Unter Feinden

Der Gefängnisalltag in vielen Haftanstalten ist geprägt von Hass und Gewalt. Zahlenmäßig unterlegen riskieren die Wärter tagtäglich ihr Leben im Einsatz hinter Gittern. Regisseur Reg Traviss hat mit „Screwed – Krieg im Knast“ die Erfahrungen von Bestsellerautor Ronnie Thompson, der sieben Jahre in einem der gefährlichsten Knäste Englands seinen Dienst versah, auf die Leinwand gebracht. Dabei herausgekommen ist ein knallharter Thriller mit Tiefgang. Seit dem 6. Juni im Handel erhältlich.

Der Soldat Sam kehrt stark traumatisiert aus dem Irak-Krieg in seine Heimat zurück. Zuhause angekommen stellt er fest, dass es ihm schwer fällt sich wieder in die zivile Gesellschaft zu integrieren. Hinzu kommen die ständige Flashbacks, die ihn nicht loslassen. Auch die Jobsuche gestaltet sich schwierig. Auf Drängen seiner Frau hin nimmt er eine Stelle als Wärter im berüchtigten HM Prison Romwell an. Dort bestimmen die Häftlinge und ein karrieregetriebener Direktor die Spielregeln. Sam stellt schnell fest – im Knast verschwinden die Grenzen zwischen Gut und Böse. Bald schon muss er sich entscheiden auf welcher Seite er steht. Denn auch einige der Wärter spielen ein falschen Spiel und kollaborieren mit den Gefangenen. Sam scheint dem Druck nicht gewachsen. Seine Frau versteht seine Probleme nicht. Um dem zu entfliehen flüchtet er sich in Alkohol und Drogen. Wird er diesem Sog entkommen?

Ungewohnte Perspektive

„Screwed – Krieg im Knast“ ist alles andere als ein brutaler, klischeegetränkter Knastfilm, der sich nahtlos in Reihe der klassischen Gefängnisfilme einreiht. Nein, Regisseur Reg Traviss war es offensichtlich wichtig, die Perspektive der Wächter in den Vordergrund zu rücken. Eindrucksvoll zeigt er am Beispiel von Sam, der sehr überzeugend von James D’Arcy verkörpert wird, wie der Knast bzw. die Arbeit dort einen Menschen verändern kann. Das Gefühl der ständigen Anspannung und Unsicherheit muss schlimm sein. Man wird zunehmend isoliert von der Gesellschaft, denn nur die anderen Wärter, die tagtäglich den gleichen Irrsinn erleben, können nachvollziehen, was man als Gefängniswärter durchmacht. Am Ende ist man soweit, dass man sagen muss: eigentlich sind auch sie Gefangene. Welche Auswirkungen das haben kann, wird im Film sehr anschaulich dargestellt. Die Arbeit belastet immer mehr die Beziehung zwischen Sam und seiner Frau.

Der Job belastet das Familienglück; Bild: © 2012 – Tiberius Film

Kleine Schwächen

Passend zur Stimmung im Film sind die Farben dunkel gehalten. Das erzeugt eine sehr reale Atmosphäre, dem Handlungsort angemessen, die einem bis zum Ende einnimmt. Gewaltszenen sind sehr spärlich gesät. Das ist eine angenehme Abwechslung zur Darstellung in vielen anderen Gefängnisfilmen, in denen die Wärter meist als machtgeile und brutale Schläger dargestellt werden. Etwas zu kurz kommen jedoch einige der Nebenfiguren im Film. Man erfährt einiges über Sam, doch die anderen Protagonisten auf Seiten der Wärter, die auf jeden Fall das Potenzial dafür hätten, kommen zum Teil etwas kurz. Es wäre schön gewesen, wenn man auch mehr über ihre Hintergründe erfahren hätte. So bleibt einiges unklar, was die Story nicht immer nachvollziehbar macht.

Gute Darstellung

Besonders gefallen hat mit Sicherheit die Darstellung von Hauptdarsteller James D’Arcy. Speziell seine Anfänge im Gefängnis, der Sprung ins kalte Wasser und die Angst beim Öffnen der Zellen, werden sehr glaubhaft dargestellt.  Doch auch der restliche Cast macht seine Rolle gut.

Fazit: „Screwed – Krieg im Knast“ ist ein durchaus sehenswerter Thriller, der mit wenig Gewalt auskommt und dem Zuschauer eine neue, interessante Perspektive eröffnet.

Thomas Hepp (academicworld.net)

Screwed – Krieg im Knast

Darsteller: James D’Arcy,  Noel Clarke, Frank Harper, Kate Magowan, Jamie Foreman, Doug Allen, Ray Panthaki, Claire-Louise Catterall, Simon Rhodes, Alexander Ellis

Regisseur: Reg Traviss
Sunfilm Entertainment
Seit dem 6.6.2012 im Handel erhältlich

Stand Juni 2012
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