Zug um Zug

Mit den großen Blockbustern tut Disney sich in letzter Zeit schwer. Nach John Carter ist auch Lone Ranger an den Kinokassen aufs Abstellgleis geraten – wie dieser größten Teils zu Unrecht. Jetzt gibt es den Film mit der lässig-rasanten Eisenbahn-Action auch für zuhause.

Zug um Zug
Sieht klasse aus, endet aber natürlich in einem Schrotthaufen: Die wilde Fahrt mit der Eisenbahn. © Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer Inc. All Rights Reserved.

Mein Freund, der irre Indianer

Mit den Helden ist das immer so eine Sache. Selten weiß man, was wirkliche Tatsache ist und wo mit den Chronisten der Gaul durchgeht. Wenn der Chronist aber Tonto ist, ein alter Indianer mit Persönlichkeitsproblemen, den dann auch noch Johnny Depp verkörpert, kann man die Logik eigentlich gleich getrost zuhause lassen. So ist das auch bei der Geschichte vom Werden des Lone Ranger, den der fast schon mumifizierte Indianer Anfang des 20. Jahrhunderts einem kleinen Jungen auf dem Jahrmarkt erzählt. Und so nicht nur diesen, sondern auch den Zuschauer schnurstracks in den Wilden Westen des Jahres 1869 entführt.

Hinter der Maske steckt John Reid (Armie Hammer), ein jungerJurist, dessen Weg zum Helden ein einziges Versehen ist. Als letzter, längst für tot erklärter Überlebender einer Gruppe von Texas Rangern, darunter sein Bruder, die bei der Jagd auf den Schurken Butch Cavendish in einen tödlichen Hinterhalt geraten sind, wird er von Tonto „wiederbelebt“. Alles andere als begeistert, wohlgemerkt, viel lieber wäre ihm Johns Bruder, ein echter Wild West Haudegen als Partner gewesen. Aber wenn das Pferd nun mal so entscheidet … So bleibt Tonto nur eins: Er muss die Macht der Legendenbildung nutzen, um dem pazifistischen John, der nicht einmal eine Waffe zur Hand nimmt, wenigstens den Ruf eines gefährlichen Gesetzeshüters zu verpassen – Maske inklusive.

Zug um Zug
Ein Maskierter und sein irrer Begleiter. © Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer Inc. All Rights Reserved.

Und los geht die wilde Fahrt. Schließlich muss man eben noch Cavendish fangen, den toten Bruder rächen, dessen schöne Witwe beschützen (vielleicht ja mehr?), das Indianergebiet befrieden, eine Intrige unter den Eisenbahnleuten aufdecken … Dabei geht mehr als ein Zug in die ewigen Jagdgründe ein – das aber stets pfiffig, rasant und atemlos begeisternd. Selten sah Zug-Action so gut aus. 

Im Kino vergaloppiert

Etwas mehr versprochen hatte man sich aber wohl schon im Hause Disney, als man das Dreamteam aus Fluch der Karibik – Gore Verbinski und Johnny Depp an der Spitze – erneut in See stechen ließ. Freilich war die See diesmal aus Sand und das Schiff ein Zug, aber eigentlich konnte da doch gar nichts schief gehen, oder? Konnte es leider doch. Von den US-Kritiker verrissen hatte der Lone Ranger von Anfang an einen schlechten Kinostart – und nahm irgendwie nie so recht Fahrt auf. Dabei ist er bestes Popcorn-Kino.

Den Diorama-Rahmen hätte es vielleicht nicht gebraucht. Schneller vor zur Haupthandlung und  auf den Punkt. Das aber eigentlich auch schon die Hauptkritik: Der Film ist einfach ein bisschen lang geworden. Aber zumindest für den durchschnittlichen Europäer, der mit von der ganzen Vorgeschichte des Lone Ranger reichlich unbelastet sein dürfte, macht das alles ansonsten richtig Spaß. Rasante Zug-Stunts, witzige Dialoge (vor allem im englischen Original) und Johnny Depp mal wieder als irrer Egoist mit dem Herz am rechten Fleck. Und auch der Ranger selbst – Armie Hammer – bereichert den Film nicht nur optisch. Vielleicht findet das dynamische Duo des Westens sein Publikum ja im Heimkino – zu wünschen wäre es ihnen. 

Zug um Zug

Gisela Stummer (academicworld.net)

Lone Ranger

Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, William Fichtner, Barry Pepper, James Badge Dale, Ruth Wilson, Helena Bonham Carter

Im Vertrieb von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany ab 5. Dezember auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand erhältlich

LONE RANGER auf Facebook: www.facebook.com/LoneRangerDerFilm  

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