Wissen verändert die Welt …

Diese Erfahrung machten die Gelehrten der Renaissance ein ums andere Mal. In der Welt von Royce Buckinghams „Die Karte der Welt“ müssen der junge Wexford und seine Expeditionsbegleiter feststellen, dass diese Veränderungen nicht immer nur gut sind. Aber abenteurlich allemal.

Wissen verändert die Welt ...

Das Land hinter dem Schleier 

Statt weißer Flecken auf der Landkarte gibt es im Land Abrogan einen undurchdringlichen, geheimnisvollen Schleier als Grenze. Wer ihm zu nahe kommt wird nicht mehr gesehen. Um wenigstens das Land im weiteren Umfeld zu kartographieren bricht eine Delegation aus der Hauptstadt Skye auf. Weil der eigentliche Kartograph erkrankt heuern die Männer Wex an, den zeichnerisch begabten Sohn eines Schweinezüchters aus dem Dorf Zornfleck, ganz in der Nähe des Schleiers. Der kann nicht nur super zeichnen, sondern kennt den nicht verhangenen Teil der Bergkette auch aus dem FF.

Um mit den schnittigen Soldaten anschließend in die Hauptstadt zu gelangen und so dem langweiligen Zwangs-Verlobten zu entkommen hängt sich auch die schöne schlaue Grafentochter Brynn an die Gruppe. Sie hat es Wex schon länger angetan. Zu dumm, dass da noch mehr junge Herren nicht abgeneigt scheinen. All dieses Geplänkel rückt allerdings schnell in den Hintergrund, als sich der Schleier mit jedem Strich, den Wex auf die Karte zeichnet weiter zurückzieht. Die Aussicht auf Ruhm und Entdeckungen treibt die Abenteurer voran, aber was sie in den Gebieten, die dem Schleier entrissen werden finden, ist nicht unbedingt friedlich gesinnt. Und bald muss die Gruppe empfindliche Verluste hinnehmen.

Abenteuer in engen Grenzen

Obwohl ich es nicht so recht an vielen konkreten Sachen festmachen kann, muss ich sagen, dass dieses Buch den Leser nicht so recht zufrieden zurück lässt. Sowohl der Handlungsraum als auch die charakterlichen Entwicklungen finden in engen Grenzen statt. Das Land, das Buckingham hier anreißt, scheint zunächst vielversprechend und wenn wir mehr davon gesehen hätten, würde es dieses Versprechen vielleicht auch einhalten. Die Zeiträume erscheinen zudem reichlich inkonsequent. Im Zwergenturm wird man belagert und fast ausgehungert aber dieses und alle anderen Abenteuer finden in einer Woche statt?!

Am Ende dann werden mehr oder weniger handstreichartig noch ein paar bis dahin wichtige Figuren entsorgt, damit sie dem Ende nicht im Weg stehen … naja, das hätte auch ein bisschen liebevoller ausfallen können. Zudem hätte man die gesamte Geschichte abwechslungsreicher gestalten können. So hat man bald das Gefühl immer wieder das Gleiche zu lesen. Das ist nicht unbedingt schlecht, wäre aber auch kürzer zu schildern gewesen. Ein Fantasyroman den man gut lesen kann, aber beileibe nicht gelesen haben muss.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Royce Buckingham. Die Karte der Welt
15,00 Euro. Blanvalet
 

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