Wanderer zwischen den Welten

Eigentlich sind die beiden Romane um den jungen Moskauer Kirill mehr ein langes, aber geteiltes, als zwei unabhängige Bücher. Daher gibt’s auch eine Doppelrezension für Sergej Lukianenkos „Weltengänger“ und „Weltenträumer“.

Wanderer zwischen den Welten

Ausgelöscht

Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere. Aber als der junge Kirill von der Arbeit als Computer-Verkäufer zurück in seine Wohnung kommt, findet er dort eine fremde Frau vor, die behauptet hier schon seit Jahren zu wohnen. Außerdem sieht die Wohnung ganz anders aus und sein kleiner treuer Hund knurrt ihn an wie einen Fremden. Bald scheinen ihn auch seine Freunde, ja sogar seine Eltern vergessen zu haben. Als letzter Beweis seiner Existenz zerbröselt ihm der Ausweis zwischen den Fingern. Doch als er sich ganz am Boden wähnt, wird er zu einem geheimnisvollen Wasserturm gelotst, der Türen in fremde Welten beherbergt. Dort soll er künftig als „Zöllner“ mit übermenschlichen Fähigkeiten – etwa enzyklopädisches Wissen und enorme Kampffähigkeiten – fungieren. „Funktionale“ wie er nun eines ist, so erfährt er, sind Menschen, die aus ihrer Existenz herausgefallen sind, um anschließend ein langes Leben der Pflichterfüllung auf einem festgelegten Posten zu verbringen.

Ferngesteuert

Was ihn schnell stört: Seine Zollstation darf er nur wenige Kilometer hinter sich lassen. In jeglicher Welt. Auch wird er bald in die Konflikte einer Widerstandsgruppe hineingezogen und plötzlich trachten ihm die anderen Funktionale nach dem Leben. Als sich dann auch noch sein ehedem bester Freund Kostja als wenig vertrauenswürdig herausstellt, wird aus den Besuchen in fremden Welten schnell eine rasante und gefährliche Flucht von einer Welt in die Nächste. Sein Ziel: Die Heimat der Funktionale. Hier will er nicht nur seine Erde, sondern am liebsten alle Welten von den Fäden der verborgenen Spieler befreien. 

Wanderer zwischen den Welten

Selbstbestimmt

Immer wieder – vor allen an den Kapitelanfängen – ergänzt Lukianenko seine Geschichte um politscher, popkulturelle oder philosophische Exkurse. Das gestaltet sich äußerst kurzweilig, bringt aber die Handlung um den nach Selbstbestimmung, Identität und Freiheit strebenden Kirill, vor allem im zweiten Buch, kaum voran. Detailreiche Welten zu Hauf, eine phantasievolle Ausgangshandlung, aber leider versanden sowohl Spannung und Action, als auch die Logik irgendwo im Laufe des zweiten Buches. Daher: Teil 1 empfehlenswerte Science-Fiction aus Russland, Teil 2 leicht und schnell lesbare Kost, aber kein echtes Highlight. Schade, da wäre mehr rauszuholen gewesen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Sergej Lukianenko. Weltengänger
9,99 Euro. Heyne
Sergej Lukianenko. Weltenträumer
14,00 Euro. Heyne

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