Zwischen Liebe und Gewalt: Das Trauma von Grebe und Träff

Die selbst traumatisierte Therapeutin Siri nimmt sich einer Selbsthilfegruppe von Frauen an, die alle Opfer männlicher Gewaltausübung geworden sind. Der neue Roman der schwedischen Krimischwestern Camilla Grebe und Asa Träff widmet sich intensiv der Frage, warum Liebe und Gewalt häufig gar nicht so weit auseinander liegen. 

Camilla Grebe/Asa Träff: Das Trauma

Aus eigener Erfahrung weiß Siri Bergmann, Psychotherapeutin aus Stockholm, was es bedeutet, hilflos männlicher Gewalt ausgesetzt zu sein. Deshalb übernimmt sie zusammen mit ihrer besten Freundin Aina eine Selbsthilfegruppe für misshandelte Frauen. Was die beiden Therapeutinnen hier zu hören bekommen, erschüttert sie beide zutiefst.
Als sich Siri mit Kattis, einer der Teilnehmerinnen, enger anfreundet, gerät sie immer tiefer in ein Geflecht aus Lügen und Gewalt. Schon bald fühlt sie sich selbst ebenfalls von Kattis Ex-Freund Hendrik bedroht, der ihr abends nach der Gruppensitzung auflauert.
Als dann auch noch die neue Freundin von Hendrik erschlagen aufgefunden und deren kleine Tochter, die einzige Zeugin des Mordes, entführt wird, gibt Siri ihre professionelle distanzierte Haltung auf und sucht mit Kattis gemeinsam nach dem Mörder.

Ein Thema – verschiedene Handlungsstränge

„Das Trauma“ ist der  Nachfolgeroman von „Die Therapeutin“ des schwedischen Autoren-Geschwisterpaares Camilla Grebe und Asa Träff. Das Thema, das die beiden Autorinnen in diesem Roman aufgreifen ist durchaus spannend. Was treibt Männer zur Gewalt gegen Frauen und warum lassen sich diese das oft über einen langen Zeitraum gefallen? Welche verschiedenen Arten von Gewalt gibt es? Welche Rolle spielt die Liebe dabei?
Diese Fragestellungen werden in vielfältiger Weise behandelt, zum Beispiel durch die unterschiedlichen Schicksale der Frauen der Therapiegruppe, Siris Patienten mit Eheproblemen, den Mord an Susanne sowie die Beziehung Siris zu ihrem Freund Markus, den sie zwar nicht aufgeben, mit dem sie aber auch nicht zusammen leben möchte.

Trauma ohne befriedigendes Ende

Aufgrund der verschiedenen Handlungsstränge, die diese ähnlichen Motive aufgreifen, wirkt die Geschichte manchmal leider zu stark konstruiert. Auch das Ende erschien mir als Leser etwas unbefriedigend – immerhin konnte man sich die Lösung schon relativ bald selbst zusammenreimen – dass Siri dann aber nicht auf das Naheliegendste kommt, lässt sie als Heldin nicht im besten Licht erscheinen. Sprachlich sind mir immer wieder unnötige Wiederholungen aufgefallen, über die ein großzügiger Leser aber durchaus auch hinwegschauen kann. Insgesamt liegt der Fokus bei diesem Kriminalroman meiner Meinung nach stärker auf dem Thema Liebe und Gewalt als auf der Aufklärung des Mordfalls. Trotzdem enthält die Handlung auch viele spannende Elemente, weshalb das Buch nicht allzu kritischen Skandinavien-Krimifans guten Gewissens empfohlen werden kann.
(MTS, academicworld userin)

Camilla Grebe/Asa Träff. Das Trauma.

15,50 Euro. btb Verlag.


Stand November 2011

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