Zwischen Genie und Einsamkeit

Der Vampir-Mythos sucht das Kino seit einigen Jahren wieder einmal geballt heim. So poetisch und sensibel wie bei Jim Jarmusch lief das aber selten ab. Seit 27. Juni auf Blu-ray und DVD im Handel.

Zwischen Genie und Einsamkeit
Egal ob körperlich oder nicht – nahe sind Adam und Eve sich immer. © Pandora Film

Daseinszweck Liebe

Obwohl sie sich räumlich nicht besonders nahe sind ist die Liebe zueinander – und ja, auch ein wenig die Liebe zu Kunst und Wissenschaft – der Wesenskern der beiden: Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton). Als Paar so wenig ohne einander vorstellbar wie ebenjene ersten Menschen gleichen Namens. In Detroit bzw. Tanger führen sie ein abgeschottetes Dasein. Ihre Triebe sind längst kontrolliert, die notwendige Nahrung beschaffen sie sich in Form von Blutkonserven von korrupten Ärzten. Dabei fungieren die Blutsauger in Jarmuschs Kosmos mehr als stille Wohltäter, denn als Monster im Hintergrund der Geschichte.

Während sich Adam, der sensible Undergroundmusiker in einer heruntergekommenen Villa in Detroit vor den Zumutungen der modernen Welt versteckt, hat es seine große Liebe Eve ins tausende Kilometer entfernte Tanger verschlagen. Dort verbringen die beiden lichtscheuen, uralten Vampire ihre Tage. Statt Menschen zu jagen, gehen sie ihnen großräumig aus dem Weg. Blut wird lieber aus der Konserve bezogen. Die moderne Technik hat den Kontakt mit der oberflächlichen, kurzlebigen Menschheit – Adam nennt die Kleingeister „Zombies“ – fast unnötig gemacht. Lieber gibt man sich in der Ewigkeit den eigenen Leidenschaften hin. Doch Adam ist im Lauf der Jahrhunderte darüber ziemlich schwermütig geworden, trägt sich gar mit dem Gedanken an ein Ende der eigenen Ewigkeit. Das ruft Eve natürlich auf den Plan. In ihrem Gefolge allerdings auch ihre Schwester Ava (Mia Wasikowska). Seit 87 Jahren hat man sich nicht gesehen … wie sich herausstellt, war das wohl auch besser so. 

Zwischen Genie und Einsamkeit

Kunst statt Kontakt

Ja, die Anlehnung an klassische Vampir-Mythen kann Jim Jarmusch mit seinem „Only Lovers Left Alive“ nicht leugnen. Trotzdem: So kultiviert, kunstsinnig und poetisch waren die Blutsauger selten. Ein Film so originell, exzentrisch und humorvoll wie sein Schöpfer. Nichts für die Fans der glitzernden Twilight-Vampire, aber für alle, die einen Sinn fürs philosophisch-poetische haben ein echtes Muss.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Only Lovers Left Alive

Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright

Im Vertrieb von Pandora Film ab 27. Juni auf Blu-ray und DVD

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