Wunderbare Werbewelt?

Alles in allem führt Finbar Dolan ein Leben, um das ihn viele beneiden dürften. Oberflächlich betrachtet. Zufrieden ist er damit nicht. Eine Reise ins innerste des amerikanischen Traums.

Wunderbare Werbewelt?

Das Streben nach mehr in Zeiten der Krise

Eigentlich wusste Fin einfach nicht was er nach dem College mit sich anfangen soll. Irgendwie ist er dann in der New Yorker Werbebranche gelandet. Jetzt ist er kurz vor dem 40. Geburtstag, hat gerade seine Verlobte in den Wind geschossen und hadert mit sich und der Welt. Da kommen alte Traumata hoch. Und nebenbei soll er noch schnell DEN Superball Werbespot schlechthin für die erste biologisch abbaubare Windel ersinnen. Also heißt es Prioritäten setzen und beständig abwägen: Ans Sterbebett des Vaters eilen, den man 20 Jahre nicht gesehen und nur als alkoholisierten, prügelnden Tyrannen in Erinnerung hat, oder um die eigene Karriere kämpfen, die einem längst schon völlig bedeutungslos vorkommt, weil man am auferlegten Windel-Etat verzweifelt? Lange hat er sich treiben lassen – in seinem Job, in allen menschlichen Beziehungen – nun muss er Farbe bekennen. Was und wer ist Finbar Dolan wichtig? Und ist er mit fast 40 nicht schon zu alt für einen Neuanfang? All diesen Fragen folgt der Leser bereitwillig, denn: Fin Dolan ist im tiefsten Inneren ein guter Kerl und vor allem eine lustig-berührende Erzählfigur.

Wenngleich die Pointen aus der Werbewelt nicht wenige Klischees aufgreifen, erzählen John Kenney und sein unzuverlässiger Erzähler Fin – immer wieder schildert er detaillierte Situationen und Begebenheiten, um dann ein „So stelle ich mir das zumindest vor.“ oder „So hätte es eigentlich passieren sollen.“ folgen zu lassen – sehr unterhaltsam und feinfühlig. John Kenneys Roman liest sich so schnell wie unterhaltsam und ist doch nicht ohne Tiefe und Biss. Eine richtig gute Sommerlektüre und vielleicht sogar ein wenig mehr.

Gisela Stummer (academicworld.net)

John Kenney. American Dreamer
14,99 Euro. Manhattan Verlag

Share.