Von der Ausdauer des Rebellentums

Nathaniel Starbuck ist zurück! Der naive Junge von damals ist nicht wiederzuerkennen. Im Süden hat er sich den Titel eines echten Rebellen hart erkämpft. Doch Krieg bleibt Krieg und fordert ein Tribut – auch von Starbuck. Wie weit muss Nate gehen und was oder wen muss er entlang seiner Reise opfern?

Der amerikanische Bürgerkrieg ist auf seinem Höhepunkt angekommen und Nathaniel Starbuck steckt mittendrin. Als Nordstaatler misstrauen ihm nach wie vor viele Südstaatler. Halt findet er in seiner Kompanie, deren Männer in bedingungsloser Treue zu ihm stehen. Doch der vorstehende General Faulconer kann Nate nicht leiden und so kommt es, wie es kommen muss: Starbuck wird des Verrats am Süden beschuldigt. Nach grausamer Folter bleibt ihm kein anderer Ausweg – er muss zum Spion für den Süden werden, seinen Wert für die Konföderierten und seine Überzeugung als Rebell ein für allemal beweisen.

Sympathisch unsympathisch?

Nate ist härter geworden. Er lässt sich nicht mehr so leicht einwickeln, seine Naivität ist Geschichte. Vielmehr findet er immer stärkeren Gefallen am Soldatentum und den grausamen Schlachten – mit all ihren moralischen Abgründen. Dabei ist seine Motivation, für den Süden zu kämpfen, keine politische. Er hat seine rebellische Natur entdeckt, wollte sich gegen seinen predigenden Vater aus dem Norden wehren.

Um die Frage, ob das Sklaventum moralisch zu rechtfertigen ist, macht er sich schlichtweg keine Gedanken. Insofern befindet sich der Leser in einem dauerhaften Zwiespalt, was die Sympathie für Nate betrifft. In dieser Zeit, in der Helden sich immer ideal verhalten und die Menschen nach Perfektion streben tut es geradezu gut, wenn man die Hauptfigur einer Erzählung einmal nicht unreflektiert bewundern soll.

Das dem Starbuck eigene Rebellentum ist es auch, das ihn dazu veranlasst, störrisch wie ein Esel weiter für den Süden zu kämpfen, auch wenn dieser ihn mehrmals am Liebsten sofort wieder in den Norden zurückgeschickt hätte. Bei Nate dominiert diese Leidenschaft sein ganzes Wesen.

Ausdauer gefordert

Es ist ein ruhiges Buch, soll heißen: Cornwell beschreibt die geografischen und kämpferischen Gegebenheiten bisweilen mit einer Ausdauer, die man ehrlicherweise nur langatmig nennen kann. Diese Ausführlichkeit mag nicht jeder, andere bevorzugen sie – hier muss jeder selbst entscheiden. In der Umschlaginnenseite findet der Leser die dazugehörigen Landkarten, sodass man die Entwicklungen und Truppenbewegungen nachvollziehen kann.

Die eigentliche Handlung ist auch nicht im Stakkato gestaltet und zieht sich oft in die Länge, daher sollte der Leser auch hier etwas Geduld haben. Großartig angelegte, unvorhergesehene Ereignisse, die den Lauf der Geschichte ändern, gibt es so gut wie gar nicht. „Starbuck, der Verräter“ ist folglich ein Buch, das nicht vor Spannung strotzt. Das ist nicht unbedingt negativ, doch man sollte sich darüber bewusst sein, wenn man es zur Hand nimmt. Insgesamt dennoch eine sehr harmonische Erzählung, die gut unterhält.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Bernard Cornwell. Starbuck, der Verräter.
Rowohl Polaris. 14,99 Euro.

P.S.: Hier unsere Rezension zum ersten Band der Starbuck-Reihe.

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