“Der deutsche Preiswettbewerb ist extrem hart”

Trend: Channel-Hopping

Professor Schröder betont allerdings auch, dass man neben den neuen Möglichkeiten auf traditionelle Kanäle, wie den Katalog, nicht verzichten sollte. Denn der Katalog kommt mit seiner Form der Information und Auswahl von Produkten Bedürfnissen der Kunden entgegen, die andere Kanäle nicht erfüllen. Auch laut Otto diene er nach wie vor vielen Kunden als Inspiration und Impulsgeber, auch wenn die Bestellung anschließend meist online abgeschickt werde. Das Hin- und Herspringen zwischen den Handelskanälen sei typisch für den Wandel des Kundenverhaltens im Distanzhandel. Hier sei es die Herausforderung, die unterschiedlichen Kanäle sinnvoll miteinander zu vernetzen. In dem Fall müsse ein einheitliches Otto-Bild entstehen – denn egal, welchen Kanal der Kunde nutze, er müsse immer und überall erkennen, dass er sich auf die Qualität und den Service des Unternehmens verlassen könne.

Andere Unternehmen, die im Online Bereich noch nicht so stark präsent sind, versuchen zumindest mit einem entsprechenden serviceorientierten Mehrwert der eigenen Webseite zu punkten. So arbeitet Netto Marken-Discount mit unterschiedlichen Partnern unter anderem aus den Bereichen Reise, Blumen und Fotos zusammen. Außerdem biete das Unternehmen laut Christina Stylianou, Pressesprecherin bei Netto, als erster Discounter, mobile Coupons über eine eigene App an.

Employer Branding

Eine weitere große Herausforderung der Handelsbranche ist es, das eigene Image zu verbessern, denn sie benötigt mehr denn je qualifizierte Nachwuchsführungskräfte. Trotzdem entscheiden sich viele High Potentials nach ihrem Hochschulabschluss in erster Linie für andere Branchen. Dem versuchen die Unternehmen durch gezielte Maßnahmen entgegen zu wirken, wie beispielsweise das Unternehmen EDEKA. Es präsentiert sich auf dem diesjährigen Absolventenkongress im Oktober in Köln mit einem Stand.

Darüber hinaus haben die Regionalgesellschaften eine enge Verbindung zu lokalen Hochschulen. Seit Anfang 2011 unterstützt die EDEKA- Zentrale zudem den Masterstudiengang “IT-Management und -Consulting”  der Universität Hamburg.

Viele Unternehmen versuchen die Absolventen auch mit attraktiven Einstiegsmöglichkeiten zu locken. So habe Lidl, laut Ulf Marquardt, Bereichsleiter Recruiting Deutschland, beispielsweise einen kontinuierlichen Bedarf an Absolventen wirtschaftsrelevanter Studiengänge wie BWL und (Wirtschafts-)Informatik und biete den Bewerbern in jeder Position ein Gehalt, das über dem Branchendurchschnitt liege. Die Verkaufsleiter bekämen direkt nach dem Studium Führungs- und Personalverantwortung und man ermögliche allen Mitarbeitern, sich durch interne und externe Weiterbildungsangebote fortzubilden. Da man die meisten Führungspositionen aus den eigenen Reihen besetze, stünden gerade Verkaufsleitern bei Lidl alle Türen offen.

Der Textildiscounter KiK startete im September eine Kampagne, die die Gesichter hinter dem Unternehmen zeigen soll. 40 Mitarbeiter wurden in bundesweiten Castings ausgewählt, die darin ihre ganz persönliche Story erzählen und auf Plakaten, Broschüren sowie in TV-Spots zu sehen sind.

Die Einstiegsmöglichkeiten

Der Berufseinstieg bei den meisten Handelsunternehmen läuft über ein Trainee-Programm, das im Vergleich zu anderen Branchen meist weniger als zwei Jahre dauert und sehr praxisorientiert ist. Nach der Einarbeitungsphase sind in den meisten Fällen ein rascher Karriereaufstieg sowie hohe Eigenverantwortung garantiert. So läuft beispielsweise die Einarbeitung der zukünftigen Führungskräfte bei ALDI SÜD in Form eines zwölfmonatigen „Training on the Job“, wie Kirsten Windhorn, Leiterin Kommunikation des Handelsunternehmens, erläutert: „Während dieser Zeit lernen die Trainees die Unternehmensgruppe ALDI SÜD intensiv kennen und werden gezielt auf ihre anschließende Position vorbereitet. Gestandene Regionalverkaufsleiter und erfahrene Mitarbeiter aus Logistik, Verwaltung und weiteren Unternehmensbereichen stehen den Einsteigern jederzeit zur Seite. Mittelpunkt des Traineeprogramms ist die Filiale. Nach Abschluss des Programms werden die Einsteiger als Regionalverkaufsleiter eingesetzt und übernehmen dann die eigenverantwortliche Leitung eines eigenen Bereichs mit etwa sechs Filialen und 50 bis 70 Mitarbeitern. Auch die Entsendung in ausländische Regionalgesellschaften ist – in Abhängigkeit von verfügbaren Positionen – bei wirklich herausragenden Leistungen möglich.“

Welche Eigenschaften sind gefragt?

Beste Chancen auf einen Berufseinstieg in der Branche hat in den meisten Fällen derjenige, der einen überdurchschnittlichen Hochschulabschluss mit wirtschaftswissenschaftlicher Studienausrichtung mitbringt sowie bestenfalls schon erste praktische Erfahrungen im Handelsbereich gesammelt hat.

Aber auch Quereinsteiger sind gefragt. Bei IKEA beispielsweise zähle die Persönlichkeit sowie die Einstellung der Bewerber mehr als Noten und Fachrichtungen. Wichtig sei es, dass sich die zukünftigen Führungskräfte auch mit den Werten des Unternehmens identifizieren und die Standpunkte vertreten können. „An einem Lebenslauf finden wir durchaus interessant, wenn er auch Brüche aufweist und erkennen lässt, dass der Bewerber schon ungewöhnliche Wechsel vorgenommen hat.

Das zeigt uns, dass er in der Lage ist, manchmal auch unbequeme Entscheidungen zu treffen“, beschreibt Beate Mini. Leidenschaft am Einzelhandel, Spaß am Umgang mit Menschen, eine Hands-On-Mentalität, die Bereitschaft für besondere Arbeitszeiten sowie Kosten- und Umweltbewusstsein solle den Bewerbern dabei nicht fehlen.


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Stand: März 2013

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