Unverhofft kommt oft

Im luftig-leichten Roman „Umzug ins Glück“ findet die Mittvierzigerin Mia nicht nur eine neue Behausung, sondern auch neue Freunde, eine neue Liebe – und schließlich ein ganz neues Lebensgefühl.

Rezension Umzug ins Glück
Der Umzug ins Glück – auch mit Mitte 40 keine Unmöglichkeit?

Es beginnt alles mit einer Spinnwebe, die ganz unschuldig in der Ecke des Badezimmers baumelt. Diese ärgert die eigensinnige Paula, die Tante der Hauptfigur und Erzählerin Mia, schließlich so sehr, dass Paula auf einen Hocker steigt, um der Spinnwebe den Garaus zu machen  – worauf sie natürlich unglücklich stürzt und sich ein Bein bricht. Damit stürzt aber auch Mia ins Chaos, denn so wird eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, die das Leben der 46-Jährigen ordentlich durcheinander bringen – und wie schon der Titel verspricht, sie schließlich ins Glück führen.

Doch weder soll hier alles verraten werden, noch zu sehr vorgegriffen werden. Denn zunächst rast auf dem Parkplatz des Krankenhauses, in das Paula eingeliefert wird, ein Auto in das von Mia. Während Mia sich nur über den komischen Kauz wundert, der das Unfallauto gefahren hat, reagiert Seniorin Paula verzückt, als sie den Fahrer sieht: Handelt es sich bei diesem seltsamen Kerl doch um niemand anderen als um den einstmals – vor ein paar Jahrzehnten, um genau zu sein – noch sehr berühmten Schauspieler Jan Hörnum. Diesen wird Mia dann nicht mehr los, quartiert sich der ältere Herr doch gleich bei ihr ein – natürlich nur, weil er seine Schlüssel fürs Hotel verloren habe. Doch auch damit ist Mias Chaos noch nicht vorbei, denn die resolute Paula verkündet ihr, dass Mia ihr altes Haus übernehmen soll, während sie selbst in eine Seniorenpension ziehen will. An sich nicht schlecht, würde nicht auch noch der Mia so verhasste Stiefsohn von Paula, Nick, miteinziehen. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass dieser Nick gar nicht so schlimm ist, sondern ganz im Gegenteil, Mia sogar ganz gut gefällt… Als sich schließlich noch Mias Chef auf die Suche nach seinem Vater macht und diesen in Mias weitläufiger Verwandtschaft vermutet, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Und mit den Neuerungen in Mias Wohn- und Lebenssituation verändert sie sich langsam ebenso, weil sie nicht nur alte Möbel aussortiert, sondern gleichzeitig einige alte Lebensgewohnheiten und Vorstellungen über Bord wirft.

Girly-Probleme für die Frau ab 40

Das sind kurz skizziert die launigen Verwicklungen von Ursula Schröders Roman. Vieles ist nicht ganz untypisch für „Chick Lit“ (also Belletristik für jüngere Frauen), eines aber doch sehr: das Alter der Hauptfigur. Denn mit Mitte 40 hebt sich dieses doch sehr angenehm von den üblichen Twenty- und Thirty-Somethings an, die sonst durch viele Romane dieses Genres stöckeln. Vielleicht müsste man es deshalb eher „Lady Lit“ nennen, allerdings ist es schade, dass die Figur doch oft sehr oberflächlich bleibt und gerade in ihrer ständigen Sorge um ihr Gewicht und ihrer aufkeimenden Verliebtheit zu Nick – einer leider ebenfalls sehr eindimensionalen Figur – dann doch eher als „Chick“ denn als gereifte Frau erscheint.

Viel Spaß machen dagegen die skurrilen Nebenfiguren, wie der undurchsichtige Alt-Schauspieler Hörnum, der immer für eine Überraschung gut ist. Genauso zeigt die Autorin viel Komik was die Gestaltung der Familie betrifft, so heißt es zum Beispiel über den Tod von Mias Großvater, der im Glauben starb, den Bomben-Blindgänger in seinem Garten selbst entschärfen zu können: „Er hinterließ ein großes Loch und eine kleine Rente.“ Solche trocken-sarkastischen Exkurse zur Familiengeschichte machen Spaß – etwas weniger lustig zu lesen sind allerdings die erzählerischen Verirrungen zu Themen wie das korrekte Sortieren von Kleidung für die Altkleidersammlung oder ausschweifende Dialoge, wie man mit falsch gewürzten Soßen umgehen sollte. Solche Exkurse plätschern manchmal über Seiten vor sich hin, ohne die Handlung voranzutreiben. Insgesamt flacht der Roman ohnehin in der zweiten Hälfte immer mehr ab und treibt dann ruhig auf ein natürlich für alle glückliches Ende hin, für das manche Fäden der Geschichte dann noch schnell zu Ende gebracht werden.

Fazit:

Alles in allem wohl eher ein Roman für die Frau ab 40, die gerne mehr Hauptfiguren in ihrem Alter sehen will, die ihr Leben umkrempeln. Der Roman unterhält dabei und tut nicht weh, wobei ihm die eine oder andere Skurrilität mehr nicht geschadet hätte. 

Diana Mantel (academicworld.net-Userin)

Ursula Schröder. Umzug ins Glück.

8,95 Euro. DTV

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