Weltpolitik mit Witz

Dass bei ihm weltpolitische Zusammenhänge und skurriles Figureninventar hervorragend Hand in Hand gehen, hat Jonas Jonasson schon mit seinem Debütroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ bewiesen. Nun legt er nach und hat in „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ bewiesen, dass er keine Eintagsfliege im Literaturbetrieb ist.

Weltpolitik mit Witz

Vom Regen in die Traufe

Nombeko hat das unvergleichliche Talent, aus jeder Situation stets das Beste zu machen, nur um anschließend vom Schicksal gleich in die nächste Misere geschickt zu werden. Mit der richtigen Mischung aus Klugheit, Instinkt und der richtigen Fügung kann am Ende doch noch alles gut werden, oder? Zu anfangs sieht es jedenfalls nicht danach aus. Vater abwesend, Mutter mit Suchtkarriere, schulische Bildung nicht vorhanden – der Lebensweg der jungen Südafrikanerin Nombeko scheint vorgezeichnet – und kurz. Sie kann zwar nicht lesen, als sie mit 14 Chefin der Latrinen-Leerer in Soweto wird, dafür aber ausgezeichnet rechnen. Das mit dem Lesen schafft sie dann aber auch bald – und wird den Vorgesetzten zu schlau. Weil sie von einem weißen, betrunkenen Ingenieur angefahren wird – und im Südafrika der 70er die volle Schuld dafür bekommt – muss sie fortan für diesen als Putzfrau arbeiten. Dummerweise ist der nicht nur extrem unfähig, sondern auch für das südafrikanische Atomwaffen-Programm zuständig.

Als ihr endlich die Freiheit winkt, hat sie im fernen – und eigentlich Atomwaffen-freien Schweden – nicht nur drei Chinesische Schwestern und zwei Mossad-Agenten am Hals, sondern auch eine Atombombe, die es eigentlich nicht gibt. Als dann auch noch eineiige Zwillinge, die sich eine Existenz teilen und doch kaum unterschiedlicher sein könnten in ihr Leben treten, könnte es besser und schlimmer kaum werden … bis zu dem Tag, als sie zusammen mit dem Mann, den sie liebt, dem schwedischen König und seinem Ministerpräsidenten sowie der Atombombe in einem Kartoffellaster entführt wird.

Jonasson vermag es, ganz wunderbare Gute-Laune-Bücher zu schreiben, die trotz aller Absurdität immer liebevoll mit ihren Charakteren umgehen und der Weltpolitik ganz neue Seiten abgewinnen. Schmunzeln, lachen und staunen wechseln sich auch beim zweiten Anlauf in reger Folge ab. Ein Buch, das man einfach gerne lesen muss – genau wie die meisten seiner Charaktere. Auch die, die nicht immer so klug handeln wie Nombeko.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Jonas Jonasson. Die Analphabetin, die rechnen konnte
19,99 Euro. carl’s books

Share.