Zwischen Parodie und Verehrung: Ein Besuch auf der Scheibenwelt von Terry Pratchett

Großartige Literatur muss sich nicht immer ernst nehmen – und sie muss auch nicht immer auf unserer eigenen kugelrunden Erde spielen. Der beste Beweis dafür ist Terry Pratchett mit seinen Scheibenweltromanen. Voller Lebensklugheit, literarischer und popkultureller Anspielungen und herrlich verschrobener Charaktere entführter er die Leser ein ums andere Mal auf diese flache Welt, die auf dem Rück von vier Elefanten ruht, die sich auf einer Riesenschildkröte befinden, die durchs All treibt.

Zwischen Parodie und Verehrung: Ein Besuch auf der Scheibenwelt mit Terry Pratchett
Terry Pratchett, der Schöpfer der Scheibenwelt. © Robin Matthews

Der Tod sucht einen Lehrling

Mort ist eigentlich ein helles Kerlchen. Nur für die Arbeit auf dem heimatlichen Hof hat er so gar kein Talent. Also eine Lehrstelle. Dass es dann ausgerechnet die, als Lehrling von Tod ist, hätte er sich wohl selbst nicht gedacht. Da kommen – wer hätte es gedacht – ungeahnte Aufgaben auf den Jungen zu. Denn: Tod – bei Pratchett als anthropomorphe personifizierte Gestalt häufig Handlungsträger – hat offensichtlich Burnout. Viel lieber als ständig irgendwelche Seelen einzusammeln, würde er erfahren, was die Menschen so umtreibt. Und plötzlich stehen Mort, Isabelle – Tods Adoptivtochter und Albert, sein treuer Diener allein da. Dumm nur, dass Mort auch noch die kosmische Ordnung durcheinander gebracht hat, weil er eine hübsche Prinzessin nicht von ihrem hinterhältigen Onkel ermorden lassen wollte …

„Gevatter Tod“ ist völlig zu Recht eines des absoluten Highlights aus der langen Reihe der Scheibenweltromane. Humorvoll, skurril und voller Liebe zum Detail beschreibt der Mann mit dem Hut (den ohne diesen oder eine andere Kopfbedeckung sieht man Pratchett selten auf Bildern) die Welt von Tod und macht den armen Schnitter dabei fast zur tragischen Figur. Und zur liebenswerten sowieso. 

Zwischen Parodie und Verehrung: Ein Besuch auf der Scheibenwelt mit Terry Pratchett

Eigentlich mischen wir uns doch nicht ein

Wenn Oma Wetterwachs und Nanny Ogg sich in die Politik des kleinen Landes Lancre einmischen, dann muss schon einiges passiert sein. Kurz gesagt: Das Land ist unzufrieden mit dem neuen König. Nein, nicht die Bewohner – gut, die auch – aber das, was dem kleinen Hexenzirkel aus Oma, Nanny und Magrat wirklich Problem macht ist größer und mächtiger. Um also den neuen Herrscher, der seinen Vorgänger hinterrücks mit dessen eigenem Dolch erstochen hat – das findet der, nun ein Geist, alles andere als witzig – loszuwerden, müssen sie ordentlich Magie in die Hand nehmen. Denn der zweijährige Thronfolger, den sie vor kurzem in Sicherheit gebracht haben, ist natürlich erst in etwa 15 Jahren eine Alternative. Aber weil die Magie der drei eben doch nicht nur aus gesundem Menschenverstand besteht, ist das natürlich ein lösbares Problem.

„MacBest“ ist eines der hinreißendsten Beispiele, wie Terry Pratchett mit der Hochkultur auf der einen und der Welt der Fantasy auf der anderen Seite verfährt. Wie der Titel schon erahnen lässt, lässt der Leser sich hier auf eine Abwandlung von Shakespeares Macbeth ein. Im Zentrum stehen hier aber vor allem die drei Hexen. Nur dass diese hier sich eigentlich ja gar nicht in die weltliche Politik einmischen wollen … Respektlos und trotzdem voller Wertschätzung geht der Autor vor, wenn er, wie in vielen der Romane von der Scheibenwelt, bekannte Mythen und Geschichten von unserer „Rundwelt“ quasi vom Kopf auf die Füße dreht. Und wenn die Hexen von den Spitzhornbergen ins Spiel kommen, ist ohnehin klar, dass die Geschichte vor Lebensweisheiten nur so sprüht.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Terry Pratchett. Gevatter Tod – MacBest. Zwei Romane in einem Band
12,00 Euro. Piper Verlag

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