Zwergenfluch

Das Leben als Lehramtspraktikantin kann gefährlich sein. Diese Erfahrung muss Emma leidvoll machen. Der Wanderausflug in die Dolomiten endet nämlich nach einem Mordanschlag und der Gefangenschaft unter Zwergen fast 30 Jahre in der Zukunft mit einem Fluch belastet und um ein ansehnlichen Kerl aus dem 18. Jahrhundert reicher.

Zwergenfluch
Das magische Leuchten des Rosengartens inspirierte zur Sage um König Laurin. © mazuja/pixeli.de

Sagenhafter Berg

Einst wohnte im Gebiet des Rosengartens in den Dolomiten König Laurin mit seinem Zwergenvolk. Der ganze Stolz des Königs war sein herrlich blühender Rosengarten, welchen er mit einem seidenen Faden abgrenzte, um ihn zu schützen. In diesen Garten entführte Laurin die schöne Königstochter Similde. Weil die ihm aber noch vor der Zwangsheirat wieder abhandenkommt, ist er echt sauer. 

Zwergenfluch
Ein geheimnisvoller Ring wird zum Pfand des Schicksals. © Ilka Funke-Wellstein/pixelio.de

Als nun die junge Praktikantin Emma im Jahr 1987 aufgrund misslicher Umstände, bei denen ein fieser Schüler ihrer Praktikumsklasse und ein geheimnisvoller Ring eine wichtige Rolle spielen, in seinen Garten stolpert droht man ihr erst einmal mit schlimmer Bestrafung, um plötzlich festzustellen, dass die junge Studentin seiner geliebten Similde mehr als ein wenig ähnelt. Kurz und gut, der abstoßend hässliche, aber mächtige Zwergenkönig will also Emma heiraten. Die will natürlich nicht. Wie gut, dass sie in der Küche der Zwergenhöhle auf Jonathan trifft. Der drückt sich zwar ein wenig altertümlich aus, ist aber nett und äußert hübsch anzusehen. Gemeinsam schaffen die beiden tatsächlich den Ausbruch, aber nicht ohne noch einen bösen Fluch von Laurin mit auf den Weg zu bekommen. Nachts wird Emma zur Katze und Jonathan tagsüber zum Raben. Als Menschen bleiben ihnen die Stunden zwischen 11 und 12 Uhr.

Als würde das nicht schon genug Chaos bedeuten – denn lösen lässt sich der Fluch natürlich nur, wenn die beiden Laurins Ring finden, für den Emmas fieser Schüler Udo diese fast umgebracht hat – müssen sie feststellen, dass die Zeit außerhalb der Zwergenhöhle deutlich schneller vergeht. So sind für Emma 27 Jahre vergangen und für Jonathan fast 200 …

Zwergenfluch

Wilde Fantasy-Mischung

Ein bisschen Tag des Falken, ein Hauch Herr der Ringe und dazu noch ein paar typische Zeitreiseprobleme gewürzt mit der großen Liebe auf den ersten Blick – Heike Eva Schmidt mischt da so einiges zusammen in ihrem Buch „Die gestohlene Zeit“. Das ist nicht von vorne bis hinten der große Wurf, aber durchaus vergnüglich zu lesen. Vor allem der Culture Clash in zwei Ebenen hat großen Unterhaltungswert. Allerdings wirkt die Geschichte in weiten Zügen leider relativ vorhersehbar und nicht so ganz erwachsen, wie gute Fantasy heute doch meist daher kommt. Als Jugendbuch aber allemal nett zu lesen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Heike Eva Schmidt. Die gestohlene Zeit

12,99 Euro. Knaur TB

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