Vom Elend des Vampirdaseins

Die Sache mit dem ewigen Leben ist nicht immer eine einfache. Gerade, wenn Vampire weder glitzern, noch en Masse den Globus bevölkern und erst recht nicht aus dem Sarg in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit getreten sind. Wie sich Clara und Eleanor als die beiden einzigen weiblichen Vampire der Welt durchschlagen, seht ihr in BYZANTIUM.

Mutter und Tochter, seit 200 Jahren ein dysfunktionales Team. © Universum Film GmbH
Mutter und Tochter, seit 200 Jahren ein dysfunktionales Team. © Universum Film GmbH

Die vermeintlich 16-Jährige Eleanor Webb (Saoirse Ronan) lebt mit ihrer Mutter Clara (Gemma Arterton) wie eine Nomadin. Als weibliche Vampire befinden sie sich permanent auf der Flucht vor der Bruderschaft. Diese erlaubt es nämlich eigentlich nur Männern, sich der Transformation zum Vampir zu unterwerfen. Nun hat sich Clara vor 200 Jahren selbst diese nicht nur ergaunert, sondern ihre Tochter auch noch eingeweiht und transformieren lassen – und das muss aus Sicht der Bruderschaft bestraft werden.

Die Bruderschaft macht Jagd auf die beiden Vampirinnen © Universum Film GmbH
Die Bruderschaft macht Jagd auf die beiden Vampirinnen © Universum Film GmbH

Während Clara als Tänzerin in einem Nachtclub, wahlweise auch als Bordellmutter das Geld zum ewigen Leben erarbeitet, lässt sich Eleanor treiben. An jedem Ort, wo sie sich aufhalten, schreibt Eleanor ihre Geschichte auf – wohl wissend, dass sie diese niemals erzählen darf. In ihr wird der Drang immer stärker, allen die Wahrheit zu sagen. Doch würde sie sich jemanden anvertrauen, wäre diese Person in Lebensgefahr … Dann trifft sie auf Frank. Ihm gibt sie ihre Geschichte, doch ist er wirklich vertrauenswürdig? Noch dazu hat die Bruderschaft die beiden Vampirinnen erneut aufgespürt und der nächste Kampf ums Überleben entbrennt … 

Die Charaktere

Das Mutter-Tochter-Team ist so unterschiedlich, wie es nur geht. Die eine bleibt zeit ihres Lebens die Hure, zu der sie als Kind gemacht wurde, während die Andere das Kind bleibt, das sie zum Zeitpunkt ihrer Transformation noch war. Eleanor tötet nur alte Menschen, die dazu bereit sind. Clara? Sucht sich diejenigen Menschen heraus, die wegen ihres Charakters von niemandem vermisst werden. Außerdem lebt Letztere in der Gegenwart und für die Zukunft, wohingegen die Vergangenheit die Gedanken und Gefühle von Eleanor überdeutlich prägen.

Dazu Frank, der Sonderling. Er passt so gar nicht in die Riege der männlichen Filmhelden. Todkrank und sozial introvertiert wie Frank ist, weiß der Zuschauer nicht so recht, was er von ihm halten soll. Klassisches Heldenmaterial sucht man also vergeblich.

Die Bruderschaft – kommt rüber wie so manch eine schlagende Studentenvereinigung, geprägt von absolutem Patriarchat. Weibliche Vampire? Nicht einmal eine Laune der Natur, sondern ein schändlicher Fleck, der von der Erde getilgt werden muss. 

Der eigensinnige Überlebenswille einer einzelnen Frau ... © Universum Film GmbH
Der eigensinnige Überlebenswille einer einzelnen Frau … © Universum Film GmbH

Der Sinn dahinter

In aller Ehrlichkeit: Nach dem ersten Mal ansehen war ich zutiefst verwirrt und wusste nicht, was ich von dem Film halten sollte. Und eigentlich hatten wir seit geraumer Weile genug Vampire in unseren Kinosälen, ums uns nachhaltig von dem Thema genervt zu fühlen. Zu dieser Genervtheit trägt BYZANTIUM in keiner Weise bei: Es gibt keine Blutorgien, es werden nicht reihenweise Menschen ausgetrunken, es gibt keine Glitzerhaut – nicht mal Fangzähne!

Weder Eleanor noch Clara verteufeln sich selbst und ergießen sich in Selbstmitleid, weil sie Menschenblut zum Überleben brauchen, denn sie gehen mit der Situation geradezu pragmatisch um. Außerdem: Bei BYZANTIUM ist die Transformation zum Vampir keineswegs eine illustre Veranstaltung für die ganze Familie.

Es geht bei diesem Film also nicht um das tolle Leben als Vampir. Quasi unsterblich zu sein, ist nicht immer die einfachste Lebenssituation. Was der Zuschauer sieht, ist die Tragik eines ewigen Lebens, mit dem nichts Besonderes getan wird. Das gelebt wird, als wäre man noch menschlich und der zeitliche Horizont begrenzt, weil Menschen es einfach nicht besser wissen. Hier wird kein Glamour wie ein schützender Mantel über die Protagonisten gelegt. Der Film zeigt vielmehr, was der Großteil der Menschen tatsächlich machen würde, wären Vampire real: Es würde alles beim Alten bleiben. Wir wüssten gar nicht, was wir mit der Unsterblichkeit anfangen sollten.

Was würdest du tun, wenn die Ewigkeit dir zu Füßen liegen würde?

Fazit

Ein Anti-Vampirfilm. Die feministische Ader könnte etwas stärker hervorkommen … Insgesamt aber ein Film für alle, die einfach mal keinen Einheitsbrei sehen wollen. 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Byzantium

Regie: Neil Jordan
Darsteller: Saoirse Ronan, Gemma Arterton, Sam Riley
Im Handel: 27. Dezember 2013
Extras: Interview mit Cast & Crew, B-Roll

Im Vertrieb der Universum Film GmbH

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