Wider den Gruppenzwang

Muss ich sesshaft werden? Meinen endgültigen Mann, meinen endgültigen Beruf, meine Lebensform für den Rest meiner Tage finden und festlegen – nur weil es alle meine Freunde tun? Kajsa Ingemarssons zweiter, in Deutschland veröffentlichter, Roman „Eins, zwei, drei – beim vierten bist du frei“ stellt in Person von Hauptfigur Paula diese Fragen.

Erwachsen werden – muss das sein?

Stets auf Tour, nie länger als ein halbes Jahr der selbe Job, die selbe Stadt, oft nicht einmal das selbe Land. So sah Paulas Leben in den letzten Jahren aus. Jetzt ist sie Anfang dreißig und stellt nach ihrem Aufenthalt in New York schockiert fest, dass ihre besten Freundinnen plötzlich (zumindest in Paulas Augen) erwachsen, sesshaft und seriös geworden sind. Anna, die erfolglose Schauspielerin, die immer auf allen Hochzeiten tanzte, bekommt nun ein Kind und will heiraten! Die vernünftige Rakel setzt endgültig ganz auf Karriere, und Paulas Freund Johan will auf einmal unbedingt heiraten. Was ist nur los?

In vergnüglicher Art und Weise durchleidet Paula das Dilemma einer ganzen Generation. Jugendlichkeit, Freiheit, Unabhängigkeit sind zu absoluten Werten geworden. Vorrangig und erstrebenswert. Dass man dazu aber an anderer Stelle Abstriche machen muss, das ist nicht nur der freiheitsliebenden Schwedin unklar. Für sie, wie viele Frauen, wird die 30er Grenze so zu einem Moment der Katharsis. Die großen Fragen nach dem wohin, nach den Lebenszielen und -motivationen  tauchen ganz unvermittelt vor ihr auf. Wenngleich das Buch eher Typ leichter Frauenroman ist, liefert er doch einige interessante Denkanstöße zum Thema Sinnsuche und Lebensglück.

(Gisela Stummer, academicworld.net)

384 Seiten
dtv
8,95 Euro


Stand Juli 2011
Share.