Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren

Glaubt man den vorausweisenden Beschreibungen des Verlages oder anderer Leser, handelt das Buch von einem Mann, der nach 15 Jahren endlich seine große Liebe wiederfindet und dem schrecklichen Tag, an dem er eben diese verlor. Das stimmt jedoch nicht ganz.

Buchcover von Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren © dtv Verlag

Auftritt bei „Wetten dass..“
Der Herr Kowalski, um dessen Leben sich die Geschichte strickt, kennt alle Wetterlagen der letzten 15 Jahre in dem Ferienort seiner Kindheit. Mit diesem Wissen kommt er zu „Wetten dass…!?“ und beeindruckt dort Publikum, Zuschauer und Moderator gleichermaßen. Die Frage ist natürlich, warum man eben diese Daten auswendig kennt, die Lösung ist natürlich die Liebe. Nämlich Anni, die erste Liebe des Kowalskis, die er in diesem beschaulichen Alpendorf einst kennenlernte. Ein schweres Unwetter zerstörte tragischerweise diese junge Liebe abrupt. Nach der „Wetten dass…!?“-Ausstrahlung und den mittlerweile 15 vergangenen Jahren kehrt Kowalski zurück in den Ort, welcher sein Leben so tief geprägt hat.

Tatsächlich ist Kowalskis Geschichte aber nur der Aufhänger für ein Interview. Jedoch nicht zwischen dem Reporter und der vom Schicksal geprägten Hauptfigur, sondern zwischen der „Literaturbeilage“ und Wolf Haas, dem Autor eines offenkundig viel zu romantischen Buches, in dem es seinerseits um einen Mann geht, der vor 15 Jahren seine Liebe an einem schrecklichen Tag verlor. Dieses Buch, welches den Grund des Interviews liefert, ist jedoch fiktiv.

Neue Dimension
Im Interviewstil wird die ganze Abhandlung der eigentlich zu Grunde liegenden Geschichte haarklein erzählt, auseinander genommen und analysiert. Durch diese Meta-Perspektive bekommt die Hintergrundgeschichte eine ganz neue Dimension, die zwar die Beweggründe des Autors schildern, gleichzeitig aber den Lesefluss des Romans erschwert, wenn nicht sogar ganz verhindern.

Romantische oder kitschige Ausschweifungen?
Der Leser bekommt stellenweise den Eindruck, als würde der Autor mit der gewählten Stilform, die an sich schon sehr ausgefallen ist, ein Schutzschild und damit eine Ausrede für seine romantischen bis kitschig anmutenden Ausschweifungen bilden. Durch die vorgeschobene Distanz zu der Geschichte scheint der Autor so all die Szenen veröffentlichen zu können, die er schon immer mal niederschreiben wollte, sich aber aus Gründen des Eigenschutzes und der Erhaltung des seriösen Rufes nie traute. Mit viel Phantasie könnte man dem Autor jedoch unterstellen, sich mit dem Interview über alle anderen Kitschromane lustig zu machen.

Kampf der Geschlechter
Thematisiert wird hierbei immer wieder, wie unterschiedlich Autor und Interviewer die einzelnen Buchelemente interpretieren. Zum einen durch die zwei Perspektiven der Interviewteilnehmer, also Autor und Reporter, begründet, aber eventuell auch durch die unterschiedlichen Ansichten, die sich mit den zwei Geschlechtern (also männlicher Autor aber weibliche „Literaturbeilage“) begründen.

Wetten dass..?!; © dpa

Vorhersehbare Wendungen

Wirklich nur Peux a Peux erfährt der Leser Detail um Detail, aber selten im Gesamtzusammenhang, was den Hauptfiguren der Hintergrundgeschichte widerfährt, und wie sich deren Schicksal durch einen einzigen Tag abrupt ändert. Die Hintergrundgeschichte ist dabei leider höchst vorhersehbar und macht das Lesen daher auch nicht spannender.

Fazit: Das auf dem Rückentext zu findende Zitat „In dieses Buch muss man sich einfach verlieben“ stimmt nicht. Nicht nur, dass man sich nicht in das Buch verlieben muss, man muss es nicht mal lesen, und verpasst dennoch kaum was. Interessant wird es nur durch den Stil in dem es verfasst ist, und der Romanze, wiederum mit viel Phantasie hineingedacht, die sich zwischen dem weiblichen Interviewer und dem Autor anzubahnen scheint.

(Carina Jakob; academicworld-Userin)

224 Seiten
dtv Verlag
8,95 €


Stand: Sommer 2011

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