Vollkommen Irre Und Durchgeknallt

Milner (Geraldine James) ist der wahre Mr. Rabbit. Jessica Hyde? Ist in Gewahrsam. Mit ihr: Das Gegenmittel zu dem Virus, der die Welt in den Tod stürzen soll. Wilson? Hat die Gruppe der Guten verlassen. Alles deutet auf die absolute Katastrophe hin – die Utopia-Verschwörung ist im vollen Gange …

Achtung, Spoiler für alle, die Staffel 1 nicht gesehen haben!

Das Utopia Rätsel ist nach wie vor nicht gelöst. Hat Jessica Hyde deswegen versagt? Das weiß niemand. Aber ein Rätsel lässt sich immer lösen und so machen sich alle daran, auch wenn dieser Schlüssel zur Zukunft erst einmal verloren schien. In Rückblendungen in die 70er Jahre geht es um die Frage, was den Eiskalten Killer so aus seinen geistigen Bahnen gehoben hat und wie es überhaupt zur Utopia-Verschwörung kam. Immer im Hintergrund: Die russische Gruppe, die jetzt, in der Gegenwart allmählich einen (Network-)Schläfer nach dem anderen aufweckt und so die weltweite Apokalypse einleiten will – per de-facto tödlichem Virus (weil unfruchtbar machend). Wilson, der Überläufer, entledigt sich aller moralischer Fragen. Für ihn zählt nur noch, dass die Arbeit des Networks  mit möglichst geringem Kollateralschaden ausgeführt wird.

Die Kritik

Es bleibt genauso abstrakt und schrill, wie Staffel 1 es war – wer cleane und aufgeräumte, also simpel gestrickte Serien mag, sollte die Finger von Utopia lassen. Wer kunstvolle Verstrickungen und die ein oder andere Verschwörungstheorie im Herz trägt, ist absolut richtig!

Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch stark: Die Rückblenden in die 70er Jahre werden nicht einfach nur durch eine Sepia-Farbeinstellung gekennzeichnet, sondern auch noch 8mm Standard Definition „gefilmt“ – das macht das Erlebnis-Gefühl realistischer. Überhaupt ist Utopia eine Serie, die herrlich erfrischend alle Hollywood-Schönheitsstandards ignoriert. Das führt bisweilen so weit, dass man sich fragt, ob manchmal nicht ein Schock auf den anderen drauf gesetzt wird – des Schocks wegen, nicht der Sinnhaftigkeit. Da kommt selbst Game of Thrones nicht hinterher! Trotzdem ergibt hinterher alles einen Sinn.

Ist es ein Manko, ist es kunstvoll? Hier bin ich mir nicht so sicher – denn es gibt einfach kein richtiges Ende. Sie ist einfach irgendwann vorbei und einige Handlungsstränge sind vollkommen offen. Eine Staffel 3 steht angeblich nicht auf der Bestellliste des Verleihs. Man kann sich also zig eigene Gedanken machen und kommt am Ende doch auf kein Ergebnis. Auch wenn einer der kreativen Köpfe wohl angeblich meinte, er hätte genug inhaltliche Ideen für zwei weitere Staffeln – davon werden wir leider nichts mitbekommen.

Insgesamt kann man Utopia nur mit Superlativen beschreiben. Extrem laut, brachiale Optik, fantastischste Verschwörungen. Eine Serie, in die man sich erst ein bisschen einfühlen muss, die einen dann aber nicht wieder loslässt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Utopia, Staffel 2
6 Episoden

Darsteller: Adeel Akhtar, Paul Higgins, Geraldine James, Neil Maskell, Ian McDiarmid, Fiona O‘Shaughnessy

Seit dem 26. Juni als DVD und BluRay im Vertrieb der polyband GmbH im Handel erhältlich

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