Warum sind 37 Grad Wassertemperatur angenehm, lassen einen aber als Lufttemperatur leiden?

Frage: Warum sind 37 Grad Wassertemperatur angenehm, lassen einen aber als Lufttemperatur leiden?

Antwort: „Der Mensch ist ein homoiothermes Lebewesen. Er besitzt damit die Fähigkeit, seine Körperkerntemperatur auf konstant 37 Grad Kerntemperatur zu halten. Innerhalb des Körpers ist die Temperatur nicht gleichmäßig verteilt, sondern sie fällt vom Körperinneren zur Körperschale hin ab.

Die Isothermie des Körperkerns benötigt ein Gleichgewicht zwischen der im Körper produzierten und der an die Umgebung abgegebenen Wärme. Der Mensch produziert Wärme durch Stoffwechselvorgänge im Körper. Größere Steigerungen des Umsatzes werden ausschließlich durch Muskelarbeit verursacht. Die an die Körperoberfläche gelangte Wärme wird in der Luft durch Strahlung und Hautwasserverdunstung an die Umgebung abgegeben.

Ist die Lufttemperatur höher als die Hauttemperatur, fällt der Anteil der Wärmeabgabe durch Strahlung aus. Die Wärmeabgabe durch Verdunstung an die Luft ist jedoch in jedem Fall die effektivste Form der Wärmeabgabe und kann sowohl von den Schleimhäuten der Atemwege als auch in viel größerem Ausmaß von der Haut aus erfolgen. Bei der Verdunstung des Schweißes von der Hautoberfläche wird der Haut Verdunstungswärme entzogen und diese damit abgekühlt. Dadurch wird auch das in der Haut fließende Blut gekühlt, so dass es mit niedrigerer Temperatur in den Körperkern zurückströmt.

Wird die Schweißverdunstung behindert, wird der Körper bei hohen Außentemperaturen nicht mehr hinreichend abgekühlt. Die Verringerung des Temperaturgefälles zwischen Kern und Hautoberfläche erfordert dann eine verstärkte Hautdurchblutung, die mit einer deutlichen Zunahme der Herzfrequenz und Belastung des Kreislaufes verbunden ist. Gegenüber dem Aufenthalt an der Luft bestehen im Bad für den Wärmeaustausch der Haut mit der Umgebung völlig andere Voraussetzungen.

Im Wasserbad wird Wärme fast ausschließlich durch Leitung und Konvektion ausgetauscht. Infolge der hohen freien Konvektion und großen spezifischen Wärme des Wassers kann der Wärmeübergang in einem Wasserbad etwa das 200-fache desjenigen in der Luft erreichen. Somit liegt auch der Thermoindifferenzbereich im Wasserbad mit 34 bis 36 Grad Celsius deutlich höher als in der Luft, wo er zwischen 18 und 22 Grad liegt.“

Heutiger Experte: Prof. Dr. Dr. med. habil. Dipl.-Met. Angela Schuh lehrt am Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften der LMU München und beantwortete die eingesandte Frage von Ute Grill aus Bamberg

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Stand November 2011
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