Zukunftskino mit Retrocharme

Eigentlich will „Lockout“ ja in der Zukunft spielen. Das ist aber eher traurige Fassade. Dafür darf Guy Pearce in bester Bruce Willis-Manier den harten Kerl verkörpern. Und das macht ordentlich Spaß. Seit 5. Oktober auf Blu-ray und DVD.

Zukunftskino mit Retrocharme
„Hier sind ein Apfel und eine Knarre. Red‘ nicht mit Fremden, erschieß sie.“ © Universum Film

Psychopathen im All

Ex-CIA-Agent Snow (Guy Pearce) wurde richtig verarscht. Jetzt drohen ihm 30 Jahre im Kälteknast wegen eines Kollegenmordes. In den USA des Jahres 2079 werden die bösen Jungs nämlich nicht mehr in normalen Gefängnissen untergebracht – viel zu viele Gewaltexzesse und Ausbruchsversuche – sondern in einer Raumstation 50 Meilen über der Erde im künstlichen Tiefschlafe festgehalten. Weil die Folgen des „Einfrierens“ aber noch unabsehbar sind befindet sich dort gerade Emily (Maggie Grace), die Tochter des US-Präsidenten, um sich mit den Bedingungen vertraut zu machen. Bei der Befragung des kurzfristig aufgetauten Insassen Hydell (Joseph Gilgun) dreht dieser durch und, wie soll es anders sein, kurz darauf laufen 500 gerade erwachte Psychopathen und Schwerverbrecher durch die Gegend.

Um Emily da unbemerkt herauszuholen kommt nur einer in Frage: Snow. Dem kommt der Auftrag gerade recht, ist doch sein Partner Mace (Tim Plester) eben dort. Und nur der kann helfen sowohl Snows als auch die eigene Unschuld zu beweisen. Gesagt, getan. Schon ist Snow in den Untiefen des Weltalls allein mit Waffen, Witz und Muskelkraft unterwegs um es mit 500 gewaltbereiten Verbrechern aufzunehmen. Das wäre ja noch ganz okay für ihn. Aber dass die holde Maid, die es zu retten gilt, alles andere als folgsam und umgänglich ist, macht es deutlich schwerer. Und plötzlich geht den bösen Jungs auch auf, wen sie da eigentlich in ihrer Gewalt haben …

Zukunftskino mit Retrocharme
Snow, was gibt’s Neues ? „Globale Erwärmung, ’ne Promibraut lässt sich die Brüste vergrößern und der Kongress hat mal wieder Mist gebaut. Sie wissen schon, das Übliche.“ © Universum Film

Die Zukunft liegt in der Vergangenheit

Der beinharte Haudrauf-Action-Held der 80er Jahre, der einen markigen Spruch nach dem anderen raushaut, ist zurück. Die Neuauflage heißt Snow und wird gespielt von einem ordentlich auftrainierten Guy Pearce. Story und Hauptdarsteller-Typus erinnern nicht nur auf den ersten Blick an Filme wie „Stirb Langsam“ oder „Die Klapperschlange“. Nichts Neues unter der Sonne quasi. Aber so wie diese Art Film seinerzeit ausgezeichnet zu unterhalten wusste, tut er es auch heute noch. Die computeranimierte Verfolgungsjagd im futuristischen Los Angeles wirkt sogar so rudimentär, als wäre sie damals gedreht worden. Trotzdem tut das dem Spaß, den das Ganze macht, kaum einen Abbruch. Außerdem ist die Weltraum-Kulisse dafür richtig dreckig und rustikal. Da blitzt und blinkt nichts mehr, wenn sich Snow durch die Schächte und Gänge schickt und einen knackigen Oneliner nach dem anderen raushaut.

Zukunftskino mit Retrocharme

Ganz klar ist, was der Ex-Agent auch im Film gesagt bekommt: Er ist ein Relikt. Aber ein cooles. Die kurze Passage, in der Snow seinen Mission zusammenfasst, sagt eigentlich schon alles: „Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist’n Traumurlaub. Ich meine, äh, ich pack meine sieben Sachen, fahre ins All, ich, äh, gehe in eine Hochsicherheits-Klapse, ich rette die Tochter des Präsidenten, wenn sie nicht schon tot ist, schleich mich an Psychos vorbei, die gerade aufgestanden sind … Ich bin begeistert, dass Sie da an mich denken.“

Für Fans des klassischen 80er Jahre Action-Kinos eigentlich ein Muss!

Gisela Stummer (academicworld.net)

Lockout

Regie: Stephen St. Leger und James Mather (Saint & Mather)
Darsteller: Guy Pearce, Maggie Grace, Peter Stormare, Joseph Gilgun

Im Verleih von Universum Film
 

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