichnen sich dadurch aus, dass die Stärken aller Teammitglieder anerkannt sind und jeder Einzelne sich gemäß seiner Rolle in die Mannschaft einbringt. Die Erfahrung und die genaue Vorstellung von dem, was man sehr gut kann, sind die eigentlichen Erfolgsfaktoren.


Stand: Herbst 2011

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