Väterrechte

Diese Woche hat der Bundesgerichtshof das Väterrecht gestärkt: Unverheiratete Väter können sich jetzt das gemeinsame Sorgerecht eintragen lassen – auch gegen den Willen der Mütter. Das betrifft heute jedes Dritte Kind, denn es wird unehelich geboren.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Ich als alte Emanze finde das sehr gut: Ich finde es immer gut, wenn sich Menschen emanzipieren und Männer ganz besonders. Denn wenn sie emanzipiert sind,  dann müssen sie auch keine Machofassade mehr vor sich her schieben und haben sich neue Rollenbilder gesucht.

Die meisten Mütter in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind zum Glück völlig normale Menschen geblieben. Doch es gibt hier und da auch andere Fälle: Frauen, deren Neurosen ohne Kinder noch in einem subtilen Gleichgewicht waren, outen mit Kind plötzlich offensichtlich ihre psychischen Schwachstellen. Das Kind wird zum verlängerten eigenen Selbstwertgefühl, zu einem erweiterten Teil des Ichgefühls: Soweit, so normal. Doch wenn dann Kleinkinder plötzlich zu Hochbegabten erklärt werden oder zu rohen Eiern, die zerbrechen können oder zu etwas, das jeder andere Mensch, auch der Vater des Kindes, nicht ausreichend würdigt, völlig falsch behandelt und niemand sowieso weiß, wie dieses Kind funktioniert, außer die Mutter, dann wird der psychische Schaden der Mutter, das schwache Selbstwertgefühl sehr deutlich, dass hier versucht als Mutter über das Kind endlich Genugtuung zu erfahren.

Milgram hat 1961 sein berühmtes Experiment durchgeführt: Menschen wurde angewiesen, anderen Stromschläge zu verpassen. Sie hörten laute, gequälte Schrei (zum Glück nur vom Band, aber das wussten sie nicht). Das Experiment wurde in verschiedenen Varianten durchgeführt mit mehr oder weniger nachdrücklicher Autorität oder Belohnungen. Das Ergebnis im Durchschnitt war:  Ein Drittel der Testteilnehmer folgte den Anweisungen oder wurde sehr eifrig, besonders wenn es für sie selbst bei ordentlicher „Strafarbeit“ etwas zu gewinnen gab. Ein weiteres Drittel machte mit, zeigte aber Widerwillen und körperliches Unwohlsein. Nur das letzte Drittel machte nicht mit. Das Experiment wurde gerade wiederholt, mit in etwa dem selben Ergebnis.

Milgram konnte mit dem Experiment beweisen, dass in jedem Menschen ein Nazi steckt (um es mal platt zu sagen). Wenn Menschen Macht über andere bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie diese Macht zur Befriedigung ihrer psychischen Schwächen (Spannungsabfuhr von Neid, Wut, Eifersucht, Verlustängsten, Selbsterhebungswünschen) benutzen.

Frauen bekommen Macht, wenn sie Mütter werden. Sie bekommen Macht über ihre Kinder, aber auch über die Väter, die diese Kinder lieben und dann vom guten Willen der Mütter und der Gerichte, die bisher durch die Rechtslage auf Seiten der Mütter waren, abhingen.

Mir ist klar, dass ich hier den Vergleich von Müttern und Nazis ziehe. Aber beide gehören nun mal der Gattung Mensch an. Und wie wiederholt bewiesen wurde, ist mindestens ein Drittel (!) der Gattung Mensch dazu fähig, völlig skrupellos, aus einem eigenen Vorteil heraus und aus der Lust der Selbstwerterhebung und psychischen Spannungsabfuhr (also dem ungestraften Ausleben von neurotischen Gefühlen) andere zu quälen, wenn man ihnen die Macht dazu gibt.

Dasselbe gilt natürlich auch für ein Drittel aller Väter und ein Drittel aller Psychoblogschreiberinnen – nur dass es für sie, glücklicher Weise, keine Gesetzeslücken für solch einen Machtmissbrauch gibt.

Es mag am Anfang noch Hemmungen geben, auch gibt es niemanden, der dazu auffordert (wie beim Milgram-Experiment). Aber auf Dauer verstärkt sich der Machtmissbrauch, wenn keine höhere Autorität ihr Einhalt gebietet.

Die meisten Frauen wollen von ihrer Macht in der Familie nicht lassen (auch wenn sie diese Macht nicht missbrauchen) – genauso wenig, wie die Männer von ihrer Macht in den Firmen nicht lassen wollen. Wie wäre denn eine Welt mit mehr Frauen mit Macht in Firmen und Politik und mehr Männern mit Macht in den Familien und bei der Kindererziehung? Vielleicht können sie dann gegenseitig den Machtmissbrauch besser in Schach halten. Der BGH jedenfalls hat dazu diese Woche einen wichtigen Schritt geleistet.

Von Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

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