Wo bleibt nur der Champagner?

Sie ist gerade frisch ihrer Familie in London nach Australien entflohen, da stirbt der Mann einer guten Bekannten von dort unter schleierhaften Umständen. Die ehrenwerte Miss Fisher, sympathisch hübsch, reich und schlau kann gar nicht anders, als sich einzumischen …

Miss Fisher bei einer ihrer liebsten Tätigkeiten: Chillen mit Champagner! © Every Cloud Productions
Miss Fisher bei einer ihrer liebsten Tätigkeiten: Chillen mit Champagner! © Every Cloud Productions

Die ehrenwerte Miss Fisher ist neu in Melbourne – an Verwandtschaft, Freunden und Bekannten mangelt es ihr erst mal nicht. Bis der erste stirbt und sie statt einem Luncheon eine Verabredung mit einem Pathologen hat. Der sich nicht gerade begeistert darüber zeigt, plötzlich eine Frau vor seiner Leichte stehen zu haben. Das gehört sich nicht! Da sie aber immer mit wichtigen Informationen um die Ecke kommt, kann der Ermittler – Detective John Robinson – quasi gar nicht anders, als sie … nun ja … zu tolerieren. Dass sie eine ganz dufte Frau ist, merkt er aber auch ganz schnell. Dumm nur: Er ist verheiratet, anschmachten ist also nur aus der weiten Ferne erlaubt. Oder über eine Leiche hinweg und derer gibt es plötzlich viele. Mittendrin? Die ehrenwerte Miss Fisher, die sich auch gerne mal als Rebellin in den Untergrund begibt – und dort einen anarchistisch veranlagten Lover abschleppt. Spiel, Spaß und Freude mit der ehrenwerten Miss Fisher also – in jeder Episode was ganz was Neues.

Frau am Steuer? Klar! Die ehrenwerte Miss Fisher hält sich nicht zurück. © Every Cloud Productions
Frau am Steuer? Klar! Die ehrenwerte Miss Fisher hält sich nicht zurück. © Every Cloud Productions

Die Kritik

Das Modell „Externer mischt sich in Polizeiermittlung ein“ ist natürlich nichts Neues. Der absolute Klassiker ist und bleibt wohl Pater Brown, der schon die Generationen vor uns mit seinen spannenden Folgen in Atem gehalten hat. Jetzt also mit einer jungen Dame, die weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen ist: Optisch auf jeden Fall schon mal ein Hit – die Zwanziger waren eine glänzende Ära bis zum Black Friday. Die Details bei Miss Fisher sitzen: Vom Kopfschmuck bis zum Glas in der Hand bei Soirées – eine absolute Augenweide!

Dass Phryne (gesprochen: Franny) Fisher immer wieder zufällig im Mord verwickelt ist, ist natürlich eine Wiederholung, die es in jeder Episode gibt. Damit es nicht immer exakt gleich abläuft, werden die verschiedensten Ansatzpunkte gewählt. Trotzdem gibt es natürlich immer wieder Parallelen, sodass man sich die Serie nicht unbedingt nacheinander ansehen sollte, sondern zwischen jede Folge etwas Zeit packen. Das ist absolut okay so und sichert euch einfach das größere Zuschauer-Vergnügen ?

Das ganz große Plus liegt bei der Haupotfigur selbst: Sie ist sympathisch hübsch mit einer Frau, die den gesunden Mittelweg zwischen kosmetisch „enhanced“  und natürlich geht. Das macht sie zu einer „Heldin“, die optisch nicht total abgedreht und künstlich wirkt. Und wenn‘s sein muss, stylt sie sich auch mal als verbrauchte Hure auf – ein amüsanter Moment, versprochen! Dazu ist sie selbstbewusst, aber kein die-hard Feminist – pragmnatisch, realistisch, dennoch immer höflich und zuvorkommend.

Aber nicht alles, was nach den roaring twenties aussieht, glitzert schön. Die Serie thematisiert genauso Tabuthemen, die sonst so gerne unter den Tisch fallen: Abtreibungen waren verboten, Homosexualität führte genauso zu Gefängnisstrafen sowie Missbrauch. Dabei nimmt die Hauptdarstellerin eine halbwegs liberale Stellung ein, gibt manchmal aber auch dem konservativen den Vorzug. Diese Zwischendrin-Positionierung führt dazu, dass der Zuschauer Miss Fisher erst recht als voll ausgebildeten Charakter wahrnimmt und nicht nur als eine fiktive Rolle. Chapeau, Mademoiselle!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle, Staffel 1

13 Folgen à 55 Minuten

Darsteller: Essie Davies, Ashleigh Cummings, Hugo Johnstone-Burt, Miriam Margolyes

Seit dem 24. April im Vertrieb der polyband Medien als DVD und BluRay im Handel erhältlich!

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