Warum zum Teufel!

„Warum zum Teufel! Bin ich nur eine Frau geworden? Ich bin verdammt, allein durch mein Geschlecht, niemals eine Freundschaft zu finden, weil kein Mann imstande ist, die Seele vom Körper zu trennen, weil nicht einer versteht, dass ich geliebt werden will um meines Geistes, meiner Begabung, oder um noch einmal das Wort zu gebrauchen, meiner Seele willen; weil jeder erwartet, dass ich gute Gespräche, die Neigung eines geistreichen Mannes durch Beischlaf erkaufe. Es ist zum Kotzen!“ (Brigitte Reimann)

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Dieses Zitat, dass ich in dem hervorragenden Buch von Else Buschheuer: „Verrückt bleiben!“ gefunden habe (kann ich jedem, auch jedem Mann, der diesen Blog hier gerne liest ausnahmsweise und uneingeschränkt aus vollen Herzen empfehlen), spricht wahrscheinlich vielen Frauen aus dem Herzen.

Ich habe mein Leben lang Männer sehr geschätzt, auch wenn ich im Laufe der Zeit feststellen musste, dass sie nicht die besseren Menschen sind, sondern eben auch nur welche.

Doch jedes Mal wenn ich den Schutzraum einer Liebesbeziehung verlassen habe, benahmen sich selbst langjährige und enge männliche Freunde mehr oder weniger deutlich so, als wäre ich nun plötzlich zur potentiellen Kandidatin für ihr Bett geworden. Sicher kann man das auch als Kompliment sehen und sicher ist mir natürlich völlig bewusst, dass ich durch mein Äußeres (was ich selbst ja viel weniger zu sehen bekomme, als mein Gegenüber) bestimmte Sehnsüchte oder Ehrgeiz wecke. Und natürlich wird ja meine Intelligenz nicht automatisch nicht mehr wahrgenommen (ich würde sogar glauben, dass sie ehrlich und wahrhaftig viele Männer erst recht anspornt). Aber warum werden eigentlich sämtliche gefühlte DinA 0 Plakate mit greller Leuchtschrift: „Ich will nicht!!!!“ komplett ignoriert?! 

Es ist ja nicht so, dass ich einen Freund nicht mehr als Mann wahrnehme (Gedankengänge wie: Mann, dem x stehen diese Hosen aber echt gut, netter Hintern, oder y sieht richtig gut aus mit seiner Urlaubsbräune im Gesicht und auf seinen schönen Händen … sind mir durchaus bekannt). Deshalb würde es mir aber nicht im Traum einfallen (und das ist hier wörtlich gemeint, ich kenne nämlich mein Unterbewusstsein nach jahrelanger Therapie sehr gut) mit diesen Herren ins Bett zu gehen.

Ich bin ja auch kein Lämmlein, das einer mit nem Strick am Zaun angebunden hat und das leise vor sich hin mäht („mäh, mäh“) und darauf wartet, dass es einer mitnimmt. 

Mann kann davon ausgehen, dass ich weiß was ich will, vor allem wenn er mich jahrelang kennt. Und dass ich es deutlich machen würde, wenn ich was wollte …

Darüber hinaus kenne ich ja auch jahrelang als beratende Psychofreundin das Liebesleben der Herren, meistens ist es mir nach einigen Stunden Gespräch schon klar, wie ein Mann in dieser Hinsicht ticket: Das können wunderbare, hochspannende Freunde werden, die mich hoffentlich viele Jahre auf meinem Lebensweg begleiten, aber eben keine Liebespartner. Punkt.

Eine Freundin, eine Biologin, erklärte mir gestern dazu: Das ist halt der Trieb … Aber ich glaube a.) Frauen haben auch einen Trieb, der bislang immer noch heruntergespielt wird und sie legen mehr Feingefühl und Respekt mit vergleichbaren „Willnicht“-Signalen umgekehrt an den Tag. Und b.) weiß ich durch all meine Studien und Erfahrungen: Wir Menschen sind weit mehr Kultur, als Biologie. (Bis Anfang letzten Jahrhunderts glaubten Wissenschaftler ernsthaft, Lernen würde die Eierstöcke bei Frauen schrumpfen lassen!)

Also Jungs: Ein, vielleicht auch zwei Versuche kann ich noch als Kompliment werten, aber bitte registriert auch die Antwort … Bitte! Ich fürchte nämlich um unsere Freundschaften, wenn ich noch deutlicher werden muss. Warum reicht es Euch nicht „nur“ mit mir befreundet zu sein?! Ich finde das demütigend. Ihr seid mir doch so unglaublich wichtig!

Ach es ist zum Kotzen!

 

Von Academicworld-Expertin Katharina Ohana

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