Wenn zwei sich streiten, stirbt der Dritte.

Der sympathische Nordstaatler Nate Starbuck ist immer noch unterwegs und das im Auftrag der Südstaaten. Der Rebell in ihm ist längst über die Trotzreaktion gegenüber seinem Vater hinweg – er kämpft um sein Überleben.

Nathaniel Starbuck ist mittlerweile Captain in der Rebellenarmee des Südens. Nicht jeder dort begegnet ihm mit Kameradschaft, denn Faulconer hasst ihn nach wie vor. Doch dem wird seine Inkompetenz endlich zum Verhängnis und er wird nach Washington abgeschoben. Freie Hand? Hat Starbuck immer noch nicht. Zu viele Faulconer-Treue bevölkern die Ränge der Legion, zu viele Feiglinge verstecken sich zwischen ihnen und der Feind scheint übermächtig.

Der Krieg zieht an jedermanns Nerven, psychisch wie körperlich. Freunde sterben auf grausame Art, Feinde werden niedergemetzelt, Frauen sind tagtäglich Kollateralschaden. Doch keine Armee lässt locker, zu verbissen die Egos in Washington. Mit Truslow an seiner Seite sieht Nate nur eine Möglichkeit: Kämpfen!

Die Kritik

Die Faszination mit Starbuck beruht auf zwei Ansätzen: Zum einen gehört er zu den Rebellen. Die sind in der Sezession nun eigentlich eher die „Bösen“, zwecks Sklaverei und Menschenrechtsverachtung. Trotzdem kommt man nicht umhin, ihn zu mögen. Das liegt natürlich daran, dass Cornwell den Süden nicht pauschal verteufelt. Er erlaubt den Blick auf eine historisch nicht unrealistisch erscheinende Einstellung: Viele der Südstaatenrebellen sehen das mit der Sklaverei ganz ähnlich wie der Norden, aber wenn „Der Norden“ angreift, verteidigt „Der Süden“ sich, ganz gleich, worum es im Kern der Auseinandersetzung ging.

Zum Anderen hat man Starbuck nun schon in einem dritten Band begleitet. Von dem Teenagerhaften Widerstand gegen seinen resoluten Vater, zu den ersten Gehversuchen im Kampf bis hin zu seiner Entwicklung als einer der Rebellenanführer. Als Nordstaatler gehört er nicht zu den Rebellen und muss täglich um ihre Anerkennung kämpfen. Er wurde als Gefolgsmann erzogen und muss nun in eine Führungsrolle hineinwachsen. Im Prinzip kann man schon eine Parallele zu den Berufseinsteigern moderner Zeit ziehen: Erst sich mit dem Berufsalltag arrangieren und dann sich weiterentwickeln, auch wenn man permanent eine Unsicherheitsstimme im Hinterkopf hat. Nate hinterfragt sich genauso wie wir: Warum verhält er sich so, wie er es nun mal tut? Wie kann er mit den Widerständen in seiner EInheit (Team) umgehen, sodass es zu möglichst wenig Blutvergießen (Verlusten) kommt? Man könnte das ewig weiterspinnen.

Das einzige kleine Manko sind die umfassenden Schlachtenbeschreibungen. Mit Tolstoi kann Cornwell (zum Glück!!!) nicht mithalten, aber auch so merkt man sich die Gefechtsaufstellungen kaum. Das ist ein bisschen schade, spielt aber eher am Rande eine Rolle. Insgesamt keine Steigerung zu Band 2, sondern eine Verschiebung des Fokus vom Bürgerkrieg zu Starbuck als Person. Super gut gelungen!

Jetzt noch das große Warten: Wann kommt Band 4? Immerhin wurden die Starbuck Bücher schon Ende der Neunziger von Cornwell geschrieben und veröffentlicht …

Bettina Riedel (academicworld.net)

Bernard Cornwell. Starbuck, der Gegner.
Rowohlt Verlag. 14,99 Euro.

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