Werwolf, 18, solo, sucht Erklärung

In einer Kleinstadt, in der Baseball eine Art Religion ist, wächst Cayden auf. Als Quarterback ist er der Star der Schule. An seinem Arm hängt ein hübsches und auch kluges Mädchen und eines Nachts liegen seine Eltern ermordet im Haus. Wie es scheint – von ihm.

Haarige Zeiten kommen auf Cayden zu. Wie gut, dass die Frisur auch als Wolf sitzt! © Square One / Universum Film
Haarige Zeiten kommen auf Cayden zu. Wie gut, dass die Frisur auch als Wolf sitzt! © Square One / Universum Film

Was bis dato niemand wusste: Cayden ist adoptiert und verwandelt sich ab sofort immer wieder mal in einen Wolf. Hätte er es unter Kontrolle, wäre das vielleicht gar kein großes Problem. So aber mischt sich das Drama mit den wunderbaren Hormonen eines männlichen Teenagers und Cayden sieht nur eine Chance: weglaufen. In ihm tobt die Angst, die Unsicherheit, die Ungewissheit. In einer heruntergekommenen Bar trifft er plötzlich einen alten Werwolf. Der zeigt ihm den Weg nach Lupine Ridge – wo er all die ersehnten Antworten auf seine zahlreichen Fragen finden soll. Dort angekommen, stolpert er erst mal über die hübsche Angeline, ihres Zeichens Eigentümerin der einzigen bar dieser Kleinststadt.

Einen Werwolfclan findet er dort auch. Ungünstig nur, dass die sich dem inneren Biest voll ergeben haben und mit Außenseitern nichts anfangen wollen – außer Abendessen. Und Frühstück. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Angelina zu bewachen, denn für den Clan-Anführer Connor ist sie die designierte Mutter seiner Söhne. Nicht, dass sie da ein Wörtchen mitzureden hätte …

Jason Momoa als Bad Boy? Ihm scheint es viel Spaß zu machen ... © Square One / Universum Film
Jason Momoa als Bad Boy? Ihm scheint es viel Spaß zu machen … © Square One / Universum Film

Die Kritik

Wenn man sich die Handlung durch den Kopf gehen lässt, ohne den Film zu sehen, denken die meisten vermutlich: An irgendeinem Punkt muss es einfach schlecht werden. Nein, wird es nicht! Es ist absolut faszinierend, wie die Macher und die Schauspieler von WOLVES jedes Fettnäpfchen umschiffen. Beispiel (Achtung, Spoilerpotenzial): Wenn der liebe Jungwerwolf sich auf die einsame Wanderschaft begibt, verfügt er irgendwann über ein Motorrad. Es folgen Szenen der Reise, die den einsamen Wolf auf dem Gerät ins Zentrum setzen. Nein, hier ist keine Szene zu sehen, die an die 50er-Jahre erinnert – weil sie nicht in der Außenwelt gedreht wurde, sondern der Hintergrund hinterher künstlich eingearbeitet. Low Budget eben. Viel besser: Dieser Hintergrund wird geradezu zu einem Kunstgegenstand – visuell übertrieben und damit auffällig im positiven Sinne. 

Ein weiterer Bonus sind mit Sicherheit die kleinen, nerdigen Details. Wenn sich unsere harten Männer in Wölfe verwandeln, wird das eine haarige Angelegenheit. So haarig sogar, dass auch die Wölfe mit der Frisur der Menschen umher rennen – zum Schreien komisch und verlieben schön. 

Die Schauspielleistung

GRANDIOS, einfach nur GRANDIOS! Willem Dafoe brilliert, er brilliert einfach als der alte knurrige Mann mit Schrotflinte. Der lieber ein Wort weniger als zu viel sagt und trotzdem ein großes Herz hat. Jason Momoa als der böse Anführer des lokalen Wolfsrudel ist ein Genie. Ihr kennt ihn aus Game of Thrones, wo er in der ersten Staffel Khal Drogo, Ehemann von Daenaerys Targaryen verkörperte. Er verkörpert den animalischen Connor mit einem diebischen Vergnügen, das direkt auf den Zuschauer übertragen wird. Die kleine Wölfin Merritt Patterson hat bereits im letzten Percy Jackson ein bisschen Erfahrung gesammelt und ist endlich einmal ein nicht puppenhaftes Gesicht in der Welt der weiblichen Heldinnen.

Fazit

Der Film ist mit Sicherheit ein under dog (pun intended!), punktet aber extrem stark und ist wohl eine der besten und amüsantesten Unterhaltungen, die frisch auf den Heimkinomarkt kommen.

Bettina Riedel (academicworld.net)

WOLVES

Regie: David Hayter
Darsteller: Jason Momoa, Lucas Till, Merritt Patterson, Willem Dafoe

Seit dem 20. Februar als DVD, BluRay und VoD im Vertrieb der Square 1/ Universum Film im Handel erhältlich.

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