Von der Mücke zum Elefant

Eine einzelne Frau begeht vor den Augen Jack Reachers Selbstmord in einem New Yorker Zug. Niemand weiß warum, die Ermittlungen laufen schnell ins Leere. Doch irgendwie scheint ihre Tat mit einem lokalen Politiker und seiner geheimen Militärlaufbahn zusammenzuhängen. Jack Reacher beginnt wieder einmal, seine eigenen Nachforschungen anzustellen.

Jack Reacher – einst Mitglied der US-Spezialkräfte, nun einsamer Typ auf der Reise durch sein Land. Das ist nichts Neues. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass er außer den Klamotten am Leib und die zusammenklappbare Zahnbürste in der Hosentasche nichts besitzt. Gerade hält er sich in New York City auf. Genauer gesagt: Im Train 6 Richtung Innenstadt.

Zugfahrt mit Folgen

In seinem Abteil: Susan Marks. Mit ihrem Verhalten erfüllt sie die alle Faktoren einer Selbstmordattentäterin. Doch während er sich mit der Frau unterhält, um sich Gewissheit zu verschaffen, erschießt sie sich plötzlich. In die sich anschließende Polizeiuntersuchung wird Reacher stärker verwickelt, als er eigentlich wollte. Das Hauptproblem: Es gibt mehr als nur eine Partei, die hier Nachforschungen anstellt und keine davon lässt sich genau identifizieren, noch in die Karten schauen. Abgesehen davon, dass sie nicht gerade freundlich mit den Beteiligten umgehen – Drohungen, Folter… alles inklusive. Getrieben von gesunder Neugier und seinen Instinkten mischt sich Jack Reacher also vollends in den Vorfall ein und steht plötzlich geheimen militärischen Geschehnissen vor 30 Jahren gegenüber. Eine Zeit, in der heutige Feinde noch Freunde waren und sich die Grenzen dazwischen nicht immer eindeutig haben ziehen lassen. Mit katastrophalen Folgen für die Gegenwart. Doch kann Reacher etwas ausrichten?

Der Typus Reacher

Jack Reacher an sich ist eine einfache Person. Will nicht viel, hat nichts, ist bescheiden und gondelt durch sein Land. Irgendwie wird er aber immer in Vorfälle mit kriminellem Hintergrund verwickelt. Die Art und Weise ist jedes Mal eine andere, was ich an Lee Child sehr zu schätzen weiß. Er ruht sich nicht auf einem einmal gefundenen Erfolgskonzept aus.

Dabei ist Reacher nicht der perfekte Held. Obwohl er militärisch überdurchschnittlich gut ausgebildet wurde, ist er technisch gesehen geradezu naiv. Denn prinzipiell weiß er zwar, wie ein Handy ausgeschaltet wird – aber nicht viel mehr. In dieser digitalisierten Welt erscheint er damit als äußerst rückständig. Das macht ihn aber als Person nur umso interessanter. Die Frage ist: Wie weit kann er auf diese Weise noch kommen?

Von Sensationsgier keine Spur

Folterszenen oder Kampfszenen werden auf fast schon banale Art beschrieben. Emotionsfrei, mit hoher Präzision, ruhig und gefasst. Lee Childs Erzählungen zu Jack Reacher beinhalten immer wieder einige sehr grausame Elemente, aber er führt sie nicht sensationslüstern aus. Er beschreibt sie so, wie Jack Reacher selbst eben ist: kontrolliert. In der Welt der Thriller und politischen Krimis ist das etwas Neues und liest sich wirklich nicht schlecht.

Bei Jack Reacher Büchern weiß man einfach nie, wo die Reise tatsächlich hinführen wird. Manchmal scheinbar ins Nichts, doch dann rückt plötzlich ein Detail in den Vordergrund, das bisher vollkommen irrelevant erschien. Es macht Spaß, mit dem Fortschritt der Geschichte zu rätseln und gerade deswegen ist es nicht nur ein Buch, das „man mal eben liest“.

Gesamtfazit: Definitiv eine Empfehlung!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Lee Child. Underground.
Blanvalet. 9,99 Euro.

P.S.: Das Buch „Underground“ ist der Vorgänger zu „61 Stunden“. Was wir bei academicworld davon halten, könnt ihr hier nachlesen.

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