Versunken und vergessen

Das zu denken könnt ihr euch schenken! Denn nach The White Queen hat die BBC hat es wieder getan: Eine historisch vollkommen inakkurate Serie auf die Bildschirme gebracht. Diesmal aber vollkommen beabsichtigt und daher … Das Urteil lest ihr natürlich hier auf Academicworld!

Das sagenhafte Trio neu aufgelegt: Jason, Herkules, Pythagoras. Foto: BBC America
Das sagenhafte Trio neu aufgelegt: Jason, Herkules, Pythagoras. Foto: BBC America

Jasons Vater ist im Meer bei einem Tauchunglück verstorben. Wie der Alte, so der Sohn? Das denkt sich Jason jedenfalls und taucht gleich mal hinterher. Auch er gerät in den gefährlichen Strudel und glaubt, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Doch alas, er erwacht! Im (nett anzusehenden) Adamskostüm findet er sich mit dem Gesicht im Sand wieder. Von ein paar Fischern klaut er sich schräg aussehende Klamotten und stellt bald eines fest: Er ist in Atlantis gelandet!

Zum Glück ist er ein halbwegs gebildeter Junge und hat daher den Namen schon einmal gehört. Natürlich trifft er auf niemand anderen als Pythagoras, der auch „damals“, beziehungsweise in dieser anderen Realität mit seiner Faszination für Dreiecke ziemlich einsam dasteht. Der Mitbewohner von Pythagoras? Ist Herkules. Der befindet sich in seinen Vierzigern und hat ordentlich Speck angesetzt. Was bei dem Futterbedarf und dem Weinkonsum jetzt nicht so unverständlich ist.

... und hier das hübsche Mädchen, um das sich Jason mit elitärem Dünkel prügeln muss. Foto: BBC America
… und hier das hübsche Mädchen, um das sich Jason mit elitärem Dünkel prügeln muss. Foto: BBC America

Umso verständlicher drücken sich die Atlanter aus – in feinstem Englisch! Oder Deutsch, je nachdem, was ihr euch anseht. Aber gut, wer wird sich schon über so eine Kleinigkeit wundern. Immerhin finden sich so manche griechischen Mythen in der Serie verarbeitet. Wer Wert auf historische Akkuratesse legt, dem sei hiermit das Wegklicken des Artikels nahe gelegt. Die BBC adaptiert die Mythen und Legenden frisch und frei. Beispielsweise lernen wir eine noch nicht verschlangenkopfte Medusa kennen. Oder die Sache mit dem Minotaurus, beziehungsweise seiner Affäre mit der Königin wird ebenfalls für die zarte moderne Seele angepasst. Dazu kommen echte historische Personen wie Pythagoras, der damals wie heute der absolute Nerd in der Gesellschaft ist. Zusammen mit Herkules bilden er und Jason eine nicht ganz harmonische Männer-WG.

Ihr Überleben hängt des Öfteren am seidenen Faden oder balanciert auf einer Schwertschneide. Sie werden mit Monstern und Babys konfrontiert, Soldaten, Göttern und Hinterlist. … und damit das Fass ja zum Überlaufen kommt, gibt es eine Runde Königsmord-Verschwörung gratis oben drauf. Inklusive der hübschen jungen Dame (Königstochter, was auch sonst), in die sich klein Jason natürlich sofort verliebt. Sie ist ein bisschen wie die moderne Vegetarierin: Moralisch hochachtungsvoll, nie um einen Seitenhieb auf nicht Gleichgesinnte verlegen und total zartbesaitet. Hach!

Glaubt ihr, das war schon alles? Mitnichten! Denn Jason kommt scheinbar ursprünglich aus Atlantis und als solcher Jüngling hängt ihm eine (noch unbekannte) Prophezeiung über seinem hübschen Köpfchen. Abwechslung und Entwicklungen gibt es also viele. Die Schauspielerei ist anfangs noch etwas holprig und ungeschliffen, aber nach 2 Episoden wächst dem Zuschauer diese Chaostruppe echt und aufrichtig ans Herz. Warum muss es auch immer das edle Heldentum sein, wenn das Leben schlichtweg Spaß machen kann.

En garde!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Atlantis, die gesamte erste Staffel (BBC America)

Darsteller: Jack Donnelly, Mark Addy, Robert Emms, Jemima Rooper
Seit dem 12. März auf DVD im Vertrieb der polyband Medien GmbH erhältlich

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