Vater werden ist nicht schwer …

…Vater sein dagegen sehr. Das wusste schon Wilhelm Busch. Francis, der fast 60jährige Protagonist von Philippe Djians neuem Roman „Die Leichtfertigen“ würde dem sicher nicht wiedersprechen.

"Vater werden ist nicht schwer ..."

Durch einen schrecklichen Unfall hat Francis vor Jahren seine erste Frau und eine der beiden gemeinsamen Töchter verloren. Übrig blieben damals Alice und er. Die ist nach einer wilden, selbstzerstörerischen Jugend mittlerweile erfolgreiche aber egozentrische Schauspielerin, verheiratet und Mutter von Zwillingen. Francis, durch die Katastrophe schriftstellerisch fast verstummt, ist wieder verheiratet, konnte seine erste Frau – obwohl er sie kurz vor ihrem Tod betrogen hatte – nie vergessen, was auch die zweite Ehe in arge Bedrängnis bringt. Überzeugt davon, dass sie ihn betrügt lässt er sie vom gerade aus dem Gefängnis entlassenen Sohn einer alten Schulfreundin beschatten.

Da verschwindet Alice plötzlich und monatelang. Die Sorge nagt an ihm und bringt ihn dazu, sich immer mehr in die angebliche Affäre der Frau zu stürzen, was diese letztlich wirklich aus dem Haus jagt. Doch wo ist Alice? Affäre? Drogenrückfall? Entführung? Tod? Letztlich scheint alles nicht so schlimm- oder viel schlimmer? Was bleibt dem alternden Schriftsteller da noch als Strategie zur Problemlösung? Die Flucht in die Fiktionalität. Nach Jahren der Kurzgeschichten wagt er sich wieder an einen Roman.

Kunstvolle Kreation

Djian schilder Francis als einen jener Pessimisten, die immer erst dann zu schätzen wissen was sie haben, wenn sie es verloren haben oder wenigstens verloren glauben ? auf Dauer als Erzählperspektive etwas ermüdend, aber nicht uninteressant. In sehr lakonischem Tonfall schildert er die kunstvoll konstruierte Geschichte, voller Rückblicke und Zeitsprünge. Die vermeintlichen Spannungshöhepunkte bleiben ausgespart. Die Handlung konzentriert sich auf das Vorher und das Nachher, auf Ursache und Wirkung. Die Tat bleibt unklar, schwammig, kaum zu greifen, wird wenn überhaupt nur am Rande geschildert, bleibt letztlich Leerstelle und bietet dem Leser daher reichlich Raum zur eigenen Interpretation.

 

224 Seiten

Diogenes (2011)

20,90 Euro

 

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