Wer regiert die Welt?

Archäologe und Historiker Ian Morris hält sich nicht mit kleinen Fragen auf. In seinem Buch handelt er 50.000 Jahre menschlicher Zivilisationen ab, immer auf der Suche nach den zugrundeliegenden Strukturen und größeren Zusammenhängen.

Wer regiert die Welt?

Vom Großen Ganzen

Ian Morris ist mit seinem Werk „Wer regiert die Welt“ Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden? ein enormer Spagat gelungen. Er hat es geschafft ein spannendes, angenehm lesbares, informatives und zugleich innovatives Buch über die gesamte Menschheitsgeschichte zu verfassen. Nicht schlecht, angesichts der Dimensionen.

Herrschaftsstrukturen, Wandlungsprozessen und Grundmustern spürt er mit Hilfe von Biologie, Soziologie und Geographie nach. Ausgehend von seiner Theorie, dass die Menschen sich grundsätzlich recht ähnlich sind und ihr Handeln meist darauf beruht, dass ängstlich, habgierige und faule Menschen alles dafür tun, dass ihr Alltag sich sicherer, ertragreicher und bequemer gestaltet. Und das zu allen Zeiten.

Um die verschiedenen Zeiten sowie Ost und West vergleichbarer zu machen, arbeitet Morris mit dem Entwicklungsgrad der jeweiligen Gesellschaft. Also: In welchem Maße sind die Menschen in der Lage, ihre Umwelt physikalisch, wirtschaftlich, sozial und intellektuell nach ihren Bedürfnissen zu gestalten? Um hier vergleichbare Werte zu haben, hat der Autor einen Index gesellschaftlicher Entwicklung erstellt. Die dort auftauchenden Werte versucht er dann in den Kontext der Weltgeschichtliche zu setzen und hinsichtlich der Machtverteilung zu interpretieren. Dabei dröselt er nicht nur die Vergangenheit auf, sondern wagt auch einen Blick in die Zukunft.

Ideen, die um die Welt reisen

Die Aufteilung in Ost und West, die für ihn ohnehin eher geografisch, denn politisch funktioniert, ist so letztlich auch eher ein Aufhänger, um die Entwicklungen anschaulicher zu machen und leichter Vergleiche zu ziehen. Gerade die Schilderungen über die Entwicklungen im Osten beinhalten auch für den historisch interessierten „Westler“ noch einiges Neue. Morris schildert in unglaublich anschaulicher Art den Weg aus einstmals schmal umgrenzten Wiegen der Zivilisation hin zu weltumspannenden Verflechtungen. Sich durchziehende Konstante ist bei ihm der Vorteil der Rückständigkeit. Echte Entwicklungssprünge, so zeigt er, gab es meist nur dann, wenn sich eine Idee an neue Gegenheiten anpassen musste und so bekam und bekommt jede Zeit das Denken, das sie braucht.

Aufschlussreicher, ansprechender präsentiert und spannender geschildert habe ich Geschichte lange nicht gesehen. Eine Buch zum Einlesen und Weiterlesen, zum Nachdenken und Neugierig werden.

656 Seiten. Campus Verlag (2011)
24,90 Euro

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