Von der Vergangenheit eingeholt

Rachel, Stefan und David haben alles so gut geplant und trotzdem geht der Undercover-Einsatz der drei Mossad Agenten im Berlin von 1965 gründlich schief. Dreißig Jahre später holt die Geschichte die drei wieder ein. Der spannende Agenten-Thriller mit Helen Mirren ist ab 26. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Die Helden kehren heim © Universal Pictures Germany

Von Helden und anderen zwielichtigen Gestalten

Die Helden kehren aus dem Einsatz im feindlichen Ausland zurück. Sie haben Ihren Einsatz zwar nicht wie vorgesehen, aber doch erfolgreich beendet. Das sagen Sie einstimmig und warum sollten sie lügen? Die junge Rachel Singer (Jessica Chastain, in späteren Jahren: Helen Mirren) trägt ein Pflaster im Gesicht, das die Schramme bedeckt, die der Kampf gefordert hat. Doch was kann die tiefen Schrammen im inneren der drei Agenten verdecken?

1965, der Staat Israel ist jung und problembeladen, die grausigen Jahre des Holocaust sind noch frisch in den Köpfen der jungen Israelis. Rachel, deren Mutter die Kriegsjahre nicht überlebt hat, trifft in Ost-Berlin ein. Es ist ihr erster Einsatz als Mossad-Agentin im aktiven Dienst. Gleich hinter dem Grenzbalken wird sie von ihrem „Mann“ David (Sam Worthington, in späteren Jahren: Ciarán Hinds) in Empfang genommen. Eine nette Szene wie er ihr angeblich jetzt kürzeres Haar kommentiert und die beiden sich eine Ecke weiter erst einmal nach ihren Namen fragen.

Noch herrscht Frieden unter den dreien.

Zusammen mit Stefan (Marton Csokas, in späteren Jahren: Tom Wilkinson) soll das vorgebliche Paar den berüchtigten Naziarzt Vogel (Jesper Christensen) entführen und nach Israel schaffen, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. Um an ihn heranzukommen ist vor allem Rachels Einsatz gefragt. Obwohl sie in Nahkampf und Schießen gut bewandert ist, fühlt sie sich sichtlich überfordert von ihrer Rolle im Plan.

Zwischen Spannung und Anspannung

In der angespannten Lage der Agenten nehmen auch die persönlichen Reibungsflächen zu. Wie so oft steht dann plötzlich die Frau zwischen zwei Männern und muss eine Entscheidung treffen … Privat wie persönlich sollte für Rachel der Fehler jeweils einer einzigen Nacht ihr Leben für immer bestimmen – und das nicht unbedingt zum positiven.

1997 setzt die zweite Handlungsebene ein. Rachels Tochter Sarah hat ein Buch geschrieben über die damalige Mission und deren Protagonisten, die seither in Israel als Helden gelten. Durch die erneute Aufmerksamkeit wird mehr Staub aufgewirbelt als es den dreien recht sein kann. Besonders Stefan, der es karrieretechnisch seither weit gebracht hat, fürchtet um Macht und Einfluss, sollte nach all den Jahren die Wahrheit ans Licht kommen. Kein Wunder dass er dies verhindern will.

Die Mission selbst kommt zunächst als klassischer Agententhriller mit Geheimidentitäten, versteckten Kameras und unauffälligen Beweismittelübergaben daher, wandelt sich aber im Verlauf zu einer Verhandlung über historische Wahrheiten, Moral und Schuldgefühle, falsche Entscheidungen und darüber, mit wie vielen Lügen im Leben man weiterleben kann. Obwohl man die Wahrheit als Zuschauer längst ahnt weiß der Film zu fesseln. Auch das Ambiente im 60er Jahre Berlin ist stimmig und die Schauspieler überzeugen durchweg. Vor allem Action-Kämpfer Sam Worthington überzeugt in dem Film, in dem vor allem Blicke und Dialoge eine wichtige Rolle spielten. Kampf ja, aber vor allem der Kampf mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit prägt „Eine offene Rechnung“. Ein sehenswerter Film.

Gisela Stummer (academicworld.net)


The Dept – Eine offene Rechnung

Regie: John Madden
Darsteller: Helen Mirren, Tom Wilkinson, Ciarán Hinds, Jesper Christensen, Sam Worthington, Jessica Chastain, Marton Csokas

Im Verleih von Universal Pictures Germany



Stand: Winter 2012

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