Unterwegs durch Raum und Zeit

Seit er ein Showgirl mit leuchtender Radiumfarbe gesehen hat, ist Harper hin und weg von seinen shining girls. Durch einen Zufall gelangt er an ein Zeitportal und von nun an ist er nicht zu stoppen: Mordend zeiht er durch die Zeit und sucht nach neuen Mädchen mit dem gewissen Leuchten im Blick.

Auch Kirby gehört zu seinen Auserwählten. Seinem inneren Muster folgend reist er einmal in die Kindheit des jeweiligen Mädchens und gibt ihr einen Gegenstand aus einer völlig anderen Zeit. Seine Marotte, sein Tick. Für ihn manchmal nur einen Moment später, betritt er anschließend viele Jahre danach die Welt des Opfers  – mit dem Messer in der Hand. Grausam ist er, unmenschlich scheint er. Überlebende hinterlässt er nie. Bis Kirby sich aus schierer Sturheit weigert, zu sterben.

Harper merkt davon nichts. Kirby wächst heran und macht sich als Praktikantin einer Tageszeitung auf die Suche nach ‚ihrem‘ Attentäter. So unglaublich es klingt, doch trotz seines zeitlichen Vorteils kommt sie ihm auf die Schliche. Das führt ihn wieder auf ihre Spur und die gnadenlose Jagd aufeinander beginnt.

Die Kritik

Harper ist definitive eine gestörte Persönlichkeit. Natürlich fragt man sich, worin sie sich begründet. An einem Punkt fällt im Buch auch ein Satz dazu – die Schützengräben des Ersten Weltkriegs haben aus einem eigentlich normalen Mann einen sadistischen Psychopathen gemacht. Der Leser wird durch dieses Wissen nicht in die Rolle gedrängt, ‚den Bösen‘ zu hassen. Klar, man möchte nicht, dass er weiterhin Erfolg hat und leidet mit den Mädchen mit. Doch die Welt ist nicht einfach schwarz-weiß und das wird vom Buch reflektiert. 

Kirby ist ein sturer Esel. Der Leser möchte sie zwischendrin anbrüllen, weil sie so unnachgiebig in den von ihr selbst geschaffenen Abgrund läuft. Auf dessen Boden liegt das unfassbare Trauma, das sie durchlitten hat und das sich zu einer eigenen leichten Psychose entwickelt hat.

Die Story insgesamt ist eine Mischung aus Thriller und Science Fiction, beziehungsweise Fantasy. Das macht sie sehr interessant und äußerst unterhaltsam. Es geht eben nicht nur darum, einen Mörder zu stoppen. Es ist auch nicht der einsame Held/ Polizist, der dem skrupellosen Psychopathen nachjagt. Viele verschiedene Wege, unterschiedliche Charaktere, der phantastische Twist des Thrillers – alles in allem ein Buch, das den Leser über die Lesezeit selbst weiter fesselt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Shining Girls. Lauren Beukes.
Rowohlt. 14,99 Euro.

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