Auf Umwegen zum Traumberuf

Faszination Forschung: Dr. Cora Mund ist Research Scientist bei Bayer HealthCare Pharmaceuticals. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie an der Entwicklung von neuen Medikamenten für die Behandlung von Krebs.

Dr. Cora Mund (rechts im Bild) und Dr. Andrea Haegebarth haben sichtlich Spaß an ihrer Arbeit.

Frau Dr. Mund, Sie haben ursprünglich Medizin studiert, das Studium aber dann ein Jahr nach dem Physikum abgebrochen. Wie kam es dazu?

Bereits während meines Medizinstudiums habe ich erkannt, dass mir vielleicht manchmal die nötige Distanz fehlte.  Die Empathie für Patienten war bei mir relativ stark ausgeprägt. Nicht jeder, der sich für Medizin interessiert, ist wohl dazu geschaffen, Arzt zu werden.

Daher habe ich mich gegen eine Karriere als Medizinerin entschieden, das Studium abgebrochen und mich nach beruflichen Alternativen umgeschaut, bei denen ich nicht so stark in persönliche Schicksale involviert werde …

… und sind dann bei der Biologie gelandet?

Nicht direkt. Zunächst wollte ich im Wissenschaftsjournalismus arbeiten. Erste Erfahrungen in diesem Bereich  habe ich bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gesammelt. Dort hat man mir geraten, schnell ein naturwissenschaftliches Studium abzuschließen und dann zu ihnen zu kommen. Ich habe mich daraufhin für das Biologiestudium in Heidelberg entschieden, da ich wusste, dass ich dieses Studium in knapp drei Jahren absolvieren kann. Ab dem zweiten Semester habe ich zusätzlich als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet. Bereits in dieser Zeit habe ich immer wieder kleine Experimente gemacht und erkannt, dass mir die Forschung unglaublich Spaß macht. Damit war die Idee vom Wissenschaftsjournalismus gestorben. Stattdessen habe ich mein Studium schnell durchgezogen, meine Diplomarbeit geschrieben und im Anschluss am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg promoviert. Es war aber tatsächlich nicht so, dass ich schon in der Schule gesagt habe, ich will mal unbedingt was mit Biologie machen.

“Die Promotion öffnet viele Türen “


Muss man denn als Biologin unbedingt promovieren, um es beruflich zu etwas zu bringen?

Wenn man in die Forschung gehen möchte, führt an der Promotion oft kein Weg vorbei. Als promovierter Biologe stehen einem in der Industrie viele Dinge offen, man bekommt relativ schnell Projektverantwortung, kann mit Kollegen aus anderen Forschungsbereichen des Unternehmens in internationalen Projektteams zusammenarbeiten, Versuchsreihen planen, Konferenzen besuchen und vieles mehr.

Im Rahmen Ihrer Doktorarbeit haben Sie sich mit der Entwicklung von Microarrays beschäftigt. Was kann man sich darunter vorstellen?

Meine Diplom- und Doktorarbeit habe ich in der Abteilung Epigenetik ge-schrieben. Die Epigenetik befasst sich mit Zelleigenschaften, die auf Tochterzellen vererbt werden und nicht in der DNA-Sequenz festgelegt sind. Es geht also dabei nicht um die klassische Genetik, sondern vielmehr um die Stufe darüber, zum Beispiel ob die DNA methyliert und dadurch die Genaktivität verändert ist. Microarrays sind dabei ein Werkzeug, mit dem man den Methylierungszustand vieler Gene gleichzeitig untersuchen kann. Wir setzten Mikrochips ein, auf denen Genfragmente aufgereiht sind. Mit speziellen Sonden konnten wir dann den Methylierungszustand der Gene untersuchen. Wir wollten Gene finden, die bei bestimmten Krebserkrankungen typischerweise methyliert und damit abgeschaltet sind. Dadurch ließen sich Methylierungsmuster bestimmten Tumoren zuordnen.

Sie sind direkt nach Ihrer Promotion bei Bayer als Research Scientist eingestiegen. Ist das der übliche Weg?

Ich kann da nur für mich sprechen. Vielleicht wäre der übliche Weg, nach der Promotion einen Postdoc zu absolvieren. Allerdings hatte ich bereits während meiner Promotion an einem Projekt mit Bayer mitgearbeitet, in dem ich das Unternehmen dabei unterstützt habe, einen Assay, also einen Test zum Nachweis bestimmter Moleküle oder Substanzen zu etablieren. In dieser Zeit war ich bereits dreimal in Berlin und stand in ständigem Telefonkontakt. So konnte ich erste Einblicke in das Unternehmen gewinnen. Nach Abschluss meiner Promotion winkte mir dann eine Stelle als Postdoc in Amerika.

Sie hatten also bereits eine Stelle als Postdoc sicher?

Ich hätte als Postdoc an der John Hopkins University in Baltimore anfangen können. Die Industrie hatte ich zu dieser Zeit eigentlich nicht auf dem Zettel.

Trotzdem sind Sie letztlich in der Industrie gelandet.

Richtig. Bevor das Abenteuer Amerika beginnen konnte, bekam ich einen Anruf vom Abteilungsleiter der Onkologie bei Bayer, der von der Kollaboration sehr angetan war. Er schlug mir vor, in Berlin vorbeizukommen und meine Ergebnisse vor der gesamten Abteilung zu präsentieren. Eine Woche später bin ich dorthin gefahren und habe meine Ergebnisse vorgestellt. Kurz darauf hat man mir dann eine Stelle angeboten.

Was hat in Berlin den Ausschlag gegeben, dass Sie sich gegen die Postdoc-Stelle entschieden haben?

Da kamen wie bei den meisten Entscheidungen einige Mosaiksteinchen zusammen. Ich sah darin eine große Chance, aber  auch private Gründe spielten eine Rolle. Ich kann nicht sagen, ob ich heute noch mit meinem Freund zusammen wäre, wenn ich damals nach Amerika gegangen wäre.

 

Was reizt Sie speziell am Bereich der Onkologie?

Der besondere Reiz besteht für mich darin, in einem Team neue Therapiemöglichkeiten zur Behandlung von Krebs mitzuentwickeln.
Ich denke, das ist eine großartige, wichtige Sache und dass ich hier wirklich etwas verändern kann.
Ich habe die Hoffnung, irgendwann sagen zu können, dass ich an einem Medikament mitgearbeitet habe, das es möglich macht, mit dem Krebs als chronische Krankheit zu leben.

Welchen Schwierigkeiten sind Sie anfangs im Unternehmen begegnet?

An der Universität hatte ich mir über die Jahre einen festen Freundeskreis aufgebaut und dann kommt man in eine große Firma und in eine neue Stadt und kennt niemanden. Logischerweise fehlt dann anfangs das gewohnte Umfeld und das Netzwerk. Das war für mich persönlich die größte Umstellung.

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