Design für die mobile Zukunft

Design für die mobile Zukunft

Daniel Zingler hat an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Industriedesign studiert. ‘Deep’ ist seine Masterthesis und in diesem Jahr entstanden.

Ihre Arbeit wurde mit einem VDA Design Award ausgezeichnet. Was bedeutet das für den Berufseinstieg?
Um die Frage zu beantworten, muss man vermutlich noch etwas warten. Ich habe schon vor dem Award die Auswahl zwischen mehreren Jobs gehabt. Nun sind durchaus einige neue Kontakte dazu gekommen. Aber was sich davon auszahlt, kann ich wahrscheinlich erst in fünf Jahren sagen.

Muss ein Industriedesigner eigentlich ‘nur’ ein guter Designer sein oder muss er auch ein sehr guter Kommunikator beziehungsweise Selbstvermarkter sein?
Ich denke, wir sind eigentlich fast ‘nur’ Kommunikatoren. Denn: Wir bringen unseren Produkten bei, mit ihrer Umwelt und ihrem Benutzer zu kommunizieren. Im Idealfall sollte jeder Kunde das Produkt intuitiv verstehen und benutzen können. Wir stehen also vor zwei wichtigen Aufgaben. Zum einen muss das Produkt von sich aus einen ‘haben-wollen-Gedanken’ wecken. Auf der anderen Seite jedoch, und das ist weitaus schwieriger, müssen wir auch in der Lage sein, unserem Gegenüber zuzuhören. Das ist letztlich das, was uns vom Künstler unterscheidet. Wir haben nicht den Luxus, vom Rezipienten zu erwarten, dass er von sich aus versucht uns zu verstehen. Erst wenn wir wissen, an wen wir uns wenden, seine Bedürfnisse verstehen, können wir ihm das Leben leichter machen, Emotionen wecken, begeistern. Wir müssen das Gespür dafür haben, was unser Gegenüber sich wünscht, ohne das er selber es weiß. Dann werden wir sowohl mit unseren Produkten, als auch persönlich in jedem Gespräch begeistern können.

Kann und muss man das auch im Studium berücksichtigen?
Ich kann nicht generell etwas über Studierende sagen, weil ich selber lediglich an zwei Universitäten studiert habe. Besonders im Masterstudiengang in Braunschweig gab es hier gravierende Mängel. An der HTW in Dresden waren richtige Kurse zur Präsentation möglich, das war viel wert. Ich denke, dass man sich als Designstudent so früh wie möglich von der Hochschule abnabeln und in die weite Welt gehen muss: auf Events, Ausstellungen, zu Praktika oder Wettbewerben. Ich denke es ist wichtig, dass man Projekte nicht nur wie eine Matheaufgabe abarbeitet, sondern sie zu seinem ‘Baby’ macht, den Rahmen genau analysiert und die Dinge dann basierend auf den eigenen Schlussfolgerungen durchzieht. Es ist bei uns unglaublich wichtig, eine eigene Identität zu entwickeln, aber auch durch Erfahrungen mit der Öffentlichkeit das richtige Maß zu finden.

Was sind für Sie die entscheidenden Kriterien bei der Wahl des Arbeitgebers?
Wichtig ist vor allem ein Arbeitgeber, der einen einstellt. Aber Spaß beiseite: Mir ist es wichtig, dass ich Aufstiegschancen bekomme. Ich will nicht nur ein ausführendes Organ sein, das die Dinge ‘schön’ macht, sondern eigene Projekte bekommen – und möglichst bei der Konzeption und Auslegung des gesamten Objekts involviert sein. Ideal sind natürlich Unternehmen, die begriffen haben, dass der Designer eine wichtige Schnittstellenfunktion sowohl zwischen Benutzer und Technik als auch im Unternehmen selbst darstellt.

Letzte Frage: Was ist für Sie das beste Autodesign aller Zeiten?
Der Klassiker ist natürlich der Golf 1. Ich finde jedoch, dass es kein bestes Autodesign gibt. Wenn Sie mich fragen, welches mir am besten gefällt, dann wäre die Antwort das Wartburg 311 Coupe von 1958. Es stellt eine Art Initialzündung meiner automotiven Leidenschaft dar. Mitte der 90er Jahre habe ich ein solches mit meinem Bruder völlig verstaubt und zugemüllt aus einer alten Scheune geborgen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Stand: Herbst 2013

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