Von Angie und Robie oder wie Stars gemacht werden…

Bin gerade von der Berlinale zurück, wo eine Presseakkreditierung es mir nach 5 Jahren Pause mal wieder ermöglichte viele, viele Filme zu schauen und direkt danach in der Pressekonferenz die dazugehörigen Schauspieler und Regisseure zu erleben und zu befragen.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Fazit:

1.) Journalisten, vor Jahren noch coole Leute mit einem coolen Job, Meinungsbildner mit hoher Kreativität, sind heute in weiten Teilen nur noch gehetzte, latent aggressive Menschen, die wahrscheinlich durch anhaltende Stellenstreichung völlig überarbeitet um ihren Job fürchten.

2.) Angelina Jolie ist langweilig, hat genau zwei verschiedene Gesichtsausdrücke und trotzdem rasten selbst gestandene Filmfachleute aus, sobald sie irgendwo auftaucht.

3.) Robert Pattison (Twilight-Teeniestar) sieht mit kurzen Haaren bescheuert aus, lacht an unpassenden Stellen, beantwortet Fragen wie auswendig gelernt und hat eigentlich auch nur zwei Gesichtsausdrücke.

4.) Meryl Streep ist toll.

5.) Diane Kruger wird in zehn Jahren filmwirtschaftlich nicht mehr vorhanden sein.

Erklärung:

Angelina Jolie hat ihre erste eigene Regiearbeit abgeliefert: „In the Land of Blood and Honey“. Thema: Bosnienkrieg, Vergewaltigungslager. Der Film ist ambitioniert, hat aber meiner Meinung nach etwas von einem Anfängerfilm mit zu guter Ausstattung (die weibliche Hauptfigur hat beispielsweise kaum Tiefe, man versteht ihre Motivation nicht).  

Auf der Pressekonferenz ließ die schlaue Angie erst mal ihren gesamten original serbisch-muslimischen Cast, bis in die kleinen Nebenrollen mitgeschleppt, aufs Podium. Eine Dreiviertelstunde erzählen sie, wie sie zu dem Projekt kamen: „I had this casting for the role of XY and then they liked me and than they told me who was behind the projekt and I could not believe it, I thought ‚O My God Angelina Jolie‘, and it was so wonderful to work with her, Angelina is such a great XY.“ Und das 15 Mal! So schlägt man Zeit tot, in der die immer gleichen Fragen gestellt werden können.

Angie darselbst saß winzig klein (sie ist maximal 165 cm!) und wirklich magersuchtsgefährdet (um es mal nett auszudrücken) in der Mitte und schien zu meditieren, wahrscheinlich um den Irrsinn um sie herum nicht zu nahe an sich heran zu lassen. In dem Moment, wo dann endlich Fragen gestellt werden durften, ging es natürlich nur noch um sie und die Journalisten prügelten sich fast schon wieder, diesmal um das Mikrophon. Beste Frage: „Ist es nicht seltsam, Angelina Jolie zu sein?“

Wie schafft man es die dümmsten Fragen (‚Was hat der Film mit ihrem Leben zu tun?‘ bei fast jeder Pressekonferenz zu hören – oder ‚Ist das Projekt wichtig für Sie?‘ – Nö, gar nicht, ich hatte nur kein besseres) noch so zu beantworten, als hätte man diese dämliche Frage noch nie gehört?! Angie: „I am really thankful for this question“
Lustiger Weise hat sie damit alle Journalisten im Griff. Die Frau hat im echten Leben und in ihren Filmen genau zwei Gesichtsausdrücke (lasziv aggressiv und lasziv schmerzerfüllt). Aber sie ist der größte Medienprofi, den man sich vorstellen kann. Und das ist wohl ihr Geheimnis: Das geschickteste Image und die konsequenteste Inszenierung damit.

Jetzt weiß ich auch, warum jeder – wirklich jeder – männliche Journalist seinen Beitrag damit anfängt: „Oh mein Gott, es ist wirklich Angelina Jolie, mit der ich jetzt zusammentreffe, sie sitzt mir wirklich gegenüber, kommt wirklich auf mich zu.“. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn nicht ständig so etwas über sie geschrieben würde, wäre es nicht so aufregend, sie zu treffen.

Aber wir wollen ja so aufregende Leute in unserer banalen Menschenwelt haben! Denn das Leben muss doch irgendwo wirklich ganz toll sein, es kann doch gar nicht sein, dass so sinnlos gelebt und gestorben wird unter uns gottgleichen Kreaturen, die wir dies begreifen? (Frei nach Nietzsche: „Das Volk ist der Umweg der Natur zu fünf, sechs große Menschen?“ Immerhin sind wir Umweg, immerhin Hintergrund!)

Wir wollen unsere Wünsche und Sehnsüchte auf irgendjemanden projizieren können und kreieren ihn uns in dieser Starmaschinerie, die dann zum Selbstläufer wird: Wir wollen Träumen, Journalisten schreiben uns diese Illusion von tollen Leben aus ein paar banalen Fakten zurecht und wir kaufen sie und deshalb wird immer weiter geliefert. Es lebe die Identifikation, vielleicht die stärkste Eigenschaft des Menschen, um über sein Selbstwertgefühl sich selbst am Leben zu halten!

Männer stehen auf eine Frau, die zerbrechlich wirkt (man kann sie retten und hat somit eine tolle Rolle in dem Film) und gleichzeitig unglaublich stark und sexy ist (für die eigene Bedürfnisbefriedigung). Die Frau Jolie ist – wie gesagt – ein Medienprofi und hat sich die Narben an ihren geritzten Armen mit Tattoos überdecken lassen. Sie verwendet auch gerne Sätze wie: „Since I am a mother?“ oder „Brad and I?..“. Bindungsfähigkeit verleiht ja Tiefe – und wer hätte nicht gerne mit der perfekten Sexymutter sechs Kinder. (Nein, sie ist nicht mit dem 7. schwanger: Dazu ist sie viel zu dünn.)

Aber wenn man genau hinschaut, wenn man in der Pressekonferenz sitzt und zum Glück nicht völlig gestresst in sein Laptop tippt oder Leute vor der Kamera verscheuchen muss, weil die gerne noch näher dran wären, als man selbst, dann merkt man, wie banal diese kleine Frau mit dem dicken Lippen da vorne ist: Selbst geschminkt und gestylt ist das einzig bemerkenswerte an ihr ihre Ruhe in dem Irrsinn.

Bei dem Thema Bosnienkrieg – um nochmal auf den Film zurück zu kommen, denn es war ja eigentlich Filmfest, wo es um gute Geschichten und künstlerische Umsetzung geht – sind der lieben Angie natürlich Bewunderung und Lobeshymnen auf ihren „Anspruch“ sicher. Und das ist ja auch der Sinn der ganzen Sache.

Und nächste Woche was für die Mädels zum ent-träumen: Robert Pattison.

Von Academicworld-Expertin Katharina Ohana

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