Zwischen Bayern und der Türkei

Mit Zeki Demirbilek setzt Su Turhan, eigentlich Regisseur und Filmemacher, einen neuen Ermittler auf die Krimilandkarte in Deutschland. Zeki Demirbilek, aufgrund seines teilweise etwas machohaften Wesens auch Kommissar Pascha genannt, ermittelt mit seinen Kollegen von der Task Force Migra in München. Dieses neu gegründete Dezernat kümmert sich um Morde, in die Menschen mit Migrationshintergrund verwickelt sind – und bekommt zu seinem Einstand gleich einen kniffeligen Fall auf den Tisch.

Zwischen Bayern und der Türkei
Zwischen Döner (© Lichtbild Austria/pixelio.de) und Weißwurst (© Thomas/pixelio.de) bewegt sich „Kommissar Pascha“ ganz gekonnt.

Der Tote im Eisbach

Im Eisbach, dem bei Surfern und Besuchern des Englischen Gartens beliebten Strom, treibt die Leiche eines türkischen Geschäftsmanns. Als besonders mysteriöses Kennzeichen hat man dem Mann auf seine Brust den arabischen Schriftzug für „Teufel“ mithilfe von Reißzwecken getackert.

Da ein solcher Mord natürlich nicht in die beschauliche weiß-blaue Landeshauptstadt passt, muss sich Kommissar Pascha mit seinem halb deutsch, halb türkischen Team auf die Suche nach dem Mörder des Mannes machen. Erschwert wird dies durch weitere Leichen, einen Profikiller und eine geplante Fusion zweier großer türkischer Döner-Ketten, in die der Tote offensichtlich irgendwie verwickelt war.

Viel Lokalkolorit

Neben seinen Charakteren besitzt „Kommissar Pascha“ auch einen zweiten heimlichen Star – und das ist die Landeshaupt München. Turhan jagt seine Ermittler vom Eisbach bis zum Grünwalder Stadion, vom islamischen Kulturzentrum bis in den Biergarten. Als Münchner erkennt man die Handlungsorte natürlich sofort und kann vor seinem inneren Auge förmlich einen Film sehen – hier kommt dem Buch der berufliche Hintergrund des Autoren zupass: Su Turhan weiß, wie man Lokalitäten und Szenen inszeniert.

Zwischen Bayern und der Türkei

Dürftiges Personaltableau

Ist München und die weiß-blaue Seele mit osmanischem Anstrich auch noch so schön gezeichnet – einen Mangel weist das Buch von Su Turhan leider doch auf. Seine Personen sind eher einer Soap denn dem richtigen Leben entstiegen. Die Interaktionen und Dialoge zwischen den Charakteren gleichen eher einer Schultheateraufführung als einem wirklichen Krimi. So krankt das Buch leider an einem typischen Problem des Regionalkrimis.

Wer aber ein paar Abstriche bei den handelnden Personen und den zahlreich verbratenen Klischees hinnehmen kann, der wird mit einem tollen München-Krimi belohnt, dem schon bald das zweite Kommissar-Pascha-Buch „Bierleichen“ folgen soll!

Marius Müller (academicworld.net-User)

Su Turhan. Kommissar Pascha: Ein Fall für Zeki Demirbilek
8,99 Euro. Knaur

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