Glauben Sie sich selbst – dann tun das auch Ihre Zuhörer

Die einen reißen einen förmlich mit, die anderen kommen nur schwer auf den Punkt. Wieder andere sind so nervös, dass sie sich selbst im Weg stehen. Dabei sind Präsentationen im Berufsleben mittlerweile gang und gäbe. Regisseur, Schauspieler und Rhetoriktrainer Peter Lüder erklärt im Interview mit Academicworld, worauf zu achten ist, wenn man das Publikum mit seinem Vortrag fesseln möchte.

Bühne frei für Ihre Präsentation! © Rainer Sturm / pixelio.de

 

Herr Lüder, was sind die gängigsten Fehler, die jede noch so sorgfältig vorbereitete Präsentation mit einem Schlag kaputt machen können?

Ein häufiger Fehler ist, dass Vortragende versuchen, sich hinter dem Inhalt und hinter Power Point zu verstecken. Und dass einige ihren Vortrag mit zu vielen Informationen überfrachten. Ein Inhalt muss aufbereitet werden. Er braucht eine Dramaturgie.

Wie kann es gelingen, solche Fehler erfolgreich zu vermeiden?

Machen Sie sich klar, dass in einem Live-Redemoment der Inhalt durch den oder die Vortragende vermittelt wird. Der Inhalt steht nicht für sich. Daher lassen Sie sich nicht durch projizierte Folien aus dem Mittelpunkt verdrängen. Suchen Sie den Kontakt zu Ihrem Publikum. Um einen spannenden Vortrag zu halten, müssen Sie wissen, worauf Sie hinaus wollen. Verdeutlichen Sie sich in der Vorbereitungen Ihre Schlussaussage und die Kernaussagen, die Sie treffen möchten. Arbeiten Sie stets daran, diese Aussagen zu belegen. Dann verlieren Sie nicht den roten Faden aus der Hand.

Peter Lüders aktuelles Buch “Wie würde Johnny Depp präsentieren”, erschienen im Redline Verlag

 

Manch einen packt das kalte Grausen, wenn er nur daran denkt, vor anderen sprechen zu müssen. Welche Tipps haben Sie für diese ganz besonders nervösen Menschen?

Beim Präsentieren gibt es eine Grundabsprache, die an das Theater erinnert: Als Vortragender haben Sie die Hauptrolle übernommen. Doch ist es nur eine Rolle. Machen Sie sich also klar, welche Aufgabe Ihre Rolle in der begrenzten Zeit Ihrer Aufführung – der Präsentation – zu erfüllen hat: Der Inhalt muss zum Publikum. Sie dienen also einer Aufgabe. Sie bereiten sich anständig auf Ihren Inhalt vor und sorgen dann dafür, dass die Aussagen, die Sie erarbeitet haben, auch vom Publikum verstanden werden. Und plötzlich geht es gar nicht mehr in erster Linie um Sie. Es geht ums Publikum, das etwas erfahren möchte. Das wirkt befreiend.

Was kann man sich im Hinblick auf berufliche Präsentationen von der Schauspielerei abschauen beziehungsweise: Wie viel Schauspieler sollte in einem stecken, um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen?

Mit Schauspielern wird oft zweierlei assoziiert: Extrovertiertheit und völliges Fehlen von Scham. Das ist ein Klischee. Man kann auch als introvertierter, zurückhaltender Mensch sein Publikum erreichen. Dafür hilft als erstes: Akzeptieren Sie Ihre Rolle. Gehen Sie nicht mit innerem Hader auf die ‚Bühne‘ Ihrer Präsentation. Man spürt, dass da etwas nicht stimmt, wenn jemand mit dem Gedanken ‚Ich sollte hier nicht stehen‘ vor eine Gruppe tritt.

Wie kann man selbst an sich arbeiten, um souveräner und selbstsicherer in Präsentationssituationen zu werden?

Stellen Sie sich einen Ihnen bekannten Menschen vor, der selbstsicher und überzeugend vor Gruppen treten, dort reden und präsentieren kann. Anschließend stellen Sie sich vor, Sie treten als dieser Mensch auf. Üben Sie das beim Bäcker, beim Zeitungsverkäufer et zetera. Bestellen Sie als dieser Mensch Ihr Brötchen: Laut, humorvoll, ohne Selbstzweifel. Kein Mensch wird merken, dass Sie gerade für einen Vortrag üben. Mit der Zeit werden Sie merken, dass viele der Eigenschaften des anderen auch in Ihnen stecken. Benutzen Sie diese. Sie sollen sich nicht verstellen, sondern nur merken, dass dies auch in Ihnen steckt. Jetzt verbinden Sie dieses Selbst-Bewusstsein mit Ihren Gedanken. Machen Sie sich klar, was Sie in Ihrem Vortrag sagen möchten. Sie werden merken: Jeder Mensch, der etwas zu sagen hat, wird auch gehört. Wenn Sie sich selber glauben, werden das auch Ihre Zuhörer tun.

© Steinweg

Peter Lüder ist Regisseur an verschiedenen Stadt- und  Staatstheatern in Deutschland mit über 40 Inszenierungen. Vorher arbeitete er zehn Jahre lang als Schauspieler in Deutschland und der Schweiz. Nach einer Trainerausbildung wurde er zum gefragten Rhetoriktrainer, unter anderem bei der Daimler AG. Als Speaker hält er deutschlandweit Vorträge zu den Themen “Rhetorik” und “Selbstmotivation”. Er ist Gründer der “Berliner Redekurse” und Initiator der Berliner Speaker’s Corner. Er lehrt als Hochschuldozent an verschiedenen Hochschulen und unterstützt als Coach in der Wirtschaft Führungskräfte bei Präsentationen und öffentlichen Auftritten. In seinem Buch “Wie würde Johnny Depp präsentieren?”, erschienen im Redline Verlag, zeigt er, wie man sich das Know-how von Schauspielern für berufliche Vorträge zu Nutze machen kann. Mehr Informationen über Peter Lüder gibt es hier.

 


Stand: Frühjahr 2014
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