Was mach ich da nur?

Gleich zweifach ratlos ist der junge Arzt Vladimir Bomgard hinsichtlich seines eigenen Handelns. Zum einen ist er bei seinem ersten Einsatz in der russischen Einöde häufig reichlich überfordert, zum anderen hat sein gealtertes Ich (Jon Hamm) wenig Verständnis für das jugendliche (Daniel Radcliff) übrig. Da die beiden sich hier auch schon mal persönlich gegenüber stehen, sorgt das für ordentlich kuriose Dialoge. Zu sehen in der Miniserie „A Young Doctor’s Notebook“.

Was mach ich da nur?
Tatsächliche Ähnlichkeiten sind allenfalls Bonus: Die beiden Personifikationen des Herrn Doktor. © Polyband(WVG

Ärztliche Notlagen

1934 in Moskau scheint es dem russischen Arzt Vladimir Bomgard (Jon Hamm) an den Kragen zu gehen. Sein Büro wird durchwühlt, ein unangenehmer Zeitgenossen stellt ihm Fragen, er scheint ziemlich derangiert zu sein. Genaueres erfährt der Zuschauer aber erst mal nicht. Da taucht ein altes Tagebuch auf, aus seiner Zeit als junger, motivierter Absolvent der Moskauer Universität (hier noch: Daniel Radcliffe). Damals führte ihn sein erster Job in ein winziges russisches Nest. Wie sein gealtertes Ich es so schön erklärt: „Das hier ist nicht das Ende der Welt. Du bist mit dem Zug bis ans Ende der Welt gefahren. Von dort aus warst du bis hier noch einen ganzen Tag unterwegs.“

Für sein eigenes, ärztliches Selbstvertrauen hilft es natürlich auch wenig, dass ihn das im dortigen „Krankenhaus“, das er leiten soll, niemand für voll nimmt. Da hilft auch der Versuch, sich einen Bart wachsen zu lassen wenig.  Gegen seinen ehrwürdigen Vorgänger, den kürzlich verstorbenen Leopold Leopoldovich kommt er nicht an. Und gegen die Sturheit seiner Patienten auch nicht. Wie hilfreich, dass ihm dann auch noch sein älteres Ich mit resignativer Grundhaltung und sarkastischen Kommentaren statt mit Rat und Tat zur Seite steht. 

Was mach ich da nur?

Unterhaltsamer Serien-Quickie

Ganze 4 Folge, jeweils knapp über 20 Minuten – und doch gelingt es den Schöpfern, mehr Drama als viele Serien in 50 Minuten aufbauen und zugleich mehr Lacher als viele Comedy-Formate unterzubringen. Der Culture Clash zwischen dem studierten Herrn Doktor aus der großen Stadt und dem einfachen Landvolk im hintersten Russland ist bisweilen vielleicht weniger innovativ, das macht die Serie durch die Skurrilen Dialoge der zwei Ausgaben des Hauptdarstellers aber locker wett.

Und auch an haarsträubenden medizinischen Notfällen und blutigen Operationen, mangelt es den Geschichten, die auf dem Roman des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow beruhen, nicht. Der große Satiriker der russischen Literatur sammelte in seinem kuriosen Werk autobiographische Kurzgeschichten – die sich, ganz offensichtlich  für eine Verfilmung ganz wunderbar eignen. Die zweite Staffel ist übrigens schon in Arbeit.

Gisela Stummer (academicworld.net)

A Young Doctor’s Notebook

Regie: Alex Hardcastle
Darsteller: Jon Hamm, Daniel Radcliffe, Rosie Cavaliero, Adam Godley

Im Vertrieb von Polyband/WVG auf DVD und Blu-ray

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