Vorsicht beim Wünschen!

Mit Wünschen ist das so eine Sache. Meistens bringt ihre Erfüllung nicht das, was man sich davon versprochen hat. Das müssen auch die Märchenfiguren im Disney-Musicalfilm „Into the Woods“ feststellen. Den Wunsch nach einem unterhaltsamen Kinoabend können sich die Zuschauer ab 19. Februar damit aber auf jeden Fall erfüllen.

Vorsicht beim Wünschen!
Der Wald – Sehnsucht und Gefahr, Liebe, Tod und Abenteuer – hier laufen alle Wege zusammen. © 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Von der Bühne auf die Leinwand

Wenn althergebrachte Märchen neu verfilmt werden, gehen die Mundwinkel oftmals nach unten. Das kann ja nichts Gutes werden, oder? Und erst Recht von Disney, die ja demnächst ihr Glück mit einem neuen Star Wars Film und damit einem recht modernen Märchenkosmos versuchen. Vielleicht kann man INTO THE WOODS als eine Art Generalprobe dafür betrachten – nein lieber nicht. Denn Generalproben sollen schief gehen, damit die Aufführung gut ist. Und da INTO THE WOODS überraschend gut gelungen ist …

Der wichtigste Punkt ist wohl, dass es sich nicht um ein einzelnes Märchen handelt, das neu verfilmt wird. Das erfolgreiche Broadway-Musical gleichen Namens, das hier den Weg auf die Leinwand findet, ist vielmehr ein Mashup der beliebtesten Märchenfiguren. Angereichert mit einer Portion Zeitgeist, selbstbestimmten jungen Damen und unvorhersehbaren Wendungen, die sich aus der Interaktion der unterschiedlichen Märchen ergeben. 

Vorsicht beim Wünschen!
Prinz oder nicht, das ist hier die Frage. © 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Von singenden Prinzen, mutigen Bäckersleuten und tobenden Riesen

So glaubt Aschenputtel zwar, ganz dringend zum Ball des Prinzen zu wollen, als der sie aber gleich heiraten will, ist ihr das erst einmal zu viel. Schlösser und Reichtum sind ja ganz nett, aber ein Prinz Charming (niemand anderes als Chris Pine) kann seinen Weg auch nicht in jedes Herz ‚charmen‘. Und ist Charming genug? Oder ist ihr Leben als Aschenputtel gar nicht so schlecht? Gespielt wird die junge Dame von Anna Kendrick. Dass sie singen kann, wissen wir spätestens seit Pitch Perfect. Mit ihrer Leistung in INTO THE WOODS zeigt sie, was sie kann: voll, live, laut, in Farbe und mit Charakter.

Der andere Prinz (warum sollte es bitte schön auch immer nur einen geben, Billy Magnussen), verliebt sich plangemäß in sein Rapunzelchen. Nicht, ohne sich zuvor herrlich über den komischen Namen lustig zu machen. Mit zwei Prinzen kommt es dann natürlich zu einer Art Liebesduell – welcher Bruder ist verliebter? Ausgetragen wird das Duell per Gesang und wie es die Komik will in einer ‚romantischen Szenerie‘. Das  ist nicht zu viel des Guten, sondern einfach der Gipfel für jedes Zerchfell. Ja, Taschentücher sollten hierfür parat gehalten werden.

Außerdem hat noch der kleine Jack mit magischen Bohnenranken und fiesen Riesen zu kämpfen, Rotkäppchen (Lilla Crawford) wird vom bösen Wolf (Johnny Depp als Johnny Depp der einen Wolf spielt) versucht und eine mächtige Hexe (Meryl Strepp – wenig überraschend einmal mehr überragend) kämpft mit dem Verlust ihres jugendlichen Aussehens. Denn: Weil wir hier das postmoderne Märchengeschehen bekommen, das unserer Zeit entspricht, sind die eigentlichen Helden nicht die Prinzen und Prinzessinnen, sondern vor allem der Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt), die sich sehnlichst ein Kind wünschen. Um den Fluch der Unfruchtbarkeit zu brechen, den die niederträchtige Hexe auf sie gelegt hat, weil des Bäckers Vater ihr einst magische Bohnen aus dem Garten klaute und sie damit zur Hässlichkeit verdammte, muss das Paar vier Dinge innerhalb von drei Tagen beschaffen: Eine Kuh weiß wie Milch, Haare gelb wie Mais, einen blutroten Umhang und einen güldenen Schuh. Also auf in den Wald!

Vorsicht beim Wünschen!

Kunterbunte Märchenwelt

Gemessen am Maßstab von 1987 – als das Musical von Stephen Sondheim Premiere feierte – liefert INTO THE WOODS sicher einen erfrischenden Blick auf die kunterbunte Märchenwelt, der sämtliche Konventionen ironisch unterläuft. Weil die Märchenwelt aber in den Jahren seither mit frechen, respektlosen oder düsteren Variationen und Kombinationen wie der Fernsehserie „Once upon a Time“ oder Filmen wie „Spieglein, Spieglein“, „Hänsel & Gretel Hexenjäger“, „Auf immer und ewig“ und und und reichlich aufgemischt wurde, verpufft dieser Effekt leider ein wenig. Nichtsdestotrotz liefert INTO THE WOODS gut gelaunte Unterhaltung, einen Soundtrack, der sich hören lassen kann und ein beachtliches Ensemble, das über weite Strecken viel Spielfreude beweist. Wer sich vom Wort „Musical“ nicht abschrecken lässt, wird einen vergnüglichen Ausflug in den Wald erleben.

Bettina Riedel (academicworld.net)

INTO THE WOODS

Regie: Rob Marshall
Darsteller: Meryl Streep, Emily Blunt, James Corden, Anna Kendrick, Chris Pine, Tracey Ullman, Christine Baranski und Johnny Depp

Ab dem 25. Juni im Vertrieb von Walt Disney Studios als DVD, BluRay und digital im Handel erhältlich

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