Unsaubere Geschäfte – wenn alles aus dem Ruder läuft

Ein verfolgter E-Polizist, eine wieder aufgetauchte Schwester, kriminelle Machenschaften. All das bietet Tom Bales „Fear – Die Stunde des Jägers“. Worum es noch geht und ob das Buch überzeugt, berichtet eine unserer Userinnen.

Der Ex-Polizist Joe hat vor vier Jahren den Sohn eines Bandenchefs in einem Undercovereinsatz erschossen, der aus dem Ruder lief. Daraufhin musste er seine Frau und seine zwei Töchter verlassen, um sie außer Gefahr zu bringen. Denn nun ist der Bruder des Ermordeten hinter ihm her. Joe schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und hofft, irgendwann zu seiner Familie zurückkehren zu können. Doch plötzlich wird er überraschend entdeckt.

Hier steigen wir turbulent mit einer wilden Verfolgungsjagd ins Buch ein. Es geht durch Bristols Straßen und Vorgärten, bis Joe unter Verwendung aller Tricks entkommen kann. Er flüchtet nach Trelennan, wo Diana, die Frau seines alten verstorbenen Freundes und Kollegen Roy lebt. Die möchte ihn zunächst nur widerwillig reinlassen, überwindet sich dann aber doch. Joe erzählt ihr nur grob, was sie wissen muss und Diana will es auch gar nicht so genau wissen.

In Trelennan „herrscht“ und „regiert“ Leon Race. Er hat einen privaten Sicherheitsdienst in der Stadt, die Hälfte der Leute arbeiten mit oder für ihn und der Rest verhält sich möglichst ruhig. Doch so sauber scheinen die Geschäfte nicht zu sein. Allerdings kann ihm niemand etwas nachweisen, Leon ist aalglatt. Trotz kleiner Reibereien stellt Leon Joe als Fahrer an, um ihn unter Kontrolle zu halten.

Joe erfährt, dass eine junge Frau ihre verschwundenen Schwester sucht und kommt nicht gegen sein Bedürfnis an, ihr dabei zu helfen. Sein Instinkt sagt ihm, dass etwas Schlimmes passiert ist.

Kriminalität, Geheimnisse und das große Finale

Nach diesen Grundinformationen auf den ersten 150 Seiten plätschert die Handlung vor sich hin. Wir  erfahren nicht viel Konkretes, alles wird nur angedeutet, jedes erdenkliche Klischee irgendwie aufgenommen: Der nekrophile Bestatter, Joes Liaison mit der Ex-Frau des neuen Freundes von Diana, die verschwundene Schwester Kamilla, die einen reichen Kerl ausnehmen wollte, Leon, der eine „saubere“ Stadt ohne Ausländer, Schwule und Kriminalität (außer der eigenen) will …

Irgendwann kommt Leon hinter Joes Geheimnis und will Kapital daraus schlagen – er meldet sich bei Joes Verfolger, um ihn auszuliefern. Doch außerhalb von Trelennan laufen die Geschäfte nicht ganz so reibungslos, wie es Leon sonst gewohnt ist. Und ab dann läuft alles aus dem Ruder. Alles grob erwähnt, aber nichts davon wirklich verfolgt. Schade.

Das Finale auf den letzten hundert Seiten ist gut lesbar, allerdings wirkt das plötzliche Hochwasser sehr an den Haaren herbeigezogen. Sehr schön, aber mit deutlichem Ausbaupotentzial, sind die kurzen, vereinzelt eingestreuten Kapitel, in der eine junge Frau, die eingesperrt ist, von ihrem Martyrium erzählt.

Am Ende führen alle Handlungsstränge zusammen, der Showdown fordert einige Todesopfer, die buchstäblich untergehen. Joe entscheidet sich gegen ein Leben in Trelennan – für mich unerwartet – und so verabschieden sich das Buch und ich uns voneinander, ohne große Abschiedsszene oder Tamtam. Die Stunde des Jägers betitelt wohl eher Tom Bale – auf der Suche nach Lesern. Und die fürchten sich, wirklich …

Stefanie Janke (Academicworld-Userin)

Tom Bale. Fear – Die Stunde des Jägers
Goldmann. 9,99 Euro

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