Verdammte Welten!

Einst, bei Michael Ende, hat das Nichts die Welt fast vernichtet. In “Das Gewölbe des Himmels” stellt nun die Stille die ultimative Bedrohung dar. Doch wer kann die Menschheit retten? Denn Helden sind rar in einer Welt, in der Stilletreue die Länder verwüsten … Neue Fantasy vom Feinsten!

Tahn Junell ist ein ganz normaler junger Mann seiner Welt: Als Jäger verdient er das Einkommen für seine Familie. Die besteht leider nur noch aus ihm und seiner Schwester, die nach einer Vergewaltigung schwanger geht. Doch während der Geburt wird sie von einem unheimlichen Wesen angegriffen und Tahn schafft es nicht, sie zu verteidigen. Dieses Wesen, ein sogenannter Bord’yn, entführt das Kind in den Born – das ist das Gebiet, in dem die bösartige Stille herrscht. Anführer der Stilletreuen wie den Bord’yn ist Der Eine. Einst ein Gott, wurde er wegen eines Frevels zusammen mit seinen Anhängern in den Born verbannt. Doch er hat noch lange nicht aufgegeben und bereitet sich auf den nächsten großen, alles entscheidenden Krieg gegen die nichtsahnenden Menschen vor.

Tahn, sein Freund Sutter und seine Schwester Wendra mittendrin. Nicht ganz freiwillig, denn nach der Kindesentführung werden sie von dem Sheson (eine Art Magier) Vendanij mit auf eine Reise genommen. Warum Letzterer so ein starkes Interesse an Tahn hat, ist keinem so recht klar. Soll er Vendanij im Kampf gegen die Stille unterstützen? Oder ist er ein Instrumentarium des Einen, des vergessenen Gotts? Und welches Schicksal erwartet seine Freunde? Auf der Reise begegnet ihnen bodenlose Zerstörung, aufkeimende Liebe, tiefgreifende Hoffnungslosigkeit, Gewalt und Verrat. Als sie getrennt werden, muss jeder seinen eigenen Weg finden – einen Pfad durch diese Welt, zu sich selbst, zur Rettung der Menschheit!

Die Kritik

Der Klappentext beginnt mit einem Spruch, der die Messlatte ziemlich hoch legt: “Die Schöpfer formten die Welt. Doch einer von ihnen verdarb ihr Werk, und die Welt war verdammt”. Er allein kündigt bereits ein faszinierendes Epos sondersgleichen an. Das Gute: Er darf durchaus als Versprechen ausgelegt werden. Als eines, das gehalten wird!

Die Verdammung als das große Thema hinter den Zeilen gibt der Handlung Tiefe, ohne schwerfällig zu wirken. Sie macht aus einer an sich schon guten Unterhaltung das faszinierende Epos, das “Das Gewölbe des Himmels” tatsächlich darstellt. Fantasy-Serien haben es ja nicht immer so leicht bei ihrer Beurteilung. Vergleiche mit riesigen Erfolgen wie Herr der Ringe oder Game of Thrones liegen nur allzunahe. Bei solchen Größen fallen diese allerdings zu oft nicht gut aus – wen wundert das. “Das Gewölbe des Himmels” ist nun eine Saga, die den Vergleich einerseits nicht zu scheuen braucht. Andererseits ist sie auch so anders ausgestaltet, dass es gar nicht so viel Sinn macht, umfänglich Parallelen zu ziehen. Genau das ist es auch, das das Buch auszeichnet. Im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Unterhaltung, die bisher erfolgreichen Erzählungen nicht kopiert. Peter Orullian kreiert seine eigene Welt, authentisch, hart, neu, interessant. Garniert wird das durch Charaktere, die alles andere als perfekt sind und kein klischeehaftes oder langweiliges Verhalten an den Tag legen.

Die Handlung selbst unterteilt sich bald in verschiedene Stränge. Damit folgt sie den unterschiedlichen Charakteren auf ihren jeweiligen Wegen und bringt so eine interessante Abwechslung in die rund 666 Seiten. Ja, 666 Seiten, witziger Zufall 😉 Dass die Charaktere genauso wenig wissen, wohin ihre Reise geht, wie der Leser, verbindet sie miteinander und steigert die Spannung erheblich!

Ein weiterer großer Vorteil: Der Schreibstil ist eine Mischung aus detailverliebter Ausdrucksweise, gemischt mit fast nüchternen Kampfszenen. Der Autor passt seine Wortwahl an die unterschiedlichen Charaktere an. Unschlagbar – der beißende Humor in den Dialogen zwischen Sutter und Tahn. Absolut unterhaltsam und bringt einen schon mal zum laut auflachen.

Insgesamt ist “Das Gewölbe des Himmels” ein grandioses Lesevergnügen. Fesselnd bis zuletzt, vielversprechendes Ende, definitiv keine nachahmende Fantasy. Absolute Empfehlung! Glücklicherweise übrigens Buch 1 einer Reihe, in der Band 2 auch schon erschienen ist.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Peter Orullian. Das Gewölbe des Himmels: Der Vergessene.
Blanvalet. 15,00 Euro.

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