Zwischen Thriller und Mystik – Blutspiele

FBI-Ermittlerin Eve Duncan quält die Frage, wer ihre Tochter Bonnie auf dem Gewissen hat. Und dann bekommt sie es mit einem grausamen Serienkiller zu tun, der scheinbar die Antwort kennt.

Blut Vergisst Nicht!

Seit Jahren quält FBI-Ermittlerin Eve Duncan der ungeklärte Mord an ihrer Tochter Bonnie. Da fordert sie einer der Verdächtigen zu einem grausamen Spiel heraus. Er richtet ein Mädchen brutal hin und hinterlässt ihr aufgefangenes Blut in Eves Wohnung. Und er kündigt weitere Morde an. Nur mit Hilfe eines ungewöhnlichen Mediums glaubt Eve, den Serienkiller stoppen zu können. Doch wird sie auch die Wahrheit über den Tod ihrer Tochter erfahren?  

Zwischen Klebstoff-Kapiteln und großartigen Abschnitten

Das Buch Blutspiele war nicht nur mein erster Eve Duncan Thriller, sondern auch mein erster Roman der Bestseller Autorin Iris Johansen. Somit fehlte mir am Anfang ein wenig die Vorgeschichte über Eve, Joe, Jane und all die anderen Personen. Dennoch fiel es mir leicht, die Charaktere kennen und lieben zu lernen.

Obwohl die Geschichte nur schwer ins Rollen kommt und sich manche Kapitel wie Klebstofffasern in die Länge ziehen, erreicht man als Leser durchaus auch großartige Abschnitte, in denen es die Autorin schafft, sowohl ein wenig Humor wie auch Spannung und Nervenkitzel mit einzubinden.

Der Schreibstil ist verständlich, der Satzbau einfach, aber nicht anspruchslos. Es bedarf sehr wohl einer gewissen Konzentration, um dem Handlungsverlauf folgen zu können.

Zwischen Mystik und Thrill

Allerdings muss gesagt werden, dass Blutspiele schon zu Anfang sehr ins Übernatürliche abdriftet, was mich als eingeschworenen Fantasyleser natürlich nicht gestört hat, was aber dennoch nicht so wirklich in den Thriller passen will. Es macht mehr den Anschein, als habe sich Iris Johansen ein bisschen vom „Vampir-Hype“ der letzten Zeit anstecken lassen und versuche nun auch in ihrem Buch ein wenig das Gefühl zu vermitteln, das es auf dieser Welt mehr gibt, als man sehen kann. Wie gesagt, sie hat es versucht. Leider muss ich sagen, dass mir das Buch zu wenig Mystik enthält, um es einem Fantasy Liebhaber zu empfehlen, aber zu viel für einen Thriller.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Der Hauptteil der Geschichte konzentriert sich auf Eves Sicht der Dinge, auf ihre Gefühle und ihr verworrenes Innenleben. Man kann den Schmerz, den sie durch die Ermordung ihrer Tochter allgegenwärtig spürt, beinahe selber fühlen, obwohl mir Bonnie mit der Zeit doch etwas auf die Nerven gegangen ist. So ist Eves Antrieb, den Serienmörder Kevin Jelak zu finden, auch anfangs eher der, vielleicht dabei den verschollenen Körper ihres Kindes zu bergen und nach Hause zu holen.

Doch Jelak hat es auf Eve abgesehen und, fest entschlossen sein Ziel zu erreichen, ist ihm kein Opfer zu groß. Was in seinem Kopf so vor sich geht, oder auch nicht, beschreibt Iris Johansen ebenfalls in einigen Abschnitten und obwohl Jelak wohl das Abbild menschlichen Abschaums verkörpert, habe ich seine kurzen Textpassagen am liebsten gelesen.

Mehr gestört habe ich mich an den Abschnitten über Joe Quinn, der die Fähigkeit (oder den „Fluch“) erlangt mit Geistern zu sprechen. Oder besser, mit dem ersten Opfer. Wie bereits erwähnt, stört mich zu viel Mystik in einem Buch dieses Genres.

Dahingegen mochte ich den Mann der Geheimnisse und außergewöhnlichen Fähigkeiten Seth Caleb unglaublich gerne. Ihm habe ich seinen ganzen Charakter einfach abgenommen. Iris Johansen hat mit Seth eine Figur geschaffen, die man sowohl mag als auch fürchtet, sowohl näher kennenlernen möchte, wie auch beruhigt ist, dass nicht zu viel von ihr preisgegeben wird.

Fazit: Blutspiele ist ein Buch mit vielen Schlaglöchern und Baustellen, bei dem man aber dennoch genau erkennen kann, dass dahinter kein Parkplatz, sondern ein Naturschutzgebiet versteckt ist. Der Thriller berührt, schockt und wenn man etwas eingelesen ist, zieht er einen in seinen Bann. Findet Eve ihre Bonnie, was wird aus Joe Quinn und seiner außergewöhnlichen Bekanntschaft mit einer Toten. Wer ist Seth Caleb und wer wird das Spiel am Ende gewinnen?  

Lisa Morr, academicworld-userin

Iris Johansen. Blutspiele.
Ullstein Verlag. 8,99 Euro.

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