XANADU – Eine schrecklich nette Familie

Die Kritiker sind begeistert. Die Serie über einen Familienbetrieb im horizontalen Gewerbe ist gewagt und bricht mit Tabus. Seit dem 8. März ist das Serienhighlight aus Frankreich auf Blu-Ray und DVD auch im deutschen Handel erhältlich.

Neue Wege

Die Familie Valadine war lange Jahre mit der Produktionsfirma XANADU im Porno-Business sehr erfolgreich. Doch die Branche befindet sich in der Krise. Statt die Lösung der Probleme in innovativen Konzepten zu suchen, setzt Alex Valadine das Familienoberhaupt und gleichzeitig der Chef von XANADU auf Bewährtes. Er kann den Gonzo-Filmen, die in der Branche inzwischen gefragt sind, nichts abgewinnen. Doch bald schon gerät das Unternehmen durch seine Sturheit in finanzielle Schwierigkeiten. Er ist auf die Unterstützung seiner Söhne Laurent und Lapo und die Hilfe seiner Tochter Sarah angewiesen. Schnell stellen sie fest, dass so ein Familienunternehmen viele Probleme mit sich bringt. Als Laurent auf einer Ausstellung zu Ehren ihrer toten Mutter Elise Jess niedergeschossen wird, muss sich die Familie bewähren.

Ungewöhnlicher Plot

Eine Geschichte über eine Familie im Porno-Geschäft? Das klingt anrüchig und nach Nachtprogramm für Erwachsene. Und das ist es auch mit Sicherheit, aber darüber hinaus ist es noch viel mehr. XANADU porträtiert liebevoll und schockierend zugleich die Familie Valadine. Eine Familie in der jedes einzelne Mitglied, ob gewollt oder nicht, seinen Teil zum Fortbestehen des Unternehmens beitragen muss. Es ist alles andere als eine Vorzeigefamilie, doch umso fesselnder sind ihre persönlichen Geschichten. Die Figuren sind sehr detailliert und eindrucksvoll dargestellt. Jede Rolle, ist mit sehr viel Tiefgang ausgestattet. Man erfährt Stück für Stück immer mehr über die Hintergründe und Schicksale, die die Familie zu dem gemacht haben, was sie sind. 

Die einzelnen Charaktere

Laurent, der älteste Sohn, der die Geschäfte gemeinsam mit seinem Vater leitet bis er niedergeschossen wird, scheint der irdischen Welt längst entrückt zu sein. Er ist unglücklich mit seinem Dasein und hat Sehnsucht nach einem Leben fernab von seiner Familie und allen anderen Menschen – allerdings gelingt ihm der Absprung nicht. Lapo, der geniale aber gleichzeitig auch völlig verstörte und verrückte Regisseur, der in seiner ganz eigenen kleinen, kranken Welt lebt und den Tod seiner Mutter nie verarbeitet hat, verfällt einer Frau, die ihn in ihrem selbstzerrstörerischen Wahn, beinahe mit in den Abgrund zieht.

Sarah, die früh Schwanger wurde und die Familie verlassen hatte, hat eine schwierige Beziehung zu ihrer eigenen Tochter. Sie will eigentlich nichts mehr mit ihrer Familie zu tun haben, aber als das Unternehmen kurz vor dem Untergang steht, ist sie da, um ihrer Familie zur Seite zu stehen. Sie identifiziert sich immer mehr mit dem Business. Als sie allerdings plötzlich feststellt, dass sie eine Frau liebt, steht die Beziehung zu ihrer Tochter vor einer Belastungsprobe. Die mit Abstand eindrucksvollste Rolle nimmt aber mit Sicherheit das Familienoberhaupt, der Patriarch – Alex Valadine ein. Scheinbar völlig gefühlsarm und abgestumpft verhält er sich im Umgang zu seinen Mitmenschen. Er hat nicht einmal Skrupel davor, seiner schwangeren Frau eine Hauptrolle in einem Pornofilm anzubieten. Alle diese Figuren sind für sich genommen etwas ganz besonderes und machen den Reiz dieser Serie aus.

Schwieriges Genre

Zuschauer, die Pornofilmen generell kritisch gegenüber stehen, sollten sich von dem ungewöhnlichen Plot der Serie nicht abschrecken lassen. Auch wenn man durchaus viel nackte Haut in teilweise sehr plastischen Szenen zu sehen bekommt, ist das Hauptthema der Serie ein ganz anderes – der Zerfall beziehungsweise das Widerfinden einer Familie, die im Begriff ist auseinander zu brechen. Bemerkenswert sind insbesondere die tollen Charaktere, die tiefgründigen Szenen und Dialoge, und natürlich die filmische Umsetzung dieser französischen Serie. Xanadu ist Kunst – nicht umsonst wurde die Serie von Spiegel Online zur besten europäischen Serie gekürt. Die schauspielerischen Leistungen sind grandios, doch es ist in erster Linie das Geschick der Regisseure Daniel Grou, Jean-Philippe Amar, das die Serie so einzigartig macht. Es gelingt ihnen spielend den Zuschauer sprichwörtlich bei der Stange zu halten.

Fazit: Beeindruckendes Porträt einer Familie in einem ungewöhnlichen Geschäftsfeld. Der Zuschauer wird mit auf eine Reise in eine ihm unbekannte Welt genommen, in der Werte völlig an Bedeutung verloren zu haben scheinen. Man kann kaum erwarten, was die zweite Staffel bringt.

Thomas Hepp (academicworld.net)

XANADU – Staffel 1
Regie: Séverine Bosschem
Darsteller: Jean-Baptiste Malartre, Julien Boisselier, Nathalie Blanc

 

Share.