“Absolventen gestalten die Mobilitäts­­­­konzepte von morgen mit”

Prof. Dr. Heike Proff hat an den Universitäten Frankfurt und Mannheim Beriebswirtschaftslehre studiert. Schon in Ihrer Diplomarbeit zur japanischen Autoindustrie zeigt sich Ihr Interesse an der Branche. Seit 2009 hat sie den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre & Internationales Automobilmanagement an der Universität Duisburg-Essen inne.

In der Automobilbranche werden sehr viele Mitarbeiter von Ingenieurdienstleistern befristet beschäftigt. Ist dies für Sie ein guter Weg um in der Branche Fuß zu fassen?
Nein, Hochschulabsolventen sollten direkt bei Automobilherstellern oder Zulieferern einsteigen, um dort ein Netzwerk aufzubauen.

Wie beurteilen Sie die Branchenperspektiven in den kommenden Jahren und von welchen Märkten werden sie wesentlich bestimmt?
Die Branche steht vor zwei großen Veränderungen: Erstens die zunehmende Bedeutung der neuen Wachstumsmärkte in den BRIC-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China und in weiteren Emerging Markets, während die Märkte der hochentwickelten Länder nur wenige Wachstumspotenziale bieten. Der deutsche Automobilmarkt etwa wird das Niveau vor der Krise aufgrund der schrumpfenden Bevölkerung nach einer Prognose unseres Centers für Automobil-Management (CAMA) nicht mehr erreichen und selbst der US-Automobil­markt wächst zwar seit Überwindung der Krise stark, wird das Vorkrisenniveau aber nicht übertreffen. Zweitens der Übergang zu neuen Antriebstechnologien, wie vor allem die Elektromobilität, getrieben von den hochentwickelten Ländern und einigen Emerging Markets wie zum Beispiel China.

Was sind die großen technischen Herausforderungen und wie sehen Sie deutsche Unternehmen derzeit dabei aufgestellt?

Im Übergang zur Elektromobilität fehlen den deutschen Automobilunternehmen noch grundlegend neue Fahrzeugkonzepte, die der Zahlungsbereitschaft der Kunden entsprechen. Die deutsche Automobilindustrie hat allerdings tolle Marken, die es in die Elektromobilität hinüber zu retten gilt.

Wie unterscheidet sich die Arbeit bei einem Automobilhersteller von einem Automobilzulieferer?  
Zulieferer müssen agiler, innovativer und flexibler sein. Sie müssen über sehr spezifische Kompetenzen verfügen, die den Herstellern fehlen.

Mit Ihrem neuen Masterstudiengang Automotive Engineering & Management wollen Sie kreative Generalisten ausbilden. Was meinen Sie damit?
Im Übergang zur Elektromobilität sind neue Geschäftsmodelle für die neuen Technologien notwendig. Kenntnisse in der Verbrennungstechnologie helfen alleine nicht mehr, sondern es müssen neue Qualifikationen aufgebaut werden.

Was sind die für Sie persönlich interessantesten Fragestellungen in Ihrem Studiengang?
Die zunehmende Internationalisierung der Automobilindustrie, das heißt die internationale Verteilung der Wertaktivitäten und der Umgang mit neuen Wettbewerbern ist sehr spannend. Dann natürlich auch neue duale Geschäftsmodelle im Übergang zur Elektromobilität und dynamische Strategien zum Umgang mit Umfeldveränderungen wie Risiken und Krisen, in der Interaktion mit Wettbewerbern wie die Sicherung des Preispremiums, die Vermeidung von Überkapazitäten und die Sicherung von Mehrwert schaffenden Kooperationen.

Welche Qualitäten sollte man mitbringen, um für Unternehmen aus der Automotive-Branche interessant zu sein?
Interdisziplinäre Managementfähigkeiten, Biss, Durchsetzungsfähigkeit und Internationalität.

Eine Frage zum Schluß: Welches Auto gefällt Ihnen gerade besonders gut?
Mir gefallen viele Autos. Obwohl ich bis vor eineinhalb Jahren einen Lehrstuhl für internationales Management hatte, sollten diese aber in Deutschland hergestellt sein.


Stand: Herbst 2011

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